Der Blog des Bistums Osnabrück

Weihnachten wurde durch den Baum entschieden

Mittwoch, 28. Dezember 2011 von Jodi

Günter, eine treue Seele unserer Gemeinde, bescherte mir mein Weihnachtserlebnis 2011.

Günter, Ernst, Yves und Sebastian sind unsere „Jungs“, die Jahr für Jahr den Weihnachtsbaum und die Krippe in unserer Kirche aufbauen. So auch dieses Jahr und soweit auch nicht ungewöhnlich.

Kurz vor der Christmette nahm mich Ernst beiseite: „Sieh dir mal die Spitze des Weihnachtsbaumes an“ flüsterte er mir zu und zwinkerte. Während der Messe probierte ich, aus dem Seitenschiff rüber zu schielen, konnte aber im Halbdunkeln nichts erkennen. Was haben die Jungs nun wieder ausgeheckt? (Ähm, der Älteste der „Jungs“ ist 70, aber sie alle haben den Schalk im Nacken.) Nach der Christmette verlor ich im Trubel vom Krippensingen, Kinder und Freunde in die Arme nehmen und Weihnachtswünsche austauschen den Gedanken aus dem Kopf; erst abends im Bett: da war ja noch was.

Am nächsten Morgen nach dem Hochamt schlich ich mich in den Altarraum und war sprachlos. Meine Tochter kam hinzu und schließlich unser derzeitiger „Vertretungs“-Pfarrer und sie strahlten mit mir um die Wette, so ungewöhnlich und so schön sah die Baumspitze aus, die im großen Bogen gen Himmel zeigte. Meine Tochter flüsterte leise: „Nicht immer führt der Weg gerade nach oben.“ Besser als diese Baumspitze kann man das Leben nicht zeigen.

Danke Günter, dass Du diese Spitze nicht abgeschnitten hast.

Weihnachtsbaumspitze

Diener des Wortes der Liebe

Montag, 24. Oktober 2011 von bibo

„Wenn einer eine Reise tut…“ Ja, ich könnte eine Unmenge erzählen von meiner Reise nach Mexiko und Honduras. Unser europäischer Blick auf die Kirche genügt nicht, um sie in ihrer Weltweite und Buntheit zu erfassen. Die klimatischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen sind völlig anders. Die Schere zwischen arm und reich klafft himmelschreiend auseinander, so dass das Leben eines Christen dort in keinem Moment davon absehen kann. In Honduras erwartete uns dazu noch eine unvorstellbare Regenperiode, die zu zerstörerischen Überschwemmungen geführt hat. Am stärksten betroffen sind wieder einmal die Ärmsten, weil viele von ihnen ihre Behausungen ins ,Niemandsland‘ Flussufer bauen. Nun hat der Strom sie mitgerissen.

In all dem steht die Kirche dort auf der Seite der Armen, setzt sich in ihrer Caritas ein mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, und befähigt Menschen, vor Ort Zeugnis zu geben für ihren Glauben und das Glaubensleben in Gottesdienst, Katechese und karitativer Zuwendung selbst zu gestalten. Mit Selbstbewusstsein und Kompetenz erfüllen die zahlreichen Delegados de la palabra (Diener des Wortes) ihre Aufgabe, eben nicht nur im Gottesdienst, sondern auch im Dienst am Menschen. Von diesem großen Netzwerk aus Männern und Frauen, die sich aus Taufe, Firmung und Beauftragung gesandt wissen zu den Menschen, lebt Kirche, fängt Kirche viele Belastungen auf oder erleichtert sie. Ich erlebte Menschen aus allen Generationen, vor allem auch Familien mit Kindern und Jugendlichen, denen viele Perspektiven für ein gutes Leben genommen sind durch die soziale Situation, die aber dennoch ihre Hoffnung aus dem Glauben leben und solidarisch mit den noch Ärmeren ihren Weg gehen.

So verschieden die Bedingungen von den unseren sind, so viel können wir von der Lebens-art des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe dort lernen! – Es war eine Reise, die viel Nachdenklichkeit in mir ausgelöst hat.

Bunte junge Kirche

Montag, 22. August 2011 von bibo

Millionen junge Menschen verlassen Madrid. Sie nehmen die Erinnerung mit an intensive Begegnungen und Gottesdienste in den Katechesen. Ebenso die starken Bilder des großen Kreuzwegs aus spanischer Tradition mit jungen Leuten, die heute Kreuze zu tragen haben in aller Welt. In Erinnerung bleiben die großen Begegnungen mit dem Papst ebenso wie die tausend kleinen Begebenheiten in der Hitze des Weltjugendtags (nie unter 35 Grad), wo man sich gegenseitig beistand und Probleme gemeinsam löste. Der überraschende Regen bei der Vigilfeier am Samstagabend war fast eine Gnade des Himmels. – Große Strapazen also, aber dennoch viele fröhliche Gesichter und herzliche Verabschiedungen!

Was am Ende bleibt, ist wenig messbar und zählbar. Aber sicher bleibt eine Wirkung, die weit über die Dauer des WJT hinausgeht: neue Ermutigung im Glauben und viele positive Bilder weltweiter, bunter, junger Kirche. Sicher bleiben auch Unsicherheiten und die Erfahrung der Spannung zwischen einem solchen Großereignis und dem oft gar nicht so leichten Alltag in Kirche und Gesellschaft.

Die Begegnungen mit den jungen Leuten in den Katechesen haben mir neu gezeigt, wie hörbereit, gesprächsfähig und mit welch nüchterner Leidenschaft sich junge Menschen einlassen, wenn sie ernstgenommen werden in ihrem Fragen und Suchen.

Das Ineinander von Großereignis, persönlicher Begegnung und Freundschaft, die Glaubenserfahrungen unterwegs und das Durchstehen einer herausfordernden Woche machen die Wirksamkeit solcher Tage aus, zumal vor Madrid schon die Begegnungen in der Diözese Barcelona und die dort erfahrende Gastfreundschaft eine wirkliche Bereicherung war. Besonders dankbar bin ich für das Engagement der Begleiterinnen und Begleiter, die in der Jugendarbeit alle Strapazen teilen und dazu noch sehr hohe Verantwortung wahrnehmen.

Freilich: Niemand kann allein von solchen Events leben. Dennoch kommen junge Menschen dadurch in Glauben und Leben, aber auch in Kirche und Gesellschaft ,aus sich heraus‘ (e-vent). Und das ist gut!

Volle Energie! Für einen gesellschaftlichen Konsens

Dienstag, 31. Mai 2011 von bruno

Wer hätte das gedacht? Wenige Monate nach dem Ausstieg aus dem Ausstieg, eine Atomkatastrophe in Japan und zwei verlorene Landtagswahlen später sind sich die politischen Lager in Deutschland in Sachen Energie so nah wie noch nie. Die Umstände, die zu diesem sich abzeichnenden Konsens geführt haben, sind vielleicht verrückt, aber das Ergebnis dennoch bemerkenswert. Das erinnert mich an die Redeweise: Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.

Oder überhöht das jetzt die Fragestellung? Man muss ja schon aufpassen, dass aus energiepolitischen Entscheidungen keine quasireligiösen Auseinandersetzungen werden. Aber genau das finde ich an dem Zustandekommen des Ausstiegsszenarios interessant. Die Regierung fragt einen Ethik-Rat, den sie bunt zusammensetzt aus Fachleuten und Vertreterinnen gesellschaftlicher Gruppen. Diesen Leuten kann man unterstellen, dass sie nicht nach eigenen Interessen oder kurzfristigen Vorteilen schielen, sondern tatsächlich nach einer tragfähigen Lösung suchen.
Hier hat die Kirche ihren guten Platz und wie ich finde auch etwas zu sagen. Kardinal Marx hat die kirchliche Position eingebracht und konnte sich zum Beispiel auf gut aufbereitete ethische Positionen beziehen, wie sie vom kirchlichen Forschungsinstitut für Philosophie Hannover erarbeitet wurden. Unter http://www.fiph.de findet man zum Beispiel die Publikation „Kirche, Kernenergie, Klimawandel“.
Die Idee eines Ethik-Rates finde ich einfach gut. Entscheidungen müssen natürlich von denen getroffen werden, die vom Volk hierfür ein Mandat haben. Aber bei den gesellschaftlichen „Big Points“ brauchen wir einfach tragfähige Entscheidungen, die unabhängig von Legislaturperioden Bestand haben können. Solche „Big Points“ wären für mich der Klimawandel, die Gesundheitspolitik, die Zuwanderungsfrage und wohl auch die Frage von Bundeswehreinsätzen.

Ach ja: Wer seinen privaten Ausstieg aus der Atomenergie und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien betreiben will, kann das überraschend einfach tun. Finanziell ist das keine große Belastung. Für meinen 5-Personen-Haushalt handelt es sich um 5 € im Monat Mehraufwand. Vergleicht einfach unter http://www.verivox.de und sucht euch das passende Angebot raus.

Fragen nach dem Glück

Dienstag, 14. September 2010 von bibo

„Was braucht der Mensch zum Glück?“ Mit dieser Frage wurde ich bei einer Begegnung mit rund 70 jungen Leuten einer Berufsbildenden Schule konfrontiert. Wir kamen in ein interessantes Gespräch über Voraussetzungen zum persönlichen Glück. Gesundheit, eine gute und erfüllende Aufgabe, gelingende Beziehungen, Freiheit und Eigenverantwortung und vieles andere mehr standen zur Debatte. Besonders auch die Frage nach Gott, Glaube und Kirche. Ob man den Glauben an Gott oder gar die Kirche zum Glück braucht, wurde sehr unterschiedlich beantwortet: vom Glück ohne Gott bis zum Glück nur mit Gott. Für mich selbst gehören gelingende Beziehungen, eine erfüllende Aufgabe und das Vertrauen, von einem Größeren getragen zu sein, zum Glück dazu.

Für diesen durchaus anstrengenden und herausfordernden Tag war diese intensive Begegnung ein Moment von Glück, der mir noch lange nachgehen wird. Auch, weil mich etwas nicht loslässt: Brauchen wir Gott zum Glück? Die Frage ist verräterisch. Wenn wir Gott „brauchen“, bauen wir ihn als Instrument zu unserem Glück in unser Kalkül ein. Er wird eine Funktion zum Glück. Dann bleibt er nicht der immer Größere und unserer Verfügung entzogene.

Bei der Kirche könnten wir eher so fragen, denn die Kirche ist nicht Gott. Auch fragen viele: Brauche ich die Kirche auf dem Weg zu Gott? Dafür sprechen gute Argumente, denn niemand geht den Weg seines Lebens, seiner Freiheit, seines Glaubens ohne eine Gemeinschaft; er wird nicht er selbst ohne ein WIR.

Vielleicht dürfen oder müssen wir sogar die Frage nach Gott und Glück noch anders stellen: Brauchen wir das Glück, um Gott zu finden? Sehr viele Menschen finden ja gerade in der Durch-Kreuzung ihres Lebens zu Gott als dem Stärkeren in unserer eigenen Schwäche.

Das Glück, das Staunen ist ein (wichtiger) Weg hin zu Gott, aber eben nicht der einzige. Es gibt so viele Wege zum Glück, wie es Menschen gibt; es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt. Ich selbst glaube allerdings als Christ daran, dass Gott uns in Christus selbst entgegenkommt. Ich glaube, dass der Weg nicht nur von mir zu ihm führt im Suchen, sondern noch mehr von ihm zu mir, um mich zu suchen und mich zu finden.

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