Der Blog des Bistums Osnabrück

Die Wurzeln des Glaubens

Montag, 08. August 2011 von bibo

Fast 300 junge Leute aus unserem Bistum bereiten sich in diesen Tagen auf ein Großereignis vor, das inzwischen fest zur Jugendpastoral gehört: der Weltjugendtag, diesmal in Madrid. Ein Fest des Glaubens, ein Fest der Jugend, ein Fest der Welt, das ich gemeinsam mit den jungen Menschen erleben darf – zum sechsten Mal. Das Leitwort „In Christus verwurzelt und auf ihn gegründet, fest im Glauben“ (vgl. Kol 2,7) ist für unsere Zeit besonders herausfordernd. Denn viele (junge) Menschen wissen nicht mehr, woran sie sich wirklich festhalten können, was ihnen wirklich und nachhaltig Orientierung und Sinn gibt angesichts der zahllosen Möglichkeiten, die sich bieten.

Die beiden Bilder, die in dem Leitwort stecken – der Baum und das Haus – sind Urbilder unseres Lebens und unseres Glaubens. Wer in Christus verwurzelt ist, ist deswegen nicht unbeweglich und starr. Er hat einen Standpunkt, von dem aus er dem Leben gewachsen sein kann. Ein gut verwurzelter Baum kann in seiner Krone weit ausgreifen und in Kommunikation mit der Umgebung eintreten, ohne sich dabei zu zerstreuen, ohne sein Rückgrat zu verlieren oder einzuknicken. Wer so lebt, dessen Bewegung zu den Menschen und zur Welt ist fest und klar, weil er sich in Gottes Wort und Weisung verwurzelt weiß.

Ebenso ist es mit dem Haus. Das Lebenshaus junger Menschen kann heute aus vielen Materialien gebaut sein, aus vielen Erfahrungen der Höhe und der Tiefe, der Begeisterung und des Abgrundes. Mauern werden durchbrochen von Fenstern und Türen, die Öffnung und Schutz, Gastfreundschaft und Geborgenheit zugleich bieten. Doch all das geht nicht ohne Dach über allem und erst recht nicht ohne festen Grund.

Deshalb werden wir in Madrid in der Weltweite unserer Kirche an die Wurzeln des Glaubens gehen, an die Geschichte Jesu Christi und den Taufglauben an Vater, Sohn und Geist. Wir werden dem Leben und dem Glauben auf den Grund gehen, auf dem wir stehen und gehen können.

Ich bin davon überzeugt, dass sich die Lebens- und Glaubensschritte der jungen Leute in den Erfahrungen der großen Gemeinschaft und der ganz persönlichen Begegnungen festigen werden für eine künftige Gestalt der Kirche. Es ist gut und wichtig, die Weltjugendtagspilgerinnen und -pilger dabei im Gebet intensiv zu begleiten.

Da hat sich Gott was Gutes ausgedacht…

Mittwoch, 29. Juni 2011 von bea

Du bist spitze, du bist genial,

so jemanden wie dich gibt´s nur einmal.

So wie du bist, bist du wunderbar gemacht.

Da hat sich Gott was Gutes ausgedacht.

Mit den Perlen für Gott geben wir in der Kindertagesstätte in verschiedenen Situationen Anregungen für Gespräche mit Gott. Dieser Zugang ist für die Gebetserziehung von christlichen und muslimischen Kindern geeignet. Die Ich-Perle ist einzigartig und schön.

Jeder Mensch ist geliebt, angenommen und von Gott gewollt. Die Ich-Perle soll die Kinder daran erinnern, dass auch sie einzigartig und etwas ganz besonderes sind. Der oben genannte Text und weitere Rituale beschreiben das unbedigte Angenommensein durch Gott.

Mit dieser Gewissheit können die Kinder sich selbst gut annehmen und zu ihren verschiedenen Seiten stehen. Diese Gewissheit ist auch das Fundament, um vertrauensvolle Beziehungen mit anderen Menschen einzugehen.

Weitere Perlen sind die Wir-Perle, die Fest-Perle, die Perle der Dankbarkeit, die Gefühlsperle, die Geheimnis-Perle, die Perle der Nacht und die Perle des Schweigens. In einer Broschüre sind die “Perlen für Gott” beschrieben, die im Rahmen eines interreligiösen Projektes entwickelt wurden. Wer neugierig geworden ist, kann sich diese Broschüre über die Kindertagesstätte Heilig Kreuz in Osnabrück bestellen oder hier herunterladen!

Die Seligen rücken näher

Freitag, 03. Juni 2011 von bibo

Am 25. Juni werden die drei Lübecker Geistlichen Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange seliggesprochen – in enger Verbundenheit mit dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink. Die drei Kapläne haben im Osnabrücker Priesterseminar studiert und empfingen in unserem Dom die Priesterweihe.

Die Seligen rücken näher, da viele Menschen sich in den letzten Wochen auf diese Gestalten des Glaubens eingelassen haben, um sie auch als Zukunftsgestalten zu entdecken und ihr eigenes Leben an ihnen zu orientieren. Ihre Verschiedenheit in ihren Gaben und Talenten, ihre jugendliche Hochherzigkeit, ihr Mut zum Zeugnis, ihre Liebe zu Wahrheit und Gerechtigkeit, ihre Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit beeindrucken tief. Das habe ich in Begegnungen mit Menschen aller Generationen und Herkunft erlebt – und nicht zuletzt im ökumenischen Miteinander.

Die Lübecker Märtyrer

Schon immer hat mich das „Neue Testament“ von Hermann Lange berührt, wenn ich es berühren konnte, dieses Büchlein, das er bis zuletzt bei sich hatte, um aus dem Wort Gottes Kraft und Zuversicht zu schöpfen. Durch vielen Gebrauch und Alter fällt es fast auseinander.
Jetzt hatte ich zum ersten Mal sein Messgewand in Händen. Er bekam es bei der Weihe zum priesterlichen Dienst, um sich ganz von Christus bekleiden zu lassen, um seine Person mehr und mehr von Christus ergreifen zu lassen, um glaubwürdig in persona Christi handeln zu können. Kaplan Lange konnte bei der Weihe nicht ahnen, wie weit er den Weg Christi mitzugehen hatte: bis in die Hingabe seines Lebens im gemeinsamen Blutzeugnis mit seinen Mitbrüdern, katholisch und evangelisch. Das Gewand ist von Gebrauch gezeichnet. Das muss auch so bleiben, denn in diesem Gewand berühren wir ein Leben, das Christus Gesicht, Hand und Fuß in unserer Welt gegeben hat. Mit großer Ehrfurcht werde ich es tragen bei der Nachfeier der Seligsprechung in unserem Dom am 3. Juli.

Mögen diese Wochen um die Seligsprechung für unsere Bistümer Hamburg und Osnabrück eine Zeit besonderer Gnade sein – gerade jetzt, wo sich die Kirche in unseren Breiten neu für die Zukunft orientieren muss und will.  Ihr seligen Glaubenszeugen, gebt uns Kraft, selbst glaubwürdige Zeugen Christi zu sein! Bittet für uns!

Gemeinsam beten, geht das?

Freitag, 20. Mai 2011 von bea

Derzeit beschäftigen wir uns in einem Projekt über das Beten mit christlichen und muslimischen Kindern. In meinem letzten Blogeintrag habe ich Fragen vorgestellt, mit denen wir uns gerade auseinandersetzten. Ziemlich bald wurde uns klar, dass es da Schwierigkeiten geben würde. Wenn wir Christen beten, dann ist das immer ein Gebet im Namen Jesu Christi. Wir beten mit Jesus und in seinem Geist zu Gott. Muslime beten anders, und wir wollen da nichts vermengen.

Wir möchten die Kinder aber beim Beten nicht trennen, da sonst viele Abläufe unterbrochen und wichtige Erfahrungsprozesse gestört würden. Andererseits ist uns der Respekt der anderen Religion gegenüber ein hoher Wert. Wie können wir also weitermachen?

Zunächst haben wir Texte und Lieder gesammelt, die sowohl für das Beten mit christlichen als auch muslimischen Kindern geeignet sind. In dieser Materialsammlung geht es häufig um den Dank, die Schöpfung, und um die Gemeinschaft. Unser Ziel ist weiterhin die Kinder zum christlichen Gebet anzuleiten, aber auch das gemeinsame religiöse Lernen von christlichen und muslimischen Kindern zu fördern. Eine gute Anregung haben wir durch die Perlen des Glaubens erhalten, die der evangelische Bischof Martin Lönnebo entwickelt hat. Wir haben ebenfalls eine Perlenkette entwickelt.

Unsere “Perlen für Gott” werden nach und nach mit den Kindern erarbeitet. Anhand der 9 Perlen  können Kinder Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem Glauben entdecken. Mit jeder Perle sind Rituale, Texte und Lieder verbunden, die für beide Religionen anschlussfähig sind und sogar Erwachsenen Anregungen für das Gebet geben können. Demnächst mehr…

Wie hälst Du´s mit dem Beten?

Montag, 09. Mai 2011 von bea

Als katholische Kindertagesstätte beten wir regelmäßig mit den Kindern. Wir danken für das Essen, die Gemeinschaft, die Schöpfung oder tragen Gott unsere Bitten vor. Dabei wechseln sich frei gesprochene Gebete mit vorgelesenen oder auswendig gesprochenen Texten ab. Kinder sind sehr unmittelbar in ihren Äußerungen beim freien Gebet, haben aber auch Spaß an verfassten Gebeten, besonders wenn sich sie sich reimen. Im Kontakt mit den Eltern nehmen wir wahr, dass viele Erwachsene Schwierigkeiten haben, oder auf der Suche nach zeitgemäßen Texten oder Worten sind, von denen sie sich angesprochen fühlen.

Wir haben das zum Thema gemacht und persönliche Erfahrungen ausgetauscht und uns über das Beten im Christentum und im Islam informiert. Da viele muslimische Kinder die Einrichtung besuchen, sind wir häufig mit Kindern, Eltern und im Team über interreligiöse Fragen im Gespräch. Zum Thema Beten sind viele Fragen aufgekommen, da Kinder oft den Wunsch nach gemeinsamen Handeln haben:

- Ist ein gemeinsames Gebet von Christen und Muslimen möglich?

- Können wir mit den Kindern gemeinsam beten?

- Glauben wir nicht alle an den einen Gott, der alles erschaffen hat?

- Was ist mit Respekt und Toleranz der anderen Religion gegenüber?

- Gibt es Texte, die für beide Religionen anschlussfähig sind?

- Was ist unumgänglich, was geht trotzdem oder wo können wir uns begegnen?

Wir sind auf der Suche nach Antworten und haben darüber ein Projekt entwickelt. Es gibt einen wirklich spannenden Austausch über das Beten! In meinen nächsten Blogposts möchte ich ein wenig mehr von diesem Projekt erzählen – und freue mich immer über Kommentare und Anregungen zum Thema. Nächste Woche an dieser Stelle mehr dazu…



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