Jetzt, am Rosenmontag nach der denkwürdigen Hauruckkür des Bundespräsidentenkandidaten, stellt sich mir doch die Frage: Gibt es eigentlich noch andere Personalvorschläge für die Spitzenpositionen in diesem unserem Lande als evangelische Pfarrer oder Pfarrerinnen wie Gauck, Huber, Käsmann und Konsorten? Aber gut, was will man erwarten bei einer evangelischen Pfarrerstochter an der Macht? Da wird mir als Katholik ja ganz schwindelig. Dabei hätte man doch nun wirklich mal einen kurzen Moment innehalten können. Dann wäre man wahrscheinlich auch auf ganz andere Möglichkeiten gekommen.
Zum Beispiel Franz Beckenbauer, als Bayer wahrscheinlich katholisch. Berufserfahrung als Kaiser hat er bereits sammeln können, die Ersatzfunktion des Bundespräsidenten hätte also genau zu ihm gepasst.
Oder Otto Rehagel! Wer die Griechen zu Europameistern machen kann, dem ist einfach alles zuzutrauen. Wohin es mit den Griechen ohne Otto gekommen ist, sieht man ja. Stattdessen muss er jetzt die Hauptstadtmannschaft vor dem Abstieg bewahren.
Pater Anselm Grün wäre auch eine katholische Alternative gewesen. Vorträge halten kann er, auf Katholikentagen muss er eh immer auftreten und wirtschaftswissenschaftliche Kompetenz bringt er auch noch mit.
Oder Thomas Gottschalk! Den kennt jeder, der war Messdiener, er wird allgemein akzeptiert und er könnte ohne Gesichtsverlust sein jüngstes Experiment im Fernsehen beenden.
Na ja, alles Männer. Mal überlegen. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin konnte sie schließlich schon. Oder Heidi Klum, das wäre mal ein ganz anderes Bild von Deutschland – oder ist die noch zu jung? Dann eben Mut ...
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Euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. So steht es bei Matthäus 5,37.
An diese Stelle muss ich immer wieder denken, wenn ich die Debatte um Christian Wulff in den letzten Wochen verfolge.
Jetzt hat er sich gestern einem Interview gestellt und kleine Brötchen gebacken.
Irgendwie tut er mir auch wirklich leid. Ich möchte nicht in aller Öffentlichkeit jede Urlaubsreise, jeden Freundschaftsdienst, jedes Fest dokumentieren müssen.
Aber ist das nicht ein Problem, wenn der Bundespräsident den Bürgern leid tut?
Ich erwarte von einem Bundespräsidenten, dass er aufrichtet, bestärkt, mahnt, repräsentiert, für die Ideale unseres Staates steht – und nicht, dass er Mitleid auslöst.
Wer das Interview nicht gesehen hat: Hier ist es zu finden
http://www.ardmediathek.de
Um das klar zu stellen: Ich glaube nicht, dass Wulff durch seine Freunde bestechlich war oder ist. Ich glaube auch nicht, dass er die Pressefreiheit nicht respektiert.
Vielmehr sieht es für mich so aus, dass er nicht aufrichtig war, als er nach dem Privatkredit gefragt wurde und dann wenig souverän mit der medialen Berichterstattung darüber umging.
Vielleicht fehlt ihm hier wirklich die biographisch begründete Autorität und Souveränität, die viele seiner Vorgänger hatten.
Wäre doch sein Ja ein Ja gewesen und sein Nein ein Nein. ...
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Bode bloggt - eine völlig neue Erfahrung für mich. Es ist ein eigenes Gefühl, viele Menschen an Alltagsgedanken und -erfahrungen teilhaben zu lassen. Es ist spannend, auf Kommentare zu warten und dadurch mitzubekommen, wozu andere die eigenen Gedanken bewegt haben - erste Eindrücke durfte ich in den letzten Tagen ja schon sammeln. Für mich eine neue, ungewohnte Form der Wahrnehmung, die mir durch viele andere Weisen meines Dienstes in Gottesdiensten, Vorträgen, Begegnungen so nicht gelingt.
Meine Notizen wollen Resonanz auslösen; die Kommentare finden in mir Resonanz, die mich in meinem Tun mehr oder weniger bewusst begleitet. "Es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in den Herzen der Christen seinen Widerhall fände", hat die Kirche einmal feierlich erklärt (II. Vatikanisches Konzil GS 1).
Ich bin gespannt, was das Abenteuer in der Blogosphäre mit mir macht - und was diese neue Kontaktnahme mit Menschen macht, die meine Überlegungen lesen. Ich möchte als Bischof den Markt der Meinungen besser wahrnehmen und dabei einen mehr persönlichen als amtlichen Weg nehmen. Ein Satz des Apostels Paulus hat mich dabei immer fasziniert: "Ich wollte euch nicht nur am Evangelium teilhaben lassen, sondern auch an meinem eigenen Leben" (1 Thess 2,8).
Jetzt aber Schluss mit den sinnigen Gedanken an dieser Stelle - der neue Bundespräsident soll von mir auch noch ein paar ermutigende Zeilen haben. Ich bin ja sein Heimatbischof... ...
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Nachdem "wir" nun schon Papst waren, Lena sind und Fußballweltmeister werden, also auch das noch...
Wir werden Bundespräsident! Christian Wulff, katholisch, männlich, westlich (also das Gegenstück zu Merkel) und vor allem - zum Glück aus Osnabrück.
Wobei ich eine siebenfache Mutter als Präsidentin allerdings auch ein starkes Signal gefunden hätte.
Wie seht ihr das ?
Fest steht jedenfalls, dass die Religion nicht mehr ein Monopol auf gesellschaftliche Identitätsstiftung hat, wie dies 1912 noch vom Soziologen Emil Durkheim in seinem Werk "Die elementaren Formen des religiösen Lebens" beschrieben werden konnte. Diese Funktion teilt sich Religion heute mit dem Sport, der Popkultur, der Politik... ...
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