Ich sitze im Flieger. Mein Grinsen ist fest zementiert und muss in Deutschland bestimmt operativ entfernt werden.
Eine unbeschreibliche Reise geht zu Ende. Und sie war bis zur letzten Sekunde wirklich bewegend (ich liebe Wortspiele).
Die Erfahrung, des bis zum Schluss Nicht-Aufgebens und es doch zu schaffen, verleiht mir immer noch ein Hochgefühl. Meine Ausflüge nach Morro Jable und auf die einsame Isla Lobos, die mich mit tiefem inneren Frieden erfüllen und die guttuende Erfahrung, mir selbst zu genügen.
Das Kommen und Gehen der Menschen im Camp, mit denen man einen Moment zusammen gelebt hat. Ich denke an Agnes, Britt und Andrea, denke an Dreadlocks-Julian, der so viel jünger als ich, und doch in einer Nacht schweigend mir so nah war. An meine Surfcoaches Therese und Celina, die nicht einen Moment aufgehört haben, an mich zu glauben und mir mehr zugetraut haben, als ich mir selber. An Stefan und seine Tochter Toni aus meinem Kurs, die sich nur in den Ferien sehen, mich an ihrem Leben teilhaben ließen. An Toni, die mich immer zum Lachen brachte und Stefan, der mir den letzten Kurstag ermöglichte. Stefan, ich habe gestanden!!!
Und im wahrsten Sinne des Wortes last but not least Sebi aus unserer Surfer-WG. Er kam in der letzten Woche mit seinen Kumpels. Ich fand ihn, sagen wir speziell, gar nicht unsympathisch, aber speziell und wir lebten im Camp einfach nebeneinander her. Heute Morgen brachte er mich mit seinem Wagen zum Flieger. Wir fuhren eine viel zu kurze Stunde in den Sonnenaufgang und redeten über subjektive und reale Freiheiten, von Lebensentwürfen, über Surfen und Selbstvertrauen, wir redeten wirklich bis ...
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Ja, da habe ich Ihnen
großspurig Tipps für einen entspannten Urlaub gegeben und falle selbst in Stressfalle!
Aber der Reihe nach: wie Sie sich denken können, bin ich nicht der Club-Urlauber. Nach einer spannenden Fahrt (etwas Spanisch könnte von Vorteil sein) bin ich abends in La Pared gelandet. Hier im Surfcamp (eine bunte WG mit zehn noch bunteren Surfern) wollte ich im Kurs Surfen lernen.
Am ersten Tag – niente, am zweiten Tag, außer paddeln wie ein Hund, nichts. Ich war total gestresst und wie besessen. Habe das Camp nicht verlassen und nur ans Surfen bzw. Nicht-surfen gedacht. Am dritten war ich die einzige, die immer noch auf Anfänger-Level war und dazu völlig erschöpft und mit zitterende Muskeln
Total deprimiert saß ich abends im Camp und dachte: super, ich bin eine Talentfrei-Zone. Meine engen Grenzen. Meine engen Grenzen? Da fiel mir ein Lied ein: "Meine engen Grenzen bringe ich vor Dich, wandle sie in Weite, Herr erbarme Dich."
Am nächsten Tag fiel der Kurs aus und stattdessen fuhr ich los. Land und Leute kennen lernen. Ich merkte wie mein Stress abfiel und ich genoss. Es gibt mehr, als etwas auf Krampf im Urlaub zu suchen. Perfekt surfen kann ich immer noch nicht. Aber ich bin schon zwei Mal auf dem Brett gestanden. Meine Weite sieht halt anders aus. Und ein guter Freund postete mir: "Einige haben Talent, na ja... und andere werden Stolz sein auf das, was sie erreichen werden ...!" ...
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Nun ist es soweit, ich bin durch den Check-in durch, auch wurde ich gescannt und gleich geht es in den Flieger.
Und wissen Sie was? Ich werde zum ersten Mal in meinen Leben fliegen. Ja, wenn man einmal davon absieht, dass ich während meiner Schulzeit des öftern aus dem Unterricht geflogen bin. Und ja, meine körpereigene Sitzfläche geht so langsam auf Grundeis (der Borkumer an sich würde es „etwas“ drastischer ausdrücken).
Natürlich habe ich viele gute Tipps von noch besseren Freunden bekommen: „nimm eine Schmerztablette, dann spürst Du den Druck auf den Ohren nicht!“ „Nimm bloß keine Schmerztablette, sonst platzt Dir das Trommelfell und Du merkst es nicht!“ „Sitz am Gang dann hast Du Beinfreiheit.“ „Sitz am Fenster, dann musst Du nicht dauernd aufstehen.“
Nur in einem waren sich meine Freunde einig: „Du brauchst keine Angst zu haben – oben ist noch keiner geblieben.“ Damit haben sie sich vollends beruhigt. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass die Newtonsche Gesetze auch im Luftraum zwischen Deutschland und Spanien gelten. Oh, ich kann an Bord. Hallo Gottvertrauen, ich bin froh Dich zu haben. ...
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Endlich gehen bei uns die großen Ferien los! Habe ich schon mal erwähnt, dass auf
Borkum alles anders ist? Unsere „großen Ferien“ sind im Oktober. Im Sommer wenn bei uns die Saison boomt, kann es sich fast keiner (im wahrsten Sinne des Wortes) leisten, für einen Urlaub die Insel zu verlassen. Aus diesem Grund wurde Borkum mit einer Sonderferienregelung versehen und unsere „Sommerferien“ in den Herbst verlegt. Den ganzen Oktober heißt es laissez-faire (danke Julian für die Übersetzung) auf der Insel.
Den Ferien passen sich auch Feiertage an: Da am eigentlichen Erntedank-Fest die Insel verwaist ist, ziehen wir es vor. Am letzten Sonntag gab es in allen drei Kirchengemeinden der Insel Festgottesdienste zum Erntedank - für die Kinder ein sicheres Zeichen: nur eine Woche bis zum Schulende.
Auch ich werde endlich in die großen Ferien gehen. Und wo macht eine Insulanerin Urlaub? Natürlich auf einer Insel! Fuerteventura heißt mein Ziel, damit auch weiterhin vom Inselleben berichten kann. ...
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Es ist soweit. Die letzte Ferienwoche auf Borkum hat begonnen. Am dritten August fängt hier die Schule wieder an.
Ich erwähnte ja schon: auf Borkum ist alles anders. Auch die Ferienregelung. Leben da, wo andere Urlaub machen, bedeutet auch, dann zu arbeiten, wenn andere Ferien haben.
Und Arbeit gibt es nicht zu knapp. Der Sommer ist die Zeit, wo wir am wenigsten Zeit haben. Zwischen allen Haupt- und Nebenjobs des Sommers (jetzt müssen wir das Geld verdienen, von dem wir im Winter leben) müssen Familie, Freunde und Vereine jongliert werden.
Da komme ich schon mal ziemlich ins Rennen. Vormittags in die Schule, nachmittags Ferienwohnungen putzen, die Jugendgruppe vorbereiten, dazwischen im Café der Freundin aushelfen, der die Thekenkraft ausgefallen ist (wegen zu hoher Arbeitsbelastung...) - gerne, bringt ein paar Euro mehr in die Kasse.
Später am Abend endlich mit meiner Tochter am Strand sitzen und den Tag abhaken. So geht das im Sommer sechs 1/2 Tage die Woche. Da freue ich mich auf den Sonntag. Ich meine einen richtigen SONNTAG. Einen an dem ich um zehn Uhr im Gottesdienst stehe und singe was das Zeug hält, bzw. das Trommelfell des Nachbarn. Diese Auszeit im ganzen Trubel tut gut. Und es öffnet mir die Augen. Erst wenn ich bremse, kann ich die Umgebung wieder wahrnehmen. Das Paradies, in dem ich lebe. Mein Sonntags-Gottesdienst ist mein Urlaub im Sommer. Jeden Sonntag. Wellness für die Seele pur, ohne Wartezeit und mit garantiertem Sofort-Effekt. ...
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„Du kommst von Borkum? “
„Ja.“
„Wahnsinn.“
„Find' ich auch.“
„Gibt es da auch eine Schule?“
„Ähm, ja, wir haben sogar Strom und fließend Wasser.“
Stellen Sie sich diesen Dialog, doch bitte einmal in Osnabrück vor:
„Du kommst aus Osnabrück?“
„Ja.“
„Wahnsinn, gibt es eigentlich auch Schulen in Osnabrück?“
Leben da, wo andere Urlaub machen, ist für die Gäste unserer Insel faszinierend, aber für uns ist es völlig natürlich. Da fällt einem das Besondere am diesem Leben gar nicht mehr auf. (Obwohl es das „etwas Andere“ natürlich zu Hauf gibt, auf dem schönsten Sandhaufen der Welt. Aber dazu später mehr!)
Highlights für uns Inselbewohner sind sogenannte „Festland-Besuche“: mit der Fähre 'rüber nach Emden und einen FACH-Arzt besuchen (genau, so etwas gibt es hier nämlich nicht) oder ganz aufregend: Rolltreppen fahren!
Bevor Sie fragen - ja, wir haben Autos. Und zwei Mal am Tag Rush-Hour, im Sommer bis zu zehn Mal; immer wenn die Fähre anlegt. Unsere Tageszeitungen erwarten wir nie vor elf, nur im Sommer mit Glück früher, wenn sie mit dem Flugzeug eintrifft. Bei uns tragen fast alle Häuser Namen, das soll Glück bringen.
Leben hier bedeutet, mit den Jahreszeiten zu leben: Im Winter, wenn man nach 14 Uhr die Insel nicht mehr verlassen kann, fühlt man sich wie auf einem von Kolumbus noch nicht entdecken Erdteil (böse Zungen sagen auch: „Willkommen auf Alcatraz“). Im Sommer ist Borkum ein Bienennest: alles summt und lebt, und mit den 20 000 Gästen pro Nacht gleicht unser Dorf mehr einer mediterranen Stadt.
Es gibt ei ...
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Es ist leider schon einige Zeit her, dass ich mich gemeldet habe. Die Rückkehr von meiner Reise ins Heilige Land bescherte mir einen übervollen Schreibtisch und viele nicht weiter zu schiebende Termine. Meine Mitbringsel sind noch unverschenkt, meine Photos kaum gesichtet. Doch die Erinnerungen sind sehr gegenwärtig: an großartige, berührende Orte, wo die Luft des Evangeliums zu atmen ist, ja wo die Landschaft und die Stätten ein "fünftes Evangelium" sind – nicht geschrieben, nicht zu lesen oder zu hören, sondern zu schauen, zum Erwandern.
Auf der anderen Seite die schier unlösbaren Probleme eines Landes, das mehreren Religionen so heilig ist. Im Land der Bergpredigt fast täglich die Erfahrung des harten Gegenteils! Nein, eine Reise ins Heilige Land ist alles andere als erbaulich; sie lässt einen physisch erfahren, in was für eine Welt Gott hineingeboren ist: in eine Welt voller Gegensätze, Spannungen, Hass, Gewaltbereitschaft, Vergeltung – eine Welt, die auch nach Christus noch auf Erlösung wartet.
Doch dieses Land ist auch ein Stück Heimat für die Religionen, schon allein deshalb, weil kaum ein Tag vergeht, da man unter den Pilgern und Touristen nicht Bekannte trifft. Dieses Mal haben mich zwei Begegnungen besonders gefreut: Im Garten Gethsemani traf ich ein Ehepaar, das ich vor 24 Jahren getraut habe in der Gemeinde, in der ich Pfarrer war. Und vor der Grabeskirche begegnete ich wenig später einem Mann aus meiner Kaplansgemeinde, der vor 35 Jahren noch ein kleiner Junge war, dessen Oma mir aber noch im Gedächtnis ist. Bei ihm war eine Frau von einem Bauernhof, auf dem manche Feier nächtens beim Spiegeleier ...
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