Vor fast genau zwei Jahren fing alles für mich an. Info-Tag, Bewerbung, Auswahlwocheende … und nun sollte es vorerst das letzte Seminar für meinen Freiwilligendienst sein.
Seit zwei Monaten bin ich nun schon wieder in Deutschland und komme Tag für Tag einen Schritt mehr in Deutschland an. Gefühlsmäßig ein ziemliches Wirrwar, jedoch merke ich auch, dass ich nicht mehr ganz der Stephan bin, der sich vor zwei Jahren beim Bistum beworben hatte.
Angefangen mit einem lockeren Sektempfang und großer Wiedersehensfreude, wurde heute nocheinmal in Rulle ein Abschiedsgottesdienst gefeiert.
Thematisch wurde auf dem Seminar natürlich fast ausschließlich über unser Jahr gesprochen. Über die Erlebnisse aber viel mehr auch über unsere Beziehung zu besonderen Menschen, das Verhalten bei Problem oder das Darstellen eigener Situation in denen wir an unsere Grenzen gestoßen sind. Sehr intensiv, aber für mich noch sehr viel hilfreicher. Die Stimmung war die ganze Woche über einfach super und die Gruppe ist nocheinmal total zusammen geschweißt worden. Alleine die Gespräche sollten als bleibende Erinnerung bleiben, jedoch durften wir auch noch Kaffee-Tassen persönlich für einen Mitfreiwilligen bemalen und sie während des Messe überreichen.
Da ich nun ab Morgen erst einmal in den Urlaub fahren werde, noch kurz etwas zu den Fotos und einen richtigen Abschlussbericht gibt es dann mitte September.
Neben den zwei Gruppenfotos mit vielen Kleidungsstücken aus verschiedenen Ländern sind noch zwei aus dem Gottesdienst angehängt. Zum einen die Gruppe aktiv am Singen zum anderen ich, mit meinem Lungi (indischer Wickelrock) während ich meine verzierte Tasse verschenke.
In diesem Sinne erstmal Urlaub
Liebe Grüße Stephan
Fotos von Ottmar -> Eine Kuh für Marx
So wie angekündigt nun das Rezept für Alu Cop (gesprochen Aluu Schop) und Piyaji (gespr. Pijaschi). Alu Cop ist in etwa würzig frittierter Kartoffelbrei. Piyaji ist einfacher und bezeichnet lediglich frittierte Zwiebelstreifen.
Wer etwas Mut hat kann es ja mal probieren.
Die Maßeinheiten zu bekommen war eine Angelegenheit für sich. Ohne Waage sind einige Angaben etwas geschätzt…
Ostern in Indien hatte nun wirklich, bis auf den Ablauf der Messen, mal wieder ziemlich wenig mit den vorherigen Osterfesten in Deutschland zu tun. Kein Osterhase, keine Ostereier, kein Osterlamm, kein Eiersuchen, keine gewöhnliche Ostersonntagsmesse und und und….
Vorab erstmal die Auflösung des Bilderrätsels.
Erste Reihe von links nach rechts
1. Limone
2. Papaya
3. Mango
Zweite Reihe von links nach rechts
1. Banane
2. Guava
3. Jackfruit
Dritte Reihe von links nach rechts
1. Kokosnuss
2. Cashew-Frucht (Wir kennen nur die die Nüsse aus der Tüte
)
Die meisten Sachen musste ich aber auch erstmal erfragen, als ich ankam
So, und jetzt zu Ostern: Wie gesagt gab es keine Ostereier, dafür aber mal wieder eine große Packung Santhal-Kultur, Tänze, Gesänge, Dorftraditionen, bahar parob, Wasserbombenschlacht und jede Menge glückliche und zufriedene Menschen…
Es ist leider schon einige Zeit her, dass ich mich gemeldet habe. Die Rückkehr von meiner Reise ins Heilige Land bescherte mir einen übervollen Schreibtisch und viele nicht weiter zu schiebende Termine. Meine Mitbringsel sind noch unverschenkt, meine Photos kaum gesichtet. Doch die Erinnerungen sind sehr gegenwärtig: an großartige, berührende Orte, wo die Luft des Evangeliums zu atmen ist, ja wo die Landschaft und die Stätten ein “fünftes Evangelium” sind – nicht geschrieben, nicht zu lesen oder zu hören, sondern zu schauen, zum Erwandern.
Auf der anderen Seite die schier unlösbaren Probleme eines Landes, das mehreren Religionen so heilig ist. Im Land der Bergpredigt fast täglich die Erfahrung des harten Gegenteils! Nein, eine Reise ins Heilige Land ist alles andere als erbaulich; sie lässt einen physisch erfahren, in was für eine Welt Gott hineingeboren ist: in eine Welt voller Gegensätze, Spannungen, Hass, Gewaltbereitschaft, Vergeltung – eine Welt, die auch nach Christus noch auf Erlösung wartet.
Doch dieses Land ist auch ein Stück Heimat für die Religionen, schon allein deshalb, weil kaum ein Tag vergeht, da man unter den Pilgern und Touristen nicht Bekannte trifft. Dieses Mal haben mich zwei Begegnungen besonders gefreut: Im Garten Gethsemani traf ich ein Ehepaar, das ich vor 24 Jahren getraut habe in der Gemeinde, in der ich Pfarrer war. Und vor der Grabeskirche begegnete ich wenig später einem Mann aus meiner Kaplansgemeinde, der vor 35 Jahren noch ein kleiner Junge war, dessen Oma mir aber noch im Gedächtnis ist. Bei ihm war eine Frau von einem Bauernhof, auf dem manche Feier nächtens beim Spiegeleieressen endete. Eine sehr weltliche Erinnerung inmitten der “heiligen Stätten”. Doch auch in diese Welt des Frohseins und der Feier ist Gott Mensch geworden. Er leidet nicht nur mit uns, er lächelt auch über uns…
Wechselbad der Gefühle: Bischofskonferenz in meiner Heimatstadt Paderborn – Kankenbesuche – ökumenische Begegnung – Fastenpredigt – Fußballspiel Osnabrück gegen Aachen mit bedrückendem Ausgang – Abschied von Ordensschwestern, deren Gemeinschaft sich über 150 Jahre den Kranken in unserem Marienhospital gewidmet haben – und nun die letzten Vorbereitungen für eine Reise nach Israel mit 80 Pilgern. In ein Land schier unlösbarer Gegensätze, aber eben in das Land, wo ich die Luft des Evangeliums atmen kann. Dazwischen die dramatischen Nachrichten aus Libyen und Japan…
Die derzeitige Unordnung um mich herum entspricht der Menge der Erfahrungen. „Wir wollen es ja nicht einfach!“ hat mir kürzlich jemand gesagt. Tatsächlich: „einfach“ wäre zu einfach. Lieber die spannende Vielfalt. Sie ist herausfordernder und lebendiger.
Ich nehme alles mit als „Gepäck“ ins Heilige Land, an die Orte, an denen Jesus die Menschen entlastet, aufgerichtet, erlöst hat. Nach der Heimkehr werde ich erzählen. Also einstweilen: Schalom!
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