Der Blog des Bistums Osnabrück

Kinderarmes Deutschland

Freitag, 05. August 2011 von bruno

Jetzt ist es wieder einmal amtlich: Deutschland hat die wenigsten Kinder in Europa. Eigentlich wissen wir das schon lange und „die Politik“ versucht ja auch Verschiedenes, um dagegen etwas zu unternehmen. Bisher offenbar erfolglos.

Woran liegt das? Als Vater von drei Kindern habe ich mir schon oft Gedanken darüber gemacht und verfolge die Begründungslinien seit Jahren. Ich sehe zwei große Strömungen, mit denen „Politik“ versucht, die Geburtenrate zu beeinflussen: Verbesserung der Betreuungssituation oder Erhöhung des Kindergeldes/Erziehungsgeldes.

Meine unmaßgebliche und wissenschaftlich nicht untermauerte Wahrnehmung möchte ich hier anbieten.

Das Betreuungsproblem

Es gibt ein Betreuungsproblem für Menschen mit Kindern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist noch nicht so gut, wie ich mir das wünsche. Ein Elternteil, meist die Mutter, ist durch die Kleinkindphase deutlich im Erwerbsleben eingeschränkt. Oft ist Kinderbetreuung so teuer, dass ein guter Teil der Einkünfte des teilzeitbeschäftigten Elternteils gleich „weitergereicht“ wird.
All das stimmt, erklärt aber nicht die Geburtenrate. Im Osten Deutschlands sieht das nämlich weit besser aus, hier ist die Geburtenrate aber besonders niedrig.

Das Finanz-/Gerechtigkeitsproblem

Menschen mit Kindern haben finanzielle Nachteile innerhalb ihrer Altersvergleichsgruppe. Das hat einen einfachen Grund. Die Einnahmen sinken, weil nicht mehr beide voll berufstätig sein können, und die Ausgaben steigen. Unsere Kinder zum Beispiel verursachen sicher so viele Ausgaben wie wir Eltern, eher mehr. Unser Familieneinkommen ist also durch fünf zu teilen. Großzügig gerechnet steht mir also finanziell nur etwa halb soviel zur Verfügung, wie meinem kinderlosen Kollegen.

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Der katholische Glaube macht verträglicher

Montag, 06. Juni 2011 von bruno

Ein wenig stolz bin ich ja schon auf „unsere Jugendlichen“ im Emsland, denen Prof. Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen jetzt attestierte, dass sie besonders friedfertig seien. Er führt das u.a. auf die katholische Prägung zurück. Sogar überregionalen Medien war dies eine Meldung wert. Regional kann man Näheres hier lesen: http://www.noz.de

Allerdings ist uns das in der Jugendpastoral nicht besonders neu. Wir wissen aus der alltäglichen Anschauung, dass es eine präventive Wirkung hat, sich in Jugendgruppen zu organisieren, Verantwortung füreinander zu übernehmen, Freizeit sinnvoll zu gestalten, gemeinsame Werte zu teilen. Und die sogenannte Resilienzforschung weiß auch schon seit längerem, dass religiös organisierte und orientierte Menschen gegen negative Einflüsse widerstandsfähiger sind.
Resilienz ist, vereinfacht gesagt, die Fähigkeit, mit negativen Einflüssen (Armut, Katastrophen, Gewalterfahrungen, Stress, Überforderung…) produktiv umzugehen und Selbstkompetenz zu entwickeln.
Wer es genauer wissen will, kann hier einen Überblick bekommen.

Interessanterweise ist es aber nicht egal, welche religiöse Prägung vorliegt. Die untersuchten katholischen Gruppen kommen besonders gut weg. Das dürfte neben der Botschaft selbst daran liegen, dass die soziale Vernetzung in der katholischen Kirche besonders kultiviert ist.
Diesen Schatz sollten wir weiter hüten!

Volle Energie! Für einen gesellschaftlichen Konsens

Dienstag, 31. Mai 2011 von bruno

Wer hätte das gedacht? Wenige Monate nach dem Ausstieg aus dem Ausstieg, eine Atomkatastrophe in Japan und zwei verlorene Landtagswahlen später sind sich die politischen Lager in Deutschland in Sachen Energie so nah wie noch nie. Die Umstände, die zu diesem sich abzeichnenden Konsens geführt haben, sind vielleicht verrückt, aber das Ergebnis dennoch bemerkenswert. Das erinnert mich an die Redeweise: Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.

Oder überhöht das jetzt die Fragestellung? Man muss ja schon aufpassen, dass aus energiepolitischen Entscheidungen keine quasireligiösen Auseinandersetzungen werden. Aber genau das finde ich an dem Zustandekommen des Ausstiegsszenarios interessant. Die Regierung fragt einen Ethik-Rat, den sie bunt zusammensetzt aus Fachleuten und Vertreterinnen gesellschaftlicher Gruppen. Diesen Leuten kann man unterstellen, dass sie nicht nach eigenen Interessen oder kurzfristigen Vorteilen schielen, sondern tatsächlich nach einer tragfähigen Lösung suchen.
Hier hat die Kirche ihren guten Platz und wie ich finde auch etwas zu sagen. Kardinal Marx hat die kirchliche Position eingebracht und konnte sich zum Beispiel auf gut aufbereitete ethische Positionen beziehen, wie sie vom kirchlichen Forschungsinstitut für Philosophie Hannover erarbeitet wurden. Unter http://www.fiph.de findet man zum Beispiel die Publikation „Kirche, Kernenergie, Klimawandel“.
Die Idee eines Ethik-Rates finde ich einfach gut. Entscheidungen müssen natürlich von denen getroffen werden, die vom Volk hierfür ein Mandat haben. Aber bei den gesellschaftlichen „Big Points“ brauchen wir einfach tragfähige Entscheidungen, die unabhängig von Legislaturperioden Bestand haben können. Solche „Big Points“ wären für mich der Klimawandel, die Gesundheitspolitik, die Zuwanderungsfrage und wohl auch die Frage von Bundeswehreinsätzen.

Ach ja: Wer seinen privaten Ausstieg aus der Atomenergie und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien betreiben will, kann das überraschend einfach tun. Finanziell ist das keine große Belastung. Für meinen 5-Personen-Haushalt handelt es sich um 5 € im Monat Mehraufwand. Vergleicht einfach unter http://www.verivox.de und sucht euch das passende Angebot raus.

Der Papst und der Frieden

Montag, 23. Mai 2011 von bruno

Wie wahr: „Euch, die ihr unseren Planeten von weitem überfliegt, muss es klar sein, dass wir alle zusammenleben und wie absurd jeder Krieg ist.“ Das sagte jüngst der Papst den Astromauten in der ISS.

Mehr dazu hier: http://www.noz.de/deutschland-und-welt/politik/54362460/benedikt-xvi-ruft-als-erster-papst-im-weltall-an

Zu dieser Erkenntnis kommt man offenbar leichter, wenn man einen „erhöhten Standpunkt“ einnimmt. Die internationale Raumstation ist hierfür ja ein regelrechtes Symbol. Von hier aus ist die Schönheit und auch die Verletzlichkeit des Planeten unmittelbar vor Augen, während gleichzeitig Forscherinnen und Forscher aus vielen Ländern friedlich am gemeinsamen wissenschaftlichen Fortschritt der Menschheit arbeiten.

Auch die Religion könnte einen solchen „erhöhten Standpunkt“ vermitteln – und tut dies sicherlich auch oft. So ist es ja kein Zufall, dass der Papst im ersten Gespräch mit den Astronauten überhaupt u.a. das Thema Frieden aufgreift. Der Papst hat als Oberhaupt einer Weltreligion freilich auch einen ziemlich erhöhten Standpunkt. Aber selbst für den Otto-Normal-Katholiken dürfte es eine friedensförderliche Wirkung haben, wenn er sich klar macht, dass es Katholiken in allen Ländern, Völkern und Kulturen dieser Erde gibt. Eigentlich muss jeder Rassismus und Nationalismus von diesem Standpunkt aus an Plausibilität verlieren.

Ich finde, diese Chance, die vor allem die katholische Kirche als wirkliche Weltkirche hat, müsste viel mehr genutzt und auch betont werden!

Wäre es nicht wunderbar, wenn es einst von uns hieße: „Von den Katholiken ging in besonderem Maße der Frieden, die Solidarität und die Zusammenarbeit aller Völker aus.“?

Liebet eure Feinde

Donnerstag, 05. Mai 2011 von bruno

„Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne (Kinder) eures Vaters im Himmel werdet.“ (Mt 5,44-45)

Diese Forderung Jesu ist mir schon immer besonders schwer gefallen. Ich finde es schon herausfordernd genug, meinen Nächsten zu lieben wie mich selbst. Aber meine Feinde?

Gefühlsmäßig komme ich hier an meine Grenzen.

Deshalb kann ich bis zu einem gewissen Grad auch verstehen, wenn es Menschen gibt, die sich über den Tod von Osama bin Laden freuen. Vor allem kann ich die nachvollziehen, deren Freunde und Verwandten zu Schaden oder zu Tode gekommen sind durch den Terrorismus, der mit bin Laden verbunden ist.

Aber was heißt es, wenn sich hohe Repräsentanten eines Staates über den Tod ihres Feindes freuen?

Die Reaktion meines dreizehnjährigen Sohnes auf die Radionachricht von der Freude der Kanzlerin war für mich sehr interessant. „Papa, darf man das als Kanzlerin sagen?“ Die Frage meinte er nicht moralisch, sondern interessanterweise politisch und daran bin ich hängen geblieben. Ist da nicht wirklich etwas dran? Natürlich kennt wohl jeder und jede von uns Rachegefühle, Hass, Zorn etc. Aber politisch unterscheiden sich Gesellschaften an der Frage, wie damit öffentlich und rechtlich umgegangen wird.

Es macht mich sehr nachdenklich, wenn der Terrorismus uns dazu bringt, dass wir „uns“ als Staat oder Gesellschaft über den Tod unserer Feinde freuen. Und in diesem Fall steht die Kanzlerin nun mal für diesen Staat.

Mag sein, dass das Gebot der Feindesliebe überfordert. Aber ein rechtstaatliches Verfahren, die Würde als Mensch, auch die Würde als Toter steht in meinen Augen auch den Feinden zu. Ein nüchternes und gleiches Recht für alle hält die Freiheit offen, mich nicht den Spielregeln von Hass und Vergeltung meiner Feinde auszuliefern.

Diese Freiheit der Kinder Gottes wünsche ich mir!

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