Nun bin ich doch schon einige Wochen aus meinem Auslandsjahr zurück und es geht mir wirklich gut! Ich hatte ein wundervolles Jahr voller Eindrücke und Erlebnisse, welche ich mir so speziell nicht in Deutschland ausmalen konnte!
Alleine die letzten Monate in Indien waren schon sehr intensiv. Ich lernte die Kultur immer besser kennen in der ich leben durfte und sprach die Sprache immer flüssiger. Dies machte natürlich alles einfacher. Sei es das Feilschen mit den Straßenhändler oder die Gespräche mit Freunden, welche nun auch über den Smalltalk hinausgingen. Es lief einfach rund! Mit Abstand die schönsten Monate im ganzen Jahr.
Natürlich gab es auch genügend Situation, in der ich mich fragen musste “Warum tust du dir das an? – was will ich hier?”. Besonders in der ersten Zeit, ist es schwierig gewesen den Kulturschock, mit inbegriffen, die Sprachbarriere zu meistern.
Dazu feiern wie Beispielsweise Geburtstag, Weihnachten oder Ostern hatten ihre eigene Dynamik. Nicht vergleichbar, um sagen zu können, ob es schöner oder besser war. Ich glaube, anders trifft es ganz gut.
Viele Freunde und Bekannte fragen mich, inwiefern ich mich verändert habe. Ich finde es immer wieder schwierig darauf eine Antwort zu finden. Ich wurde sensibilisiert mit den Gegebenheiten in einem fremden Land, in einer fremden Kultur und vorallem mit der dortigen Armut wie auch der riesigen Schere zwischen arm und reich. Korruption durch Regierungsbeamte oder Polizisten zählen hierbei auch zu den neu gefundenen Erfahrungen, wie auch die Dankbarkeit und Offenheit der Menschen, mit denen ich arbeiten durfte. Es macht einfach Spaß, wenn gesehen werden kann was durch eigene Arbeit erreicht werden kann. Sei es ein Kinderlächeln nach einem deutschen Bonbon oder einer gewonnenen Fußballpartie oder seien es die Menschen in den Dörfern, welche sich freuten, dass die Selbsthilfegruppen, die wir betreuten fruchteten.
Doch auch das schönste Jahr dauert nur 365 Tage und ich musste Indien wieder verlassen. Mir sind wirklich viele Menschen richtig ans Herz gewachsen. Hervorzuheben mein bester Freund Edwin. Mit ihm konnte ich wirklich durch dick und dünn gehen. Seien es seine Problem oder meine Probleme gewesen, wir haben meistens einen Weg gefunden. Mit der Geburt seines Kindes wurde es zwar etwas eingeschränkter, aber nicht schlechter.
Meine Erfahrungen kann mir keiner mehr nehmen und ich bin wirklich dankbar und glücklich, diesen Schritt gewagt zu haben. Nun wird es für mich in Göttingen weitergehen. Ichwerde dort Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studieren mit der Fachrichtung Internationale Beziehungen.
Ich kann mich zum Ende nur noch einmal bedanken, dass es mir ermöglicht wurde mein Jahr in Indien zu verbringen und soviel für mich selber zu lernen.
Ebenso vielen vielen lieben Dank fürs Lesen,Kommentieren und an mich denken! Es hat mir echt Spaß gemacht hier etwas für euch zu schreiben! Danke für alles!
…da ich momentan kein Internet bzw. kein Netbook habe, hier nur ganz kurz ein paar kleine Begebenheiten etwas aus meinem Notizbuch!
Freitag 20.05.11
Verrueckt. Die Nacht verbrachte ich mal wieder im Krankenhaus. Unser Hausmeister und Nachbar wurde in der Nacht (gegen 2Uhr) vom Blitz getroffen, waehrend er sich draussen erleichtern wollte. Nun konnte er seine komplette linke Koerperhaelfte nicht mehr spueren und bewegen. Nach erfolglosen Versuchen, bei verschiedenen Taxiunternehmen ein Taxi zu bekommen “Wetter zu schlecht” und und und, mussten wir ihn irgendwie ins Krankenhaus bringen. Mit einer Lastenrikshaw schoben wir ihn dann ueber die gut aufgeweichte “Strasse” in das ~ 20 Minuten entfernte Krankenhaus.
Sonst ist alles gut gegangen und wir schafften es gegen 5.30Uhr wieder im Ashram zu sein.
Am Abend ist mir dann noch mein Ladegeraet durchgebrannt und habe nun also keinen Strom mehr fuer mein Netbook. Komisch nur, dass mit meinem Ladekabel noch drei Gluebirnen und ein Handy-Aufladekabel durchgebrannt sind.
Nachtrag: Dem Hausmeister gehts blendent und die Hochzeit seiner Tochter am folgenden Sonntag war auch super!
Sonntag 22.05.11
Von einer Hochzeit zur naechsten! Am Morgen noch die christliche Hochzeit und am Abend die Hindu Hochzeit eines bengalischen Arbeiters.
DIE Hochzeit war mal eins ziemliches Ereignis! Als Gedankenstuetzte wuerdewohl die Irrfahrt zum Haus der neuen Frau und das Einschreiten der “Alten” waehrend der Zeromonie reichen.
Habe wirklich noch nie erlebt, dass der Braeutigam nicht weiss wo seine neue Frau wohnt. Naja sind wir eben eine Stunde durch die Gegend geirrt ehe wir von einem voranfahrenden Motorrad geleitet wurden.
Nunja, arrangierte Hochzeit… Er 29 und sie soll wohl bald 18 werden. Immerhin er hatte sie schon einmal mit dem Fahrrad besucht.
Die Zeromonie war Hindu-lang jedoch wie immer schoen anzusehen. Passiert immer genug! Am Besten war jedoch das Entertainment der alten Familienangehoerigen. Entweder der Priester war zu jung oder sie zu alt. Zumindest passte ihnen wohl ein Schritt nicht und es brach eine maechtige Diskussion aus. Herrlich! Kultur pur. Mit mehreren Hoehepunkten. Erst wollten die Alten gehen und wurde aufgehalten, dann hatte der Priester keine Lust mehr undwollte sein Geld bevor er weiter macht. Irgendwie haben sie sich dann doch wieder zusammengerissen und weitergemacht!
Sonntag 29.05.11
Komisches Gefuehl, wenn die Ablussfotos geschossen werden. Sonst geht es hier ziemlich fruchtig zu. Kokusnuss, verschiedene Beeren, Palmenfrucht, Mango, Papaja, Litschi, Bhel, Cashewfrucht und Datteln. Alles in den letzten Tagen und frisch!! Das Beste? Die Fruchtsaison werde ich noch bis zum Ende meines Jahres hier haben!!!
Ostern in Indien hatte nun wirklich, bis auf den Ablauf der Messen, mal wieder ziemlich wenig mit den vorherigen Osterfesten in Deutschland zu tun. Kein Osterhase, keine Ostereier, kein Osterlamm, kein Eiersuchen, keine gewöhnliche Ostersonntagsmesse und und und….
Vorab erstmal die Auflösung des Bilderrätsels.
Erste Reihe von links nach rechts
1. Limone
2. Papaya
3. Mango
Zweite Reihe von links nach rechts
1. Banane
2. Guava
3. Jackfruit
Dritte Reihe von links nach rechts
1. Kokosnuss
2. Cashew-Frucht (Wir kennen nur die die Nüsse aus der Tüte
)
Die meisten Sachen musste ich aber auch erstmal erfragen, als ich ankam
So, und jetzt zu Ostern: Wie gesagt gab es keine Ostereier, dafür aber mal wieder eine große Packung Santhal-Kultur, Tänze, Gesänge, Dorftraditionen, bahar parob, Wasserbombenschlacht und jede Menge glückliche und zufriedene Menschen…
Mir geht es weiterhin super hier in Indien, aber da ich mich wegen der Hitze und der eifrigen Ostervorbereitungen nicht auch noch für einen ganzen Bericht motivieren kann, gibt es einfach mal ein Bilderrätsel:
Wer kann erahnen, was in unserem Garten wächst und mehr oder weniger reif ist? Einige total einfache Sachen sind dabei – aber auch Befremdliches… Einfach kommentieren!!!
P.S. Auflösung nach Ostern und ach ja: der Palmsonntag mit richtigen Palmenblättern war auch nicht schlecht!
P.P.S. Hatte in den letzten Tagen einenrichtig guten Kochkurs mit unserer Köchin. Alu Cop und Pokuri/Piaji kann ich nun machen. Fotos und Rezept gibt es auch nach Ostern. Der letzte Kochtag war es auch noch nicht. Es stehen noch Googni, Singara, Samosa,Mangopickel, Dal und verschiedene Gemüse auf dem Plan. Seeehr gut
Liebe Grüße aus Mirga
Stephan Dada Murmu
…und es geht mir super! Es ist nun doch schon wieder eine längere Zeit – für euch – vergangen. Mir kommt es vor als sei es gestern gewesen. Die Zeit rast! Vor einem Jahr gab es den ersten richtigen Kontakt zu meiner indischen Organisation und nun heißt es schon bald: Koffer packen. Aber dann doch wohl für meinen geplanten Trip in den Himalaya, denn nach Hause will und muss ich noch nicht!
Der letzte Monat war voll mit schönen Programmpunkten. Seien es viele Besuche in den Dörfern bei Frauenselbsthilfegruppen, Geburtstage, Aschermittwoch, der Besuch des Superior General der Jesuiten, der Besuch meines Indienpatens oder das Frühlingsfest Holi. Neben der täglichen Ashram-Arbeit doch ein ganzer Haufen…
Die Besuche in den Dörfern ist immer wieder etwas ganz spezielles. Viele Dorfbewohner haben noch nie in ihrem Leben einen weißen Menschen gesehen und verhalten sich dementsprechend. Ungläubiges Starren oder schnelles Verschwinden in die Häuser, um danach etwas durch die Tür zu blinzeln. Bevor wir dann jedoch mit den Frauen-Selbsthilfegruppen arbeiten können, bedarf es einer kleinen Vorstellung, in der die Ängste abgebaut werden. Hier hilft es besonders, dass ich sie auf Bangla ansprechen kann: “Amar nam Stephan ebong ami jarman theke esechi” ( Ich heiße Stephan und bin aus Deutschland gekommen), bricht das Eis und wir können starten.
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