Der Blog des Bistums Osnabrück

Die Welt „fair-wandeln“

Mittwoch, 28. März 2012 von bibo

„Heutzutage wissen die Menschen von allem den Preis und von nichts den Wert.“ Dieser Satz von George Bernard Shaw ist ,heutzutage‘ erst recht wahr. Denn nahezu alles wird nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet und nicht nach seinem Wert für die Menschen und vor Gott. Ökonomie, Markt, Wirtschaft durchdringen unser Leben bis ins Denken und Fühlen. Ökonomie ohne Ökologie aber wird zerstörerisch, weil die Wirtschaft dann die Rechnung ohne den Wirt, den Gastgeber, den Schöpfer unserer Welt macht.

Im Haus-halt der Schöpfung gehören Ökonomie und Ökologie zusammen und auch Ökumene, die zunächst die ganze bewohnte Erde meint und erst in zweiter Linie das Miteinander der Christen. Alle drei Worte enthalten das griechische Wort oíkoV = Haus. Wenn der Haus-halt Gottes geordnet bleiben soll, wird es höchste Zeit, im Großen wie im Kleinen zu handeln.

Ein wichtiger Baustein dafür ist die Aktion „Faire Gemeinde“, in der Kirchengemeinden unseres Bistums sich verpflichten zu fairem Verhalten bezüglich Lebensmitteln, Textilien und anderen Waren und zu ökologischem Verhalten in Bezug auf Energie und andere biologische Güter. Wenn sie eine Reihe von Selbstverpflichtungen erfüllen, werden sie dafür zertifiziert als ,faire Gemeinde‘. Die ersten haben sich schon gemeldet.

Die Eröffnung der Aktion vor einigen Tagen im Emsland hat mich sehr beeindruckt. Ich kam gerade aus intensiven Besinnungstagen mit Priestern und konnte direkt die praktische Seite unseres Glaubens im Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung, für Gerechtigkeit und Frieden hautnah erleben – und das durch alle Generationen. ,Fair‘ ist dabei mehr als nur ein bestimmtes Verhalten in der Sache. Es lässt auch fair werden im Umgang miteinander. Es ,fair-stärkt‘ unsere Bildung und unseren Glauben an den, der mit uns die Welt ,fair-wandeln‘ will. Ich hoffe, dass viele Gemeinden, Gruppen und Haushalte mitmachen.

Familie Uhu und das Haus der Schöpfung

Dienstag, 26. Juli 2011 von bibo

„Im Falle eines Falles klebt UHU wirklich alles.“ So lautete ein Werbeslogan für einen Klebstoff schon in meinen Kindertagen. Dass die Uhu-Familie, die seit einiger Zeit an unserem Dom lebt, so viele Besucher anziehen würde, hätte ich nicht erwartet. Die Fotoapparate ,kleben‘ geradezu an den Vögeln. Und der Rasen des Domherrenfriedhofs – sonst ein sehr beschaulicher, ruhiger Ort inmitten des städtischen Getriebes – ist schon ganz abgetreten von den vielen, die sich für Familie Uhu interessieren.

 

Uhu-Kind am Osnabrücker Dom

 

Ich muss zugeben, dass auch ich jedes Mal, wenn ich durch den Kreuzgang gehe, einen kurzen Blick durch die Säulenreihen werfe, ob die Uhus da sind. Es ist gut, dass der Dom nicht nur Menschen, sondern auch Tieren Heimat gibt, denn es ist ein Zeichen dafür, dass unsere Schöpfung nicht allein den Menschen gehört. „Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen… Mein Herz und mein Geist jauchzen ihm zu, ihm, dem lebendigen Gott. Auch der Sperling findet ein Haus und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein Gott und mein König. Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben“ (Psalm 84, 2-5).

Dieses uralte Psalmwort aus der Bibel besingt wunderbar, dass wir zusammen mit den Tieren im Haus der Schöpfung wohnen. In „Ökologie“ steckt das griechische Wort für Haus (oikos), ebenso wie in Ökonomie oder Ökumene. Die Anziehungskraft der Uhu-Familie am „Haus des Herrn“ sollte in uns sehr deutlich wachhalten, wie wir das Haus unseres Lebens, das Haus der Schöpfung bewahren und pflegen, damit das Haus des Herrn von möglichst vielen als Ort der Geborgenheit und des Schutzes, der Zuwendung und der Einladung zur Begegnung mit Gott erfahren wird. Wir sollen hier die Freiheit empfangen, die der Geist Gottes schenkt, eine Freiheit, die ihre Bindung an dieses „Haus“ nie aufgibt…

Wie hälst Du´s mit dem Beten?

Montag, 09. Mai 2011 von bea

Als katholische Kindertagesstätte beten wir regelmäßig mit den Kindern. Wir danken für das Essen, die Gemeinschaft, die Schöpfung oder tragen Gott unsere Bitten vor. Dabei wechseln sich frei gesprochene Gebete mit vorgelesenen oder auswendig gesprochenen Texten ab. Kinder sind sehr unmittelbar in ihren Äußerungen beim freien Gebet, haben aber auch Spaß an verfassten Gebeten, besonders wenn sich sie sich reimen. Im Kontakt mit den Eltern nehmen wir wahr, dass viele Erwachsene Schwierigkeiten haben, oder auf der Suche nach zeitgemäßen Texten oder Worten sind, von denen sie sich angesprochen fühlen.

Wir haben das zum Thema gemacht und persönliche Erfahrungen ausgetauscht und uns über das Beten im Christentum und im Islam informiert. Da viele muslimische Kinder die Einrichtung besuchen, sind wir häufig mit Kindern, Eltern und im Team über interreligiöse Fragen im Gespräch. Zum Thema Beten sind viele Fragen aufgekommen, da Kinder oft den Wunsch nach gemeinsamen Handeln haben:

- Ist ein gemeinsames Gebet von Christen und Muslimen möglich?

- Können wir mit den Kindern gemeinsam beten?

- Glauben wir nicht alle an den einen Gott, der alles erschaffen hat?

- Was ist mit Respekt und Toleranz der anderen Religion gegenüber?

- Gibt es Texte, die für beide Religionen anschlussfähig sind?

- Was ist unumgänglich, was geht trotzdem oder wo können wir uns begegnen?

Wir sind auf der Suche nach Antworten und haben darüber ein Projekt entwickelt. Es gibt einen wirklich spannenden Austausch über das Beten! In meinen nächsten Blogposts möchte ich ein wenig mehr von diesem Projekt erzählen – und freue mich immer über Kommentare und Anregungen zum Thema. Nächste Woche an dieser Stelle mehr dazu…



Bilder zur Bibel

Dienstag, 02. November 2010 von bibo

Gerade durfte ich eine Chagall-Ausstellung mit 43 Lithographien zur Bibel eröffnen. Diese Arbeiten sind nicht die Bilder einer Religion, sie sind Bilder der Menschheit, weil sie Ur-Ahnungen und Ur-Sehnsüchte der Menschen aufgreifen, die in den biblischen Szenen enthalten sind, und wie Traumbilder den Betrachter in der Seele berühren. Es sind Bilder der Liebe und des Friedens, der Suche nach Gott und des Ringens mit dem Leben. Sie sind auf ihre Weise ein wichtiger Beitrag zum Frieden, wie er immer wieder aus Religion, Kunst, Kultur, Dichtung, Musik erwächst.

Mitten in den täglichen Meldungen über die Opfer von fundamentalistischen und terroristischen Akten religiöser Fanatiker – ich denke gerade besonders an die dutzenden getöteten Katholiken bei der Geiselnahme in Bagdad – ist es lebens-notwendig, die positiven Kräfte des Religiösen zu stärken und in tägliche Lebenspraxis zu übersetzen – auch hierzulande. Gute Bilder können dabei sehr hilfreich sein.

Lahmacun für Gott

Freitag, 08. Oktober 2010 von bea

In der letzten Woche haben wir mit den Kindern das Erntedankfest gefeiert. Zum Abschluss gab es einen kleinen Wochenmarkt, auf dem viele gespendete Früchte und Selbstgemachtes aus verschiedenen Ländern für einen guten Zweck verkauft wurden.

Alle Mitarbeiter waren mehrere Tage damit beschäftigt, mit den Kindern zu kochen und zu backen. Derzeit arbeitet im Rahmen einer Maßnahme der AGOS auch eine junge Frau mit türkischen Wurzeln als hauswirtschaftliche Hilfskraft in der Kita.

Hatice (Name geändert) kann sehr gut kochen, daher haben wir sie gefragt, ob sie eine türkische Spezialität für den Wochenmarkt herstellen kann. Die Vorbereitungen auf das Fest mit den Kindern hat sie mitbekommen und über die Bedeutung habe ich mich mit ihr unterhalten: Wir danken Gott für die wunderbare Schöpfung, für die Früchte, die wir ernten und dass wir genug zu essen haben…

Hatice hat zugesagt und uns reichlich Lahmacun gebacken. Als ich ihr das Geld für die Zutaten erstatten will, lehnt sie ab: “Ich gebe das für Gott!”

Immer wieder gibt es Situationen und Gelegneheiten, in denen Christen und Muslime mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten ihres Glaubens konfrontiert werden. Eine gute Gelegenheit auch schon für Kinder, etwas über den anderen zu erfahren, den eigenen Glauben zu festigen und sich gegenseitig Wertschätzung auszudrücken.

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