…und es geht mir super! Es ist nun doch schon wieder eine längere Zeit – für euch – vergangen. Mir kommt es vor als sei es gestern gewesen. Die Zeit rast! Vor einem Jahr gab es den ersten richtigen Kontakt zu meiner indischen Organisation und nun heißt es schon bald: Koffer packen. Aber dann doch wohl für meinen geplanten Trip in den Himalaya, denn nach Hause will und muss ich noch nicht!
Der letzte Monat war voll mit schönen Programmpunkten. Seien es viele Besuche in den Dörfern bei Frauenselbsthilfegruppen, Geburtstage, Aschermittwoch, der Besuch des Superior General der Jesuiten, der Besuch meines Indienpatens oder das Frühlingsfest Holi. Neben der täglichen Ashram-Arbeit doch ein ganzer Haufen…
Die Besuche in den Dörfern ist immer wieder etwas ganz spezielles. Viele Dorfbewohner haben noch nie in ihrem Leben einen weißen Menschen gesehen und verhalten sich dementsprechend. Ungläubiges Starren oder schnelles Verschwinden in die Häuser, um danach etwas durch die Tür zu blinzeln. Bevor wir dann jedoch mit den Frauen-Selbsthilfegruppen arbeiten können, bedarf es einer kleinen Vorstellung, in der die Ängste abgebaut werden. Hier hilft es besonders, dass ich sie auf Bangla ansprechen kann: “Amar nam Stephan ebong ami jarman theke esechi” ( Ich heiße Stephan und bin aus Deutschland gekommen), bricht das Eis und wir können starten.
Nachdem mich eine deutsche Ärztin schon im Juli durch Kolkata führte und durch Ashrams reiste, kam sie nun wieder, um Kinder in Pandua und Gurap auf ihre Gesundheit zu prüfen. Bevor ich von meinem Direktor bescheid bekam, dass ich die Ärztin begleiten sollte, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Was ist zu tun? Was kann ich tun? Wie soll eine Ärztin rund 450 Kinder “alleine” untersuchen?
Alles startete für mich damit, einen Tag vor geplanter Abreise aus meinem Ashram nach Kolkata zu fahren. Angekommen, wusste auch keiner so recht wie alles ablaufen sollte. Ich müsse nur am nächsten Morgen, um 7 Uhr fertig sein, da ein Auto mich abholen sollte. Denkste! Fertig gegen sieben began das große Warten. Selbst Edwin, Angestellter und mein Freund, kam pünktlich, um den Fahrer zum Ort der Ärztin zu bringen, da er diesen nicht kannte.
Um es etwas zu vereinfachen: es wurde 11 Uhr, bis wir losfuhren. Doch es blieb nicht nur bei mir und der deutschen Ärztin. Die Ärztin lernte bei ihrem letztem Aufenhalt noch einen Hautarzt und eine Ayurvedic- Spezialistin kennen welche sich mit zwei Freunden, darunter einem Augenarzt entschlossen, uns zu begleiten!
Nun sind schon 12 Tage vergangen, seitdem ich meinen ersten Fuß auf indischen Boden gesetzt habe und ich bin immer noch da. Sowas muss man schon so drastisch erwähnen, wenn man erahnen kann inwiefern der Verkehr hier abläuft. Die Motorrad-Rikscha wird zum Formel 1 Wagen, den Bus bespringt man während der Fahrt und die Metro ist nichts für Menschen mit Platzangst.
Aber ich mag es! Es macht wirklich Spaß hier mit Edwin, dem Freund jedes Freiwilligen hier, durch die überfüllten Straßen zu schlendern und köstlichen Straßensnacks zu essen.
Mit dem Bengali lernen klappt es ganz gut und ich kann auch schon ein wenig sagen. Ami olpo-olpo bangla bolte pari (Ich kann schon etwas Bengali sprechen). Habe nun hier jeden Morgen ein bis zwei Stunden Einzelunterricht. Mit Teepause versteht sich. Danach so gegen elf Uhr habe ich noch für eine Stunde „frei“ und um zwölf gibt es dann schon Mittag. Nach dem Mittagessen bin ich eigentlich meistens in der Stadt, um bis spätestens 20Uhr zum Abendessen wieder da zu sein.
Das mit dem Visum ist/war auch so eine Sache. Ich war viermal dort und werde nächste Woche wohl wieder hingehen müssen. Indische Bürokratie ist nun mal etwas ganz besonderes.
Ab Mittwoch werde ich in Pandua sein. Dort ist eine ähnliche Mission wie in meinem eigentlichen Arbeitsort Mirga, welche ich mir ein paar Tage anschauen soll. Ab dem nächsten Mittwoch wird es dann voraussichtlich auch damit losgehen in Mirga anzukommen und mich ein zuleben. Denn Kolkata und Mirga sind dann doch zwei verschiedene Kaliber.
Enden möchte ich mit Apg 4:20 vom umgeschriebenen Rosenkranz von Dieter.
„Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.“
In diesem Sinne bis zum nächsten Mal!
Stephan
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