Einige Parteien haben gerade ihre Dreikönigstreffen hinter sich. Ich habe mir die Frage gestellt, was die drei Könige eigentlich mit Politik zu tun haben. Oder vielleicht anders gefragt: was vermittelt uns die Legende von den Heiligen Drei Königen für ein Bild von Regierenden?

Die Heiligen Drei Könige beim Jesuskind an der Krippe (www.fotolia.de, zatletic)
Zunächst fällt mir auf, dass sie einer übergeordneten Idee, einer Verheißung, einem Ideal folgen (Stern). Ihr Handeln ist also nicht an irgendwelchen kurzfristigen Interessen ausgerichtet.Ebenfalls interessant finde ich, dass sie ihr Handeln international koordinieren, denn die Könige stehen ja für die damals bekannten Kontinente Afrika, Asien und Europa. Sie erreichen gemeinsam ihr Ziel.
In die Knie gehen sie vor einem Kind aus einer Familie in prekären Verhältnissen (Stall) mit Migrationshintergrund (eben in Bethlehem und nicht in Nazareth). In Politikfelder übersetzt sind das die Bereiche Kinder und Jugend, Familie, Soziales und Ausländer, mit denen sie sich befassen. Hier investieren sie ihre Ressourcen (Gold, Weihrauch und Myrrhe).
Auch ihr Verhältnis zur Macht finde ich aufschlussreich. Auf dem Hinweg be ...
» Artikel weiterlesen
Als Lady Gaga 2010 zu den MTV Video Music Avards im Fleischkleid kam, dachte ich: „Entweder spinnt die jetzt völlig, oder das ist eine prophetische Zeichenhandlung.“ Letzteres scheint der Fall zu sein, denn sie selbst sagte zu diesem Auftritt: „Wenn wir nicht für das eintreten, an das wir glauben, haben wir bald nicht mehr Rechte, als das Fleisch an unseren Knochen“. Und sie fügte noch hinzu: „Ich bin kein Stück Fleisch.“
Die Boulevard-Öffentlichkeit will Fleisch von den Prominenten sehen und bekommt Fleisch zu sehen – aber eben irritierend anders. Das gefällt mir. Like!
Und jetzt ruft sie aktuell zur Körperrevolution auf. Zu lesen z.B. hier:
http://www.sueddeutsche.de/panorama/lady-gaga-ruft-zur-koerperrevolution-auf-feiert-eure-fehler-1.1479619 oder hier:
Ausgangspunkt ist wieder die Boulevard-Öffentlichkeit, die ihr Gewicht aufs Korn nahm. Nun stellt sie Bilder von sich offensiv ins Netz, die ihre realistische Körperlichkeit darstellen und ermutigt ihre Fans, ebenfalls zu ihren angeblichen Makeln und körperlichen Unzulänglichkeiten zu stehen. Das mag provokati ...
» Artikel weiterlesen
Heute vor 73 Jahren begann der Zweite Weltkrieg. Als er zu Ende ging, waren sich fast alle Menschen im zerstörten Europa einig, dass der Satz „Nie wieder Krieg“ unbedingte Gültigkeit haben soll

Bild: fotolia.de, rsester
Es kam anders, wie wir wissen. Es wurden viele, sehr viele Kriege seit dem geführt. Bis heute stehen wir vor der Frage, wie wir mit Aggressoren, Konflikten, Bürgerkriegen, Menschenrechtsverletzungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und dergleichen umgehen sollen. Libyen und Syrien sind die jüngsten Beispiele in dieser Reihe.
Mein Eindruck ist, dass die Bereitschaft, durch militärische Intervention humanitäre Ziele zu verfolgen, bei den Völkern relativ hoch ist. Krieg als Mittel der „Weltinnenpolitik“ ist wieder salonfähig – und manchmal gibt es hierfür Argumente, die ich persönlich nicht ohne weiteres moralisch verwerfen kann.
Umso wichtiger scheint mir der mahnende Einspruch von Papst Johannes Paul II. zu sein, den er im Januar 2003 vor dem diplomatischen Corps im Vatikan äußerte:
"Krieg ist niemals ein unvermeidbares Schicksal, er ist immer eine Niederlage für die Menschheit." ...
» Artikel weiterlesen
Jetzt ist es wieder amtlich, dass die Zahl der Geburten in Deutschland weiter sinkt. Zu lesen z.B. hier:
http://www.stern.de/politik/deutschland/bevoelkerungsstatistik-geburtenraten-auf-tiefpunkt-angelangt-1849914.html
Und gleich wird auch das Erziehungsgeld wieder in Frage gestellt. Ausgerechnet aus den Reihen der CDU, die doch eigentlich Familien besonders fördern müsste. Zu lesen z.B. hier:
http://www.rp-online.de/politik/deutschland/cdu-abgeordneter-stellt-elterngeld-infrage-1.2895696
Ich meine, dass es nicht besonders verwunderlich ist, dass man eine steigende Geburtenzahl nicht „kaufen“ kann. Das ist aus meiner Sicht auch gar nicht der entscheidende Punkt beim Elterngeld. Ich halte es eher für einen Beitrag zur ausgleichenden Gerechtigkeit. Wer sich für Kinder entscheidet, hat schlicht sinkende Einnahmen (durch Verdienstausfall), steigende Kosten (durch eine weitere Person im Haushalt) und eine enorme zusätzliche Zeitbelastung (durch Erziehung und Versorgung). Damit sinkt der Lebensstandard aller, die sich, gesellschaftlich und wirtschaftlich höchst relevant, auf das Abenteuer Familie einlassen. Ich finde, da darf man ruhig gesellschaftlich einen finanziellen Lastenausgleich vornehmen, selbst wenn dadurch nicht die Geburtenzahlen steigen.
Entscheidender wird wahrscheinlich für die Geburtenzahl aber die Frage sein, welche soziale Anerkennung Väter und Mütter für ihre Fa ...
» Artikel weiterlesen
“Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört!”, so heißt es bei Jona 3,4. Die Ankündigung der Katastrophe hat eine breite biblische Tradition und hat oft mit dem (schlechten) Handeln der Menschen zu tun. Inzwischen scheint aber die apokalyptische Rede eine säkulare Schwester bekommen zu haben. Jedenfalls ging mir das durch den Kopf, als ich die Berichte über die neuesten Prognosen des Club of Rome gelesen habe. Mit ziemlich apokalyptischem Zungenschlag zum Beispiel hier:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/bericht-an-den-club-of-rome-wir-werden-einen-kollaps-erleben-1.1351454
Ich finde es bemerkenswert, dass es durchaus Nähen zur religiösen Tradition gibt. Schon der Zeitraum 40 Jahre ist ja biblisch. Die Themen „Umgang mit Ressourcen“ (Schöpfung), „Leid“, „Umkehr“, „Maß“ (Maßlosigkeit), „Gerechtigkeit“ (der Generationen) haben ebenfalls eine religiöse Aufladung, wie auch das kritisierte „Wachstums-Credo“.
Bei Jona heißt es weiter: „Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus, und alle, groß und klein, zogen Bußgewänder an.“
Danach sieht es im Augenblick allerdings nicht aus. ...
» Artikel weiterlesen
In den letzten Jahren höre ich von meinen Mitarbeitern, die unmittelbar mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, immer öfter die Klage über die knapper werdende Zeit unserer Zielgruppen. Schulzeitverkürzung, Ganztagsschule, Bologna-Prozess an den Hochschulen sind die Stichworte in diesem Zusammenhang. Selbst unserem Kultusminister scheint zu schwanen, dass hier etwas nicht stimmt, so dass er wenigstens die Hausaufgabenzeiten beschränke will. Nachzulesen zum Beispiel hier:
http://www.haz.de/Nachrichten/Wissen/Uebersicht/Weniger-Hausaufgaben-fuer-Niedersachsens-Schueler
Wozu führt es, wenn die Schulzeit verkürzt, der Unterricht bis weit in den Nachmittag ausgeweitet, die Studienzeiten reglementiert werden?
Die Kinder müssen bereits anfangen, mit der Zeit zu haushalten. Geht neben Schule noch Sport und Musik? Oder Sport und Gruppenstunde? Die Leistungsfähigen bekommen das noch einigermaßen hin.
Für die Jugendlichen reicht aber die schulisch belegte Zeit so weit in den Nachmittag, dass es organisatorisch immer schwieriger wird, z.B. Gruppenleiterin einer kirchlichen Kindergruppe oder Trainer einer Fußballmannschaft zu sein. Gymnasiasten sind zudem ein Jahr früher aus der Schule und damit oft auch aus dem Ort/Dorf raus.
An der Uni oder der Hochschule geht das Ganze nun weiter. Bachelor- und Masterstudiengänge sind so durchstrukturiert, dass ein Engagement jenseits des Studiums kaum noch möglich ist. Das merken wir in unseren Schulungsteams und bei den nebenamtlichen Teams in den Bildungshäusern, in denen vo ...
» Artikel weiterlesen
Jetzt, am Rosenmontag nach der denkwürdigen Hauruckkür des Bundespräsidentenkandidaten, stellt sich mir doch die Frage: Gibt es eigentlich noch andere Personalvorschläge für die Spitzenpositionen in diesem unserem Lande als evangelische Pfarrer oder Pfarrerinnen wie Gauck, Huber, Käsmann und Konsorten? Aber gut, was will man erwarten bei einer evangelischen Pfarrerstochter an der Macht? Da wird mir als Katholik ja ganz schwindelig. Dabei hätte man doch nun wirklich mal einen kurzen Moment innehalten können. Dann wäre man wahrscheinlich auch auf ganz andere Möglichkeiten gekommen.
Zum Beispiel Franz Beckenbauer, als Bayer wahrscheinlich katholisch. Berufserfahrung als Kaiser hat er bereits sammeln können, die Ersatzfunktion des Bundespräsidenten hätte also genau zu ihm gepasst.
Oder Otto Rehagel! Wer die Griechen zu Europameistern machen kann, dem ist einfach alles zuzutrauen. Wohin es mit den Griechen ohne Otto gekommen ist, sieht man ja. Stattdessen muss er jetzt die Hauptstadtmannschaft vor dem Abstieg bewahren.
Pater Anselm Grün wäre auch eine katholische Alternative gewesen. Vorträge halten kann er, auf Katholikentagen muss er eh immer auftreten und wirtschaftswissenschaftliche Kompetenz bringt er auch noch mit.
Oder Thomas Gottschalk! Den kennt jeder, der war Messdiener, er wird allgemein akzeptiert und er könnte ohne Gesichtsverlust sein jüngstes Experiment im Fernsehen beenden.
Na ja, alles Männer. Mal überlegen. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin konnte sie schließlich schon. Oder Heidi Klum, das wäre mal ein ganz anderes Bild von Deutschland – oder ist die noch zu jung? Dann eben Mut ...
» Artikel weiterlesen