Die Eurokrise in Südeuropa hat inzwischen so viel religiöse Aufladung erfahren, dass es mich doch juckt, hierzu etwas zu schreiben.
Zunächst ist es ja beinahe eine apokalyptische Sprache, wenn vom Zusammenbruch des Euroraums, einer Weltwirtschaftskrise oder dem Auseinanderbrechen Europas die Rede ist.
Deshalb wird ein Rettungs(!)schirm gespannt, bei dem die Zahlendimension eher aus der Kosmologie bekannt ist.
Den Griechen (und bald wohl auch den Italienern und Portugiesen) wird klargemacht, dass das Heil(!) im Euro liegt. Dementsprechend brennt auch die Hecke in diesen Ländern, aber das ist in apokalyptischen Situationen nun mal so. Opfer(!) müssen jetzt gebracht werden.
Richten(!) muss das in so einer Situation schon ein Heiland. In Griechenland ist es Papademos (übersetzt soviel wie: Volksvater) und in Italien Super Mario (Monti). Die Namen passen doch ganz gut ins Programm!
Noch werden diese Personen mit Palmwedeln erwartet. Aber was sie in diesen Ländern „richten“ müssen, hat wenig mit guten Nachrichten (Evangelium) zu tun. Ich will auch nicht in ihrer Haut stecken. Der Weg vom Palmwedel zum Kreuz ist bekanntlich kurz.
Da ich keine Ahnung von Wirtschaftswissenschaften habe, will ich über die Richtigkeit der Maßnahmen, um die es hier geht, nicht urteilen. Aber zweierlei fällt mir auf:
Zum einen sind religiöse Sprache und Bilder in dieser säkularen Welt und Situation erstaunlich stark am Werk.
Zum anderen scheint es auch hier viel um Glauben zu gehen (im doppelten Sinne von nicht genau wissen und sich auf etwas verlassen/einlassen).
Ich bin froh, dass ich einem anderen Glauben angehöre und meine Hoffnung keine ökonomische ist. Vielleicht täte den Entscheidern in der Eurokrise eine Prise prophetische Religionskritik gut, wie sie z.B. bei Amos oder Hosea aufscheint.
Denen ging es um Gerechtigkeit, statt um Opfer.
Jetzt ist es wieder einmal amtlich: Deutschland hat die wenigsten Kinder in Europa. Eigentlich wissen wir das schon lange und „die Politik“ versucht ja auch Verschiedenes, um dagegen etwas zu unternehmen. Bisher offenbar erfolglos.
Woran liegt das? Als Vater von drei Kindern habe ich mir schon oft Gedanken darüber gemacht und verfolge die Begründungslinien seit Jahren. Ich sehe zwei große Strömungen, mit denen „Politik“ versucht, die Geburtenrate zu beeinflussen: Verbesserung der Betreuungssituation oder Erhöhung des Kindergeldes/Erziehungsgeldes.
Meine unmaßgebliche und wissenschaftlich nicht untermauerte Wahrnehmung möchte ich hier anbieten.
Das Betreuungsproblem
Es gibt ein Betreuungsproblem für Menschen mit Kindern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist noch nicht so gut, wie ich mir das wünsche. Ein Elternteil, meist die Mutter, ist durch die Kleinkindphase deutlich im Erwerbsleben eingeschränkt. Oft ist Kinderbetreuung so teuer, dass ein guter Teil der Einkünfte des teilzeitbeschäftigten Elternteils gleich „weitergereicht“ wird.
All das stimmt, erklärt aber nicht die Geburtenrate. Im Osten Deutschlands sieht das nämlich weit besser aus, hier ist die Geburtenrate aber besonders niedrig.
Das Finanz-/Gerechtigkeitsproblem
Menschen mit Kindern haben finanzielle Nachteile innerhalb ihrer Altersvergleichsgruppe. Das hat einen einfachen Grund. Die Einnahmen sinken, weil nicht mehr beide voll berufstätig sein können, und die Ausgaben steigen. Unsere Kinder zum Beispiel verursachen sicher so viele Ausgaben wie wir Eltern, eher mehr. Unser Familieneinkommen ist also durch fünf zu teilen. Großzügig gerechnet steht mir also finanziell nur etwa halb soviel zur Verfügung, wie meinem kinderlosen Kollegen.
Die politische Welt für Katholiken ist bunter geworden. „Früher“ gab es eine einfache und klare Verbindung zur CDU. Aber jetzt gibt es eine Generalsekretärin der SPD, die sich öffentlich als Katholikin zu erkennen gibt und sogar einen grünen Ministerpräsidenten in spe, der zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken gehört.
Umgekehrt kollidieren die inhaltlichen Positionen der Kirche in letzter Zeit öfter mit denen aus Teilen der CDU. Interessant waren zum Beispiel die fraktionsübergreifenden Koalitionen in der Frage der Präimplantationsdiagnostik.
Aber was heißt das jetzt? Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen der Zeit?
Ich will es einmal so sagen: Vieles spricht dafür, dass christliche Anliegen wie Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in unterschiedlichen politischen Milieus anschlussfähig sind. Und offenkundig nehmen gläubige Katholikinnen und Katholiken ihre Verantwortung in unterschiedlichen Parteien wahr.
Das dürfte die Gesprächsfähigkeit untereinander fördern und auch dem Einfluss „katholischer Positionen“ in der Politik eher zu Gute kommen.
Ich meine, man kann es hier mit Helmut Kohl halten, der treffend sagte: „Entscheidend ist, was hinten raus kommt.“
Die Debatte um die Hartz IV Sätze hat eine große emotionale Aufladung. Und das ist auch nicht besonders verwunderlich, weil es ja um gewichtige Fragen unserer Gesellschaft geht. Wie fair geht es zu? Was braucht ein Mensch zum (über-)leben? Ab wann lohnt sich Arbeit nicht mehr? Wie viel Bereitschaft zur Solidarität bringt jeder und jede Einzelne mit und wo hört der Spaß auf?
Das ist ein gefundenes Fressen für alle Populisten, Polemiker und Hysteriker aber eben auch die große Stunde der Statistiker und Sozialwissenschaftler, so dass es ungeheuer schwer ist, in dieser Gemengelage richtige Entscheidungen oder eigene Positionen zu entwickeln.
Ich nehme mich da durchaus mit ein. Meine erste Reaktion auf die fünf Euro Erhöhung war ein Kopfschütteln. Wenn man die Erwartungen sieht und den Aufwand, der mit der Neuregelung verbunden war und die Relationen zu anderen Entscheidungen (Finanzkrisenrettung, Laufzeitverlängerung, Steuererleichterungen an anderer Stelle…), dann wirken diese fünf Euro lächerlich. Noch irritierender fand ich die Bewertung des Grundbedarfs von Kindern. Meine Kinder jedenfalls haben einen höheren Bedarf als ich und faktisch entstehen bei unseren Kindern auch die höheren Ausgaben.
Aber wie gesagt: Hier richtige und gut begründete und gerechte Entscheidungen zu treffen, stelle ich mir als schwierig vor. Daher soll es hier nicht um Politikerschelte gehen, sondern vielmehr um die Frage, welchen Beitrag unsere Kirchengemeinden und Verbände leisten können, um in dieser Situation einen Beitrag zur sozialen Integration der „Armen“ zu leisten. Denn neben den Kategorien „warm“, „satt“, „sauber“ gibt es ja auch das wesentliche Bedürfnis nach Teilhabe am sozialen Leben. Das sind unsere klassischen Stärken als Kirche, die wir hier einbringen können und die wir nicht allein an die Caritas als Fachverband delegieren sollten.
Hier gibt es viele gute Beispiele, aber sicher noch Luft nach oben.
Ich schlage daher vor, drei Kontrollfragen in Pfarrgemeinderäten, Kirchenvorständen oder Verbänden zu stellen:
Ökumene ADiA Advent Ausland Auslandsjahr Beten Bischof Bundespräsident christliches Menschenbild Dialog Familie Ferien Freude Frieden Fußball Gerechtigkeit Glaube Gott Himmel Hoffnung Indien Integration Jugendliche Katechese Kind Kinder Kirche Kolkata Leben Liebe Madrid Ministranten Mirga Neujahr Papst Reise Religion Rom Schöpfung Tod Urlaub Weihnachten Weltjugendtag Weltwärts WJT
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