Resilienz und Spiritualität – Kraftquellen meiner Arbeit
So lautete das Thema, mit dem wir uns auf einem Studientag im Ki-Ta- Team auseinandergesetzt haben. Nach einer Definition von Hellgard Rauh ist eine resiliente Person in der Lage, in schwierigen und bedrohlichen Situationen Ressourcen zu aktivieren, die entweder in ihr selbst liegen und/oder in ihrer sozialen und sozial-emotionalen Interaktion mit nahen Bezugspersonen zu finden sind und die im weiteren Kontext liegen.
Das Thema war deshalb so spannend, weil es bei uns selbst ansetzte, an der eigenen Biographie, an der derzeigen persönlichen Lebenssituation und an den privaten und beruflichen Beziehungen zu anderen Menschen. Wir haben Anregungen erhalten, die Selbstentwicklung durch eigene Ressourcen zu entdecken und zu aktivieren, z.B. durch Fragestellungen:
- wo liegen meine Stärken, was kann ich gut…
- was läuft bei mir alles gut, was kann so bleiben…
- welche Fähigkeiten können mir helfen, wie kann ich sie weiterentwickeln…
- wer hilft mir, mich zu unterstützen…
Die Spiritualität bietet dabei stabilisierende Elemente. In den Fragen und Sichtweisen der Kinder können wir Spiritualität finden und mit ihnen darüber ins Gespräch kommen. Eine geistige und seelische Beheimatung kann uns zu verantwortungsbewusstem Handeln führen und unsere Identität und die der Kinder stabilisieren.
Dieser Tag war so angefüllt mit bestärkenden Anstößen, dass untereinander im Team eine mutmachende Atmosphäre der Verbundenheit spürbar war. So gehen wir gestärkt und mit voller Kraft ins neue Jahr. Wir dürfen gespannt sein auf der Suche nach neuen Wegen miteinander und gemeinsam mit den Kindern und ihren Familien. Lassen wir sie teilhaben an einem Vertrauen in das Leben und an die Potenziale, die in jedem einzelnen Menschen liegen!
“Vergesslicher Engel” von Paul Klee
“Ich verkünde euch eine große Freude” Lukas 2,10.
Diesem Engel von Paul Klee traut man zunächst nicht zu, eine frohe Botschaft zu verkünden. Warum vergesslicher Engel? Was hat er vergessen? Will er etwas vergessen? Er mag nicht ganz hinein passen, in diese schöne Zeit voll Lichterglanz, Jubel und Frohlocken. Doch gerade an Weihnachten werden bei vielen Menschen Sorgen und Ängste laut. So manch eine Familie bemüht sich um Harmonie. Die Erwartungen sind hoch, doch vieles will einfach nicht gelingen und endet im Streit. Manch einer denkt in dieser Zeit an einen verstorbenen Menschen, der das vergangene Weihnachtsfest noch mitgfeiert hat. Auch Sorgen wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Einsamkeit… können an Weihnachten besonders spürbar werden.
Jesus ist damals aber nicht in eine perfekte Welt hinein geboren. Maria und Josef hatten eine beschwerliche Reise hinter sich. Die Herbergssuche und die Geburt im Stall ließ sie bestimmt fast verzweifeln und mit der anschließenden Flucht ging die Anstrengung weiter. Sorgen und Nöte erledigen sich nicht an Weihnachten. Damals nicht und heute nicht.
Aber Weihnachten kann etwas in uns auslösen - wir können uns berühren lassen von der frohen Botschaft, von Gott, der seinen Sohn in die Welt gesandt hat. Mit der Menschwerdung Gottes entsteht eine Hoffnung. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Jesus Christus uns zu jeder Zeit nahe ist und uns begleitet. Sieht man sich nun den Engel etwas genauer an, kann man entdecken, dass er lächelt. Er trägt das Geheimnis der Weihnachtsbotschaft in sich. Und damit wird er glaubwürdig und kann uns ganz leise anstecken, mit seiner Botschaft:
“Ich verkünde euch eine große Freude” Lukas 2,10
Ein schöner Brauch im Advent ist das tägliche Öffnen eines Adventskalenders. Nicht nur Kinder finden es spannend, sich jeden Tag mit einer Süßigkeit oder einem anregenden Impuls überraschen zu lassen – und gleichzeitig das Warten auf Weihnachten bewusster zu gestalten.
Schaut doch mal in den Adventskalender auf der Homepage des Bistums Osnabrück rein! An einigen Tagen haben Kinder unserer Kindertagesstätte bei einem Ratespiel mitgewirkt. Sie hatten die Aufgabe, adventliche Begriffe zu umschreiben, die dann geraten werden müssen.
Für vier bis fünfjährige Kinder eine große Herausforderung, denn die Beiträge wurden schon Anfang November aufgenommen. In einer Zeit, in der diese Dinge in der Lebenswelt der Kinder noch gar nicht so präsent waren. Themen waren da St. Martin, Laterne laufen, Wind und Herbstlaub. Die Erklärungen beruhen also auf Erlebnisse, die für sie fast ein Jahr zurückliegen. Um so überraschter bin ich über die Ergebnisse.
Also, es lohnt sich, dort mal ein Türchen zu öffnen. Ihr bekommt viele schöne Impulse für die Adventszeit – und vielleicht auch noch einen Preis für einen geratenen Gegenstand.

Direkt neben unserer Kindertagesstätte befindet sich der Pfarrgarten. Dort hat der Pastor einen Hühnerstall, der den Kindern viele Anlässe zu unterschiedlichen Beobachtungen bietet.
Neulich machten sie sich Gedanken, in welcher Sprache sich die Hühner wohl unterhalten. In unserer Einrichtung sprechen die Kinder über zehn verschiedene Sprachen und es sind nicht wenige, die Deutsch als Zweitsprache bei uns lernen.
“Welche Sprache sprechen eigentlich Hühner?” diese Frage hat eine richtige Diskussion ausgelöst. Mathis meinte, sie haben vielleicht ihre eigene Sprache. Amelie war der Überzeugung, dass sie Deutsch sprechen, denn schließlich kommt der Pastor jeden Morgen und begrüßt die Hühner vielleicht mit den Worten: “Kommt her, ich bringe euch Futter, habt ihr schon ein Ei gelegt?” Daraufhin stellte sich Arthur ganz nah an den Zaun und begann unermüdlich und und mit lauter Stimme auf russisch mit den Hühnern zu reden. Ob die Hühner ihn verstehen konnten? Die Kinder zeigen immer wieder, dass man sich verstehen kann, ohne die jeweilige andere Sprache zu sprechen.
Diese Begebenheit muss ich mir unbedingt merken, wenn wir im nächsten Jahr mit den Kindern die Pfingstbotschaft erarbeiten: “…und sie begannen zu predigen, jeder in einer anderen Sprache. Das sprach sich schnell herum und viele Leute hörten die Jünger sprechen…”
Kürzlich habe ich den Text geschenkt bekommen: “Was du von deinem Hund lernen kannst”. Er gibt Anregungen, mit einer anderen Sichtweise auf das Leben zu schauen: “Lass das Gefühl von frischer Luft und Wind auf deinem Gesicht immer Grund sein für ein ekstatisches Glücksgefühl, beiß nicht, wenn es ausreicht zu knurren, lass es andere wissen, wenn sie in dein Revier eingedrungen sind…” usw. Ich mag Texte und Geschichten, die die Funktion haben, auf etwas hinzuweisen. Ihre Inhalte können gleichzeitig tiefgründig und mit Humor Antworten auf Fragen geben – und das auf eine ganz kurzweilige Art.
Aber ich habe keinen Hund!
Keinen Hund, aber die Möglichkeit Kinder jeden Tag zu beobachten und durch ihre Originalität zu lernen. Ihre Phantasie und Kreativität haben einen Wert, den ich für Selbstcoaching nutzen kann:
- Kinder sehen das Leben aus einer anderen Perspektive und haben einen Blick für Kleinigkeiten.
- Kinder geben sofort ein Feedback und sind ehrlich in ihren Aussagen. Sie sagen arglos die Wahrheit und halten mir oft einen Spiegel vor.
- Kinder gehen vorurteilsfrei auf andere zu.
- Kinder haben oft keinen Plan und probieren einfach etwas aus. “Das gibt es nicht” kommt selten vor.
- Kinder sind frei in der Erforschung ihrer Möglichkeiten, sie denken visionär.
- Kinder wechseln unentwegt ihre Rollen und können problemlos ihren Blickwinkel ändern.
- Kinder sind eins mit sich und der Welt.
- Kinder drücken ihren Spaß aus. Sie führen ein leidenschaftliches Leben und vermögen mich anzustecken.
Kinder versuchen ständig, Grenzen zu überwinden. Das hilft mir, eigene Denk- und Handlungsmuster zu durchbrechen. Durch ihre besondere Sicht auf die Dinge und die Welt geben sie Anregungen zum Nachdenken. Sie fragen nach Gott ohne Erfurcht und stellen Fragen, die mich in Kontakt mit der Vielfältigkeit meines Glaubens bringen. Das alles wirkt sich gewinnbringend auf meine eigene Spiritualität und Weiterentwicklung aus.
Also, welch ein Glück, dem der Kontakt mit Kindern hat – oder mit einem Hund.
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