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Bei aller Euphorie - es gab da noch das andere Kirchentagsgefühl: es wird sich nie etwas ändern.

Frustrierend war für mich das Podium „Auftreten statt austreten". Ich hatte die „Radio-Version“ des Podiums – über Lautsprecher im Foyer, da die Veranstaltung überfüllt war.

Eine Frau (ich glaube, Frau Kiklas von "Wir sind Kirche") sagte auf dem Podium (sinngemäß): „Katholische Kirche, das ist wie eine Familie: man mag nicht jeden und findet sie manchmal unmöglich - trotzdem gehört man eben zu dieser Familie.“

Oh ja.

Und „Manchmal verlässt einen der Atem und man droht, die Hoffnung zu verlieren - die Hoffnung auf Veränderung, auf Bewegung in unserer Kirche.“

Oh ja.

Und da war auch Kardinal Woelki, der einem u.a. vorwirft, dass man noch nicht alle Mauern zu Jesus eingerissen hat, wenn man einen Aufbruch will.

Oh NEIN!

Dem möchte ich zurufen (und konnte es nicht wegen den Mauern zwischen uns): Ja, wir sind eine dienende Kirche. Ja, wir sind dazu da, Jesu Christus und untereinander zu dienen und keinem Bischof, Kardinal oder Papst. Wem dienen denn die Bischöfe? Dienst an Jesus Christus und den Menschen. Bitte denken sie darüber nach, Herr Kardinal! (Habe ich schon mal erwähnt, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes, Gott froh bin, das bibo, pardon, Herr Bischof Bode unser Bischof ist?!)

Aber Kirchentagsgefühl ist kurz danach auch wieder Hoffnung, wenn man sieht, wie viele genauso fühlen - Christen ohne Saulus-Erlebnisse, sondern mit normalen Glaubens-Viten (Erstkommunion, Messdiener, Firmung…). Die ble ...  » Artikel weiterlesen
jodi

Schweigen

Dienstag, 27. März 2012 von jodi
Eigentlich wollte ich ihnen hier und heute von meinem Urlaub schreiben, aus dem ich gerade wiederkomme.

Eigentlich wollte ich Ihnen Neuigkeiten von einer anderen schönen Insel erzählen und vom Wellenbezwingen mit meiner Tochter.

Eigentlich.

Man strumpelt braun gebrannt und lachend aus dem Flieger und ab in den Zug in unsere Hafenstadt - und erstarrt.

Das Unfassbare,  das Unbegreifliche hat nicht nur anklopft, sondern ist mit aller Gewalt in Emden eingebrochen.

Emden.

Emden ist unsere große Schwester (die katholischen Kirchengemeinden Christ König Emden und Maria Meeresstern Borkum bilden eine Pfarreiengemeinschaft und sind auf den Weg, eins zu werden). Emden. Ein Vorort von Borkum und ein Ort der Idylle.

Und so fühlt es sich an, als sei das Schreckliche einem Kind aus unserer Gemeinschaft geschehen.

Im dem Parkhaus waren wir schon oft, am Wall gehen wir spazieren. Wir gehen durch den Ort und fühlen mit und fühlen uns doch auch gleich als Voyeure, wenn wir das Entsetzen in den Gesichtern sehen. Wir steigen auf unsere Fähre und verlassen Emden, aber in unseren Gebeten und Gedanken sind wir bei dem Mädchen, dass nicht zwölf werden durfte, bei den Eltern, die nie wieder ihr Mädchen Gute-Nacht-küssen können und bei ihren Freund, der nie wieder mit ihr Enten füttern kann.

Glauben ist manchmal auch nur die verzweifelte Hoffnung, dass etwas Sinn hat, so sinnlos es erscheint. ...  » Artikel weiterlesen
jodi

Warten auf den Storch

Freitag, 18. November 2011 von jodi
Der letzte Winter war lang und kalt. Ich weiß: das ist für niemand etwas Neues. Aber empirisch belegt wird es durch mein „soziales Umfeld“, denn ich habe (das vermutlich rein subjektive) Empfinden, alle sind schwanger und dazu noch "kurz vor fertig".

Ich gehöre zu den Menschen, für die das Glas immer halb voll statt halb leer ist, oder wie ich lieber zu sagen pflege: für mich ist immer (kurz vor) Ostern. Darum freue ich mich immer „as een Kluntje im Tee“ (übersetzt: Wie ein Stück Zucker in einem gewürzten Heißgetränk), wenn ich den Satz höre: „Du, Jodi, wir möchten Dir etwas mitteilen…“

Jedes Kind ist für mich ein Zeichen des Lebens. So lange unser Herr noch eine Seele in diese Welt sendet, ist das Glas halb voll oder kurz vor Ostern (okay, in diesem Fall eher kurz vor Weihnachten).

„Tststs, heute noch Kinder kriegen, wo nichts mehr sicher ist…“. Ich kann diesen Satz nicht mehr hören, konnte ich noch nie. Da werde ich „typisch christlich“, denn eins ist immer sicher: die Liebe unseres Herrn für jedes Kind.

Meine Freunde Butze und Ronny sind unterwegs, ihr Kind zu bekommen. Unterwegs ist wörtlich zu nehmen, denn auf Borkum kann man vieles bekommen, nur keine Kinder. Das Risiko ist zu groß, dass bei Komplikationen Hilfe nicht schnell genug erreichbar ist. Aus diesem Grund fahren sie grad aufs Festland. Es ziept noch lange nichts, aber wenn es los geht, dauert die Fahrt sonst zu lange.

Letztes Jahr ist ein Kind auf dem Rettungskreuzer mitten auf der Nordsee geboren worden. Der Knirps hat jetzt „Berlin“ in der Geburtsurkunde stehen und das könnte bei Ostfriesen zu Identitätskrisen ...  » Artikel weiterlesen
bibo

Diener des Wortes der Liebe

Montag, 24. Oktober 2011 von bibo
„Wenn einer eine Reise tut…“ Ja, ich könnte eine Unmenge erzählen von meiner Reise nach Mexiko und Honduras. Unser europäischer Blick auf die Kirche genügt nicht, um sie in ihrer Weltweite und Buntheit zu erfassen. Die klimatischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen sind völlig anders. Die Schere zwischen arm und reich klafft himmelschreiend auseinander, so dass das Leben eines Christen dort in keinem Moment davon absehen kann. In Honduras erwartete uns dazu noch eine unvorstellbare Regenperiode, die zu zerstörerischen Überschwemmungen geführt hat. Am stärksten betroffen sind wieder einmal die Ärmsten, weil viele von ihnen ihre Behausungen ins ,Niemandsland‘ Flussufer bauen. Nun hat der Strom sie mitgerissen.

In all dem steht die Kirche dort auf der Seite der Armen, setzt sich in ihrer Caritas ein mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, und befähigt Menschen, vor Ort Zeugnis zu geben für ihren Glauben und das Glaubensleben in Gottesdienst, Katechese und karitativer Zuwendung selbst zu gestalten. Mit Selbstbewusstsein und Kompetenz erfüllen die zahlreichen Delegados de la palabra (Diener des Wortes) ihre Aufgabe, eben nicht nur im Gottesdienst, sondern auch im Dienst am Menschen. Von diesem großen Netzwerk aus Männern und Frauen, die sich aus Taufe, Firmung und Beauftragung gesandt wissen zu den Menschen, lebt Kirche, fängt Kirche viele Belastungen auf oder erleichtert sie. Ich erlebte Menschen aus allen Generationen, vor allem auch Familien mit Kindern und Jugendlichen, denen viele Perspektiven für ein gutes Leben genommen sind durch die soziale Situation, die aber dennoch ihre Hoffnung au ...  » Artikel weiterlesen
bibo

Achterbahn des Lebens

Montag, 31. Januar 2011 von bibo
Ein paar Tage wollte ich mich zurückziehen bei einer befreundeten Familie, zurückziehen zur Muße und zur Bearbeitung einer Veröffentlichung.

Doch das Leben holt mich schnell ein: Tod und Geburt. Die Uroma stirbt und die Urenkelin wird geboren. Gehen und Kommen. Sterben und Leben. Leid und Freude. Begegnungen, Gespräche, Tränen des Abschieds und der Freude. Sorgen um die tausend Dinge, die erledigt werden müssen. Hektik, blanke Nerven, das Gefühl der Überforderung - und dazwischen das 3-jährige Kind, das ein Schwesterchen bekommt: ein Lichtblick mitten in diesem Durcheinander, eine Ahnung dessen, was Tod und Leben ertragen lässt, ein Hauch ursprünglichen Lebens, das zeigt, dass Gott die Lust an diesem Drama des Menschseins noch nicht verloren hat.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung, obwohl ich mir meinen Rückzug anders vorgestellt hatte. Das Leben ist eben eine Achterbahn! Bei Ihnen auch? ...  » Artikel weiterlesen
bibo

Hunger aufs neue Jahr

Donnerstag, 06. Januar 2011 von bibo
Zunächst wünsche ich allen ein gesegnetes neues Jahr 2011! Nach einer kurzen Unterbrechung melde ich mich wieder. Die "Weihnachtspause" enthält für mich immer viele Begegnungen und Ansprachen, die wenig Zeit zum Bloggen lassen. Der harte Winter hat mich zwar an einigen Terminen gehindert und das Leben etwas verlangsamt, aber dadurch auch neue Planungsnotwendigkeiten hervorgerufen.

Ein sehr erschütterndes und aufrüttelndes Jahr liegt hinter mir - ein annus horribilis, wie einige gesagt haben. Dennoch sehe ich darin ein annus Domini (ein Jahr des Herrn), denn die Erschütterung bis in die Tiefe setzt neue Energien frei, die ich (wir) im neuen Jahr anzuwenden und zu nutzen haben.

Die ersten Tage des Jahres waren voll: Neujahrsgottesdienst, Neujahrsempfang, ökumenischer Gottesdienst, viele Einzelgespräche, Besuche bei Freunden… Sie haben mich ermutigt zu mehr Vertrauen und Gelassenheit, auch zu mehr Geduld. Geduld damit, dass ich eben nicht mit allem so schnell fertig werde - und mit Menschen und mit Gott nie fertig sein werde. Denn dann würde es erst gerade gefährlich!

Für meine verschiedenen Ansprachen ist mir ein kleiner Weihnachtstext von Andreas Knapp liebgeworden:

krippe

im gedroschenen stroh

des leeren geredes

kein körnchen wahrheit mehr

täglich wächst der hunger

dass ein wort geboren werde

nahrhaft wie ein weizenkorn

(in: Andreas Knapp, Höher als der Himmel. Göttliche Gedichte, Würzburg 2010, S. 28)

Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Hunger weiter verspüren, dass wir Geburtshelfer/innen solcher Worte sind und solche Weizenkörner in diesem Jahr genügend finden, um zu (übe ...  » Artikel weiterlesen
bibo

Gebet der Religionen

Dienstag, 16. November 2010 von bibo
Gerade bereite ich eine kleine Begegnung in meinem Heimatdorf vor. Ein evangelischer Pfarrer, ein jüdischer Geistlicher und ich sollen einen Gedenkstein „einweihen“, der an eine 1938 deportierte jüdische Familie unseres Dorfes erinnert und an den späteren Abriss des sogenannten „Judenhauses“ neben unserer Kirche, das ich als Kind noch kannte.

Gebet der Religionen ist heute eine neue und wichtige Herausforderung. Ein gutes Beispiel haben wir kürzlich im Osnabrücker Rathaus erlebt aus Anlass des Symposiums „Was tragen die Religionen zum Frieden bei?“. Es hat mich und wohl alle rund 100 Teilnehmer tief berührt, die heiligen Texte der monotheistischen Religionen zu hören – auch in der Muttersprache – und die Vertreterinnen und Vertreter beten zu hören als Ausdruck des Vertrauens in die Macht und Liebe eines Größeren. Musik und Gesang aus den verschiedenen Kulturen haben das noch unterstrichen.

Beieinander vor Gott zu stehen und einander wahrzunehmen in den Grundakten der Religionen, gemeinsam vor Gott zu stehen im Gedenken an die dunkelste Zeit unserer Geschichte, bewahrt vor dem Vergessen und stärkt die gemeinsame Hoffnung auf Frieden! ...  » Artikel weiterlesen
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