Der letzte Winter war lang und kalt. Ich weiß: das ist für niemand etwas Neues. Aber empirisch belegt wird es durch mein „soziales Umfeld“, denn ich habe (das vermutlich rein subjektive) Empfinden, alle sind schwanger und dazu noch "kurz vor fertig".
Ich gehöre zu den Menschen, für die das Glas immer halb voll statt halb leer ist, oder wie ich lieber zu sagen pflege: für mich ist immer (kurz vor) Ostern. Darum freue ich mich immer „as een Kluntje im Tee“ (übersetzt: Wie ein Stück Zucker in einem gewürzten Heißgetränk), wenn ich den Satz höre: „Du, Jodi, wir möchten Dir etwas mitteilen…“
Jedes Kind ist für mich ein Zeichen des Lebens. So lange unser Herr noch eine Seele in diese Welt sendet, ist das Glas halb voll oder kurz vor Ostern (okay, in diesem Fall eher kurz vor Weihnachten).
„Tststs, heute noch Kinder kriegen, wo nichts mehr sicher ist…“. Ich kann diesen Satz nicht mehr hören, konnte ich noch nie. Da werde ich „typisch christlich“, denn eins ist immer sicher: die Liebe unseres Herrn für jedes Kind.
Meine Freunde Butze und Ronny sind unterwegs, ihr Kind zu bekommen. Unterwegs ist wörtlich zu nehmen, denn auf Borkum kann man vieles bekommen, nur keine Kinder. Das Risiko ist zu groß, dass bei Komplikationen Hilfe nicht schnell genug erreichbar ist. Aus diesem Grund fahren sie grad aufs Festland. Es ziept noch lange nichts, aber wenn es los geht, dauert die Fahrt sonst zu lange.
Letztes Jahr ist ein Kind auf dem Rettungskreuzer mitten auf der Nordsee geboren worden. Der Knirps hat jetzt „Berlin“ in der Geburtsurkunde stehen und das könnte bei Ostfriesen zu Identitätskrisen ...
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Jetzt haben wir bald Mitte Juli, und ich habe mich noch nicht zu den Kommentaren zu meinem letzten Eintrag geäußert. Aber jetzt! Doch zuerst: DANKE für Eure Rückmeldungen (z.T. aus dem Religionsunterricht).
Es gibt ein Leben vor dem Tod! Das dürfen und wollen wir bei aller christlichen Ausschau nach dem größeren Leben nach dem Tod nicht übersehen. Ja, das Leben vor dem Tod bekommt durch das größere Ziel sogar einen ganz besonderen Wert. Ausschau nach dem „Leben in Fülle“ ist keine Vertröstung oder Flucht aus dem Irdischen. Aber dadurch, dass ich weiß, wohin es geht, kann ich mich mutiger in das Hier und Jetzt hineinbegeben. Wer das Leben nur als letzte Gelegenheit sieht, als etwas, das am Ende dann ins Nichts zurückfällt, darf nur ja nichts verpassen und verliert die Gelassenheit. Paulus nennt das sehr drastisch: „Lasst und fressen und saufen, denn morgen sind wir tot“ (vgl. 1 Kor 15,32). Alles wird ausgekostet, weil es kein Darüberhinaus gibt.
Und doch ist da diese Sehnsucht, dass es im Leben und im Tod mehr als alles geben muss, ist da diese Ahnung, dass alle Ungerechtigkeit, alles Leid, alles Ungehörte, alles Unvollendete danach schreit, ein erlösendes Ziel zu finden. Ob jeder das als Leben bei Gott ansieht, ist freilich fraglich. Aber selbst der Glaube an eine Reinkarnation sucht nach etwas über das jetzige Leben hinaus.
Es gibt kein Leben ohne Tod, aber es gibt auch keinen Tod ohne Leben. Der Blick auf eine Begegnung mit Gott, auf ein Bleiben bei Gott, diese Hoffnung, dass dieses Leben Wert hat für das ewige Leben, stärkt und ermutigt für das Leben vor dem Tod. Es „lohnt sich“, auf eine grà ...
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Hallo, ich melde mich nach stressbedingter Pause zurück. Die laute Musik der Maiwoche in Osnabrück dröhnt zu mir herüber. Da fällt es mir nicht ganz leicht, mich zu konzentrieren.
Ein Satz der letzten Tage geht mir nicht aus dem Gedächtnis. Eine Frau erzählte mir von ihrem schwer an Alzheimer erkrankten Vater, dass er sich auf den Tod freue und oft davon spreche. Sein Grund für die Freude: „Das ist ja im Leben die einzige Gelegenheit, Gott Vater persönlich kennenzulernen.“
In diesem verblüffenden Satz stecken gleich mehrere Wahrheiten und Weisheiten auf einmal. Der Tod gehört zum Leben. Es gibt kein Leben ohne die Konfrontation mit dem Tod. Und Tod ist nicht allein einsame Dunkelheit, Abtauchen ins Nichts. Auf die letzte Einsamkeit des Sterbens folgt Begegnung und Erwartet-Sein. Nicht das Leben ist die letzte Gelegenheit, in der man nur ja nichts verpassen darf, weil danach das Nichts folgt, sondern der Tod ist die letzte Gelegenheit und Möglichkeit, in eine Begegnung mit dem zu gelangen, der das Leben geschenkt hat. Tod ist nicht ein Ankommen an einem Ort – Himmel, Fegefeuer, Hölle – sondern Begegnung mit einer Person, die man darin erst richtig kennenlernt. Denn Gott zeigt sich dem Menschen auf ganz neue Weise. Als Gewonnener ist er Himmel, als Verlorener ist er Hölle, als Prüfender ist er Feuer. Aber immer ist es Gott und unsere Beziehung zu ihm, also nicht ein Ort, sondern ein Zustand.
„Du wirst mich kennenlernen“ kann menschlich ein Angebot von Nähe und eine unterschwellige Drohung zugleich sein. „Du wirst mich kennenlernen“ ist von Gott her das Angebot einer Liebe, die uns in der endgültige ...
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Großereignisse und persönliche Begegnungen haben die letzten Tage geprägt. Das Treffen mit 200 Priestern und Diakonen, mit der Niedersächsischen Landesregierung, die Begegnung mit den zahlreichen Teilnehmern an den Osterfeierlichkeiten und vieles andere. Kirche in all ihren Bezügen, in Öffentlichkeit und Groß-Gemeinschaft. Daneben die eher verborgenen Einzelbegegnungen und Gespräche in der Beichte im Dom, in den privaten Besuchen bei Kranken und bei Verwandten zu den Feiertagen; dazwischen die kleinen Kreise bei einer österlichen Tauffeier, in der Familie, in dem Gesang ums Osterfeuer. Und nicht zu vergessen: kleine Auszeiten nur für mich.
Die „Seelsorge“ Jesu wechselt auch immer auf diesen Ebenen: Volk, Jüngerkreis und Einzelbegegnung, Rückzug in Einsamkeit. Wo diese Elemente in guter Balance sind, wird Pastoral (= Hirtendienst) menschlich und trotz der vielen verschiedenen Stimmungen nicht nur erträglich, sondern erfüllend, nicht nur negativer Stress, sondern positive Herausforderung, ein Gefühl von „Leben in Fülle“, Leben in Profilen zwischen Höhen und Tiefen. Ein paar Stunden mit Freunden und Verwandten sind da ein guter Raum, um sich zu erholen in Erinnerung, Erzählung, in Weiterdenken und Weiterhandeln.
Ostern soll ja 50 Tage dauern – nicht als Dauerfest, aber als fester Faden im Gewebe des Alltags. Bis bald! ...
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Die Achterbahn des Lebens – diesmal ein Höhepunkt, der mich sehr ermutigt und gestärkt hat: mein 60ster Geburtstag. Dass die "Offiziellen" und "Geladenen" sich melden mit wertschätzenden und kraftgebenden Worten, gehört zu einem solchen Tag, wenn jemand öffentlich wirkt.
Aber dass auch viele "Unbekannte", große und kleine, sich melden und sich freuen, dass es mich gibt als Mensch und als Bischof, berührt mich sehr. Menschen aller Generationen, die mich aus ganz verschiedenen Begegnungen und Blickwinkeln kennen, Menschen, von denen ich gar nicht weiß, warum sie an mich denken. In Zeiten, in denen die Briefe und Zuschriften mitunter alles andere als sensibel oder wohlwollend sind und sich die Polarisierungen zuspitzen, sind diese Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung, des Mitdenkens und auch Mitleidens besonders aufrichtend. Ich bin sehr dankbar dafür.
Noch sitze ich vor einer Menge ungelesener Briefe. Auch für sie werde ich mir Zeit nehmen. Zugleich beginnt der Alltag des 61sten Lebensjahres mit allen Herausforderungen.
Achterbahn des Lebens – jedoch ermutigter und fester in ihrem Lauf nach diesem Fest.
Übrigens klingen auch noch die weihnachtlichen Wünsche in mir nach, v
on der Krippe mit dem erneuerten Stroh lebendiger Worte… Danke! ...
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Ein paar Tage wollte ich mich zurückziehen bei einer befreundeten Familie, zurückziehen zur Muße und zur Bearbeitung einer Veröffentlichung.
Doch das Leben holt mich schnell ein: Tod und Geburt. Die Uroma stirbt und die Urenkelin wird geboren. Gehen und Kommen. Sterben und Leben. Leid und Freude. Begegnungen, Gespräche, Tränen des Abschieds und der Freude. Sorgen um die tausend Dinge, die erledigt werden müssen. Hektik, blanke Nerven, das Gefühl der Überforderung - und dazwischen das 3-jährige Kind, das ein Schwesterchen bekommt: ein Lichtblick mitten in diesem Durcheinander, eine Ahnung dessen, was Tod und Leben ertragen lässt, ein Hauch ursprünglichen Lebens, das zeigt, dass Gott die Lust an diesem Drama des Menschseins noch nicht verloren hat.
Ich bin dankbar für diese Erfahrung, obwohl ich mir meinen Rückzug anders vorgestellt hatte. Das Leben ist eben eine Achterbahn! Bei Ihnen auch? ...
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