Der Blog des Bistums Osnabrück

Weihnachten auf der Insel

Mittwoch, 21. Dezember 2011 von Jodi

Die Weihnachtsbäume sind da! Ja, sie kamen heute Morgen mit Dirk und der ersten Fähre. Freu, freu, freu! Aber jetzt musste es schnell gehen, denn sind die Weihnachtsbäume erst einmal ausverkauft sind, dann wird es schwer noch einen zu „bekommen“ (wo ist meine Axt?) auf der Insel. Da stand ich dann vor den Bäumchen und mir fiel auf, dass es noch etwas Schwereres gibt als Schuhe kaufen: Weihnachtsbäume. Die sehen doch irgednwie alle so gleich aus. Okay, grün bleibt grün und ein Meter fünfundsiebzig bleibt ein Meter fünfundsiebzig. Augen zu halten, auf einen zeigen und schwups hat die Frau Teerling einen Weihnachtsbaum.

Geschafft.

Weihnachen naht. Nicht nur am alljährlichen Weihnachtsbaumkauf merke ich es, nein, die Anrufe von Freunden häufen sich, die sich für Weihnachten anmelden. Kommen die ersten Anrufe, bedeutet das auch, dass ich wie immer merke, dass unser Frauenkreis sich mal rasch Gedanken machen sollte, wie wir die Christmette gestalten wollen. Unsere Christmette ist für viele ungewöhnlicherweise um 17 Uhr. Unsere kleine Diaspora-Gemeinde besteht  fast nur aus Familien. Die meisten aber leben in – Achtung, jetzt kommt ein Lieblingswort von mir – Konfessionellen Misch-Familien. Ich zum Beispiel komme aus so einer. Mein ist Vater evangelisch-reformiert und meine Mutter katholisch.

Damit am Heiligen Abend nicht ein neuer dreißig Jähriger Krieg ausgerufen wird und um sich gegenseitig zu entlasten, hat die Ökumene die Gottesdienste abgestimmt. Für die ganz Kleinen ist die Lutherische Kirche zuständig, wir die Katholiken bieten zusammen mit den Reformierten die 17-Uhr-Familien-Christmette an und um 23 Uhr ist dann für alle, die mögen, plattdeutsche Andacht in der Reformierten Gemeinde – der wunderschöne Abschluss eines harmonischen Abends.

Weihnachten auf der Insel? Das ist gelebte Ökumene.

Familie Uhu und das Haus der Schöpfung

Dienstag, 26. Juli 2011 von bibo

„Im Falle eines Falles klebt UHU wirklich alles.“ So lautete ein Werbeslogan für einen Klebstoff schon in meinen Kindertagen. Dass die Uhu-Familie, die seit einiger Zeit an unserem Dom lebt, so viele Besucher anziehen würde, hätte ich nicht erwartet. Die Fotoapparate ,kleben‘ geradezu an den Vögeln. Und der Rasen des Domherrenfriedhofs – sonst ein sehr beschaulicher, ruhiger Ort inmitten des städtischen Getriebes – ist schon ganz abgetreten von den vielen, die sich für Familie Uhu interessieren.

 

Uhu-Kind am Osnabrücker Dom

 

Ich muss zugeben, dass auch ich jedes Mal, wenn ich durch den Kreuzgang gehe, einen kurzen Blick durch die Säulenreihen werfe, ob die Uhus da sind. Es ist gut, dass der Dom nicht nur Menschen, sondern auch Tieren Heimat gibt, denn es ist ein Zeichen dafür, dass unsere Schöpfung nicht allein den Menschen gehört. „Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen… Mein Herz und mein Geist jauchzen ihm zu, ihm, dem lebendigen Gott. Auch der Sperling findet ein Haus und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein Gott und mein König. Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben“ (Psalm 84, 2-5).

Dieses uralte Psalmwort aus der Bibel besingt wunderbar, dass wir zusammen mit den Tieren im Haus der Schöpfung wohnen. In „Ökologie“ steckt das griechische Wort für Haus (oikos), ebenso wie in Ökonomie oder Ökumene. Die Anziehungskraft der Uhu-Familie am „Haus des Herrn“ sollte in uns sehr deutlich wachhalten, wie wir das Haus unseres Lebens, das Haus der Schöpfung bewahren und pflegen, damit das Haus des Herrn von möglichst vielen als Ort der Geborgenheit und des Schutzes, der Zuwendung und der Einladung zur Begegnung mit Gott erfahren wird. Wir sollen hier die Freiheit empfangen, die der Geist Gottes schenkt, eine Freiheit, die ihre Bindung an dieses „Haus“ nie aufgibt…

Die Seligen rücken näher

Freitag, 03. Juni 2011 von bibo

Am 25. Juni werden die drei Lübecker Geistlichen Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange seliggesprochen – in enger Verbundenheit mit dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink. Die drei Kapläne haben im Osnabrücker Priesterseminar studiert und empfingen in unserem Dom die Priesterweihe.

Die Seligen rücken näher, da viele Menschen sich in den letzten Wochen auf diese Gestalten des Glaubens eingelassen haben, um sie auch als Zukunftsgestalten zu entdecken und ihr eigenes Leben an ihnen zu orientieren. Ihre Verschiedenheit in ihren Gaben und Talenten, ihre jugendliche Hochherzigkeit, ihr Mut zum Zeugnis, ihre Liebe zu Wahrheit und Gerechtigkeit, ihre Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit beeindrucken tief. Das habe ich in Begegnungen mit Menschen aller Generationen und Herkunft erlebt – und nicht zuletzt im ökumenischen Miteinander.

Die Lübecker Märtyrer

Schon immer hat mich das „Neue Testament“ von Hermann Lange berührt, wenn ich es berühren konnte, dieses Büchlein, das er bis zuletzt bei sich hatte, um aus dem Wort Gottes Kraft und Zuversicht zu schöpfen. Durch vielen Gebrauch und Alter fällt es fast auseinander.
Jetzt hatte ich zum ersten Mal sein Messgewand in Händen. Er bekam es bei der Weihe zum priesterlichen Dienst, um sich ganz von Christus bekleiden zu lassen, um seine Person mehr und mehr von Christus ergreifen zu lassen, um glaubwürdig in persona Christi handeln zu können. Kaplan Lange konnte bei der Weihe nicht ahnen, wie weit er den Weg Christi mitzugehen hatte: bis in die Hingabe seines Lebens im gemeinsamen Blutzeugnis mit seinen Mitbrüdern, katholisch und evangelisch. Das Gewand ist von Gebrauch gezeichnet. Das muss auch so bleiben, denn in diesem Gewand berühren wir ein Leben, das Christus Gesicht, Hand und Fuß in unserer Welt gegeben hat. Mit großer Ehrfurcht werde ich es tragen bei der Nachfeier der Seligsprechung in unserem Dom am 3. Juli.

Mögen diese Wochen um die Seligsprechung für unsere Bistümer Hamburg und Osnabrück eine Zeit besonderer Gnade sein – gerade jetzt, wo sich die Kirche in unseren Breiten neu für die Zukunft orientieren muss und will.  Ihr seligen Glaubenszeugen, gebt uns Kraft, selbst glaubwürdige Zeugen Christi zu sein! Bittet für uns!

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