Lange liegt mein letztes ,Lebenszeichen‘ zurück. Umso dankbarer bin ich für alle treue Aufmerksamkeit, die ich manchmal schriftlich, oft aber mündlich für meine Eintragungen erfahre.
„Eucharistischer Kongress“ in Köln: Ein kompliziertes Wort für eine sehr beeindruckende Veranstaltung, die ich jetzt fünf Tage lang als Glaubensfest erleben durfte. Intensive Feiern der Gegenwart Gottes in unserer Mitte wechselten mit Vorträgen und Begegnungen in Gruppen und mit vielen Einzelnen. Von verschiedenen Formen des Gebets und der Anbetung über tiefgehende Gespräche bis hin zu frohen Feiern oder Stille in den großen Kirchen Kölns konnten alle Generationen etwas finden zur Ermutigung ihres Glaubens.
Die abendliche Lichtprojektion im Dom „Lux eucharistica“ mit jeweils tausenden von Menschen verwandelte das alte Gotteshaus in einen Spiegel der Urelemente von Leben: Wasser, Feuer, Musik, Wort, Zeichen der Liebe. Aufnahmen von zehntausenden Vorhängeschlössern, die Verliebte an der Hohenzollern-Brücke befestigt haben, wurden in die gesamte Kathedrale eingebracht zu einer Erfahrung der Kostbarkeit von Vertrauen, Glaube, Hoffnung, Liebe. Und die ungezählten an die Säulen und Wände geworfenen Noten in Verbindung mit Orgelmusik zeigten, dass solche Architektur steingewordene Musik ist. Das alles für das kleine Stück Brot und den Schluck Wein, von denen Jesus sagt: „Das bin ich für euch und für immer.“
Die Stille Anbetung in der Himmelfahrtskirche – rund um die Uhr von Menschen aller Generationen besucht – war ein schweigendes und doch sehr beredtes Zeichen des DA-Seins Gottes. „Da drinnen ist ja nichts los“ ...
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Um 4 Uhr morgens vom Muezzin, von 100 Hähnen und Kirchenglocken geweckt zu werden, das gibt es wohl nur auf Flores in Indonesien. Von den muslimischen Gebieten mit dem vielfältigen Einsatz der Thuiner Ordensschwestern auf Java und Sumatra flogen wir dorthin. Flores ist eine katholische Insel, von portugiesischen Jesuiten missioniert und später von Steyler Missionaren im Glauben gefestigt.
Ein überwältigender Empfang schon auf der Rollbahn des Flughafens mit Tänzen und einheimischen Riten. Unser Auto war mit Blumen und der Vatikanstandarte geschmückt und wurde hochoffiziell eskortiert. So erreichten wir unser Ziel in der Pfarrei eines Missionars aus meinem Heimatort Etteln, der schon über 40 Jahre auf Flores tätig ist. Kindergärten, Schulen, Kirchen – vieles hat er in den kleinen Orten gebaut mit guter Hilfe aus der Heimat. Erdbeben, Stürme, Hochwasser, sengende Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit wirken schnell zerstörerisch, aber immer wieder beginnen die Menschen von neuem ihr Werk. Ein Ausflug zum berühmten Berg Kelimutu mit drei verschiedenfarbigen Kraterseen und vielen Affen und eine Fahrt in die entgegengesetzte Richtung, nach Osten, haben uns weitere Einblicke in Geschichte und Gegenwart gegeben. Besonders beeindruckt hat mich eine Kirche der Jesuiten, in der ein Kreuz aus dem 16. Jahrhundert aufbewahrt wird, das an die Anfänge der Christianisierung erinnert und wie eine Reliquie verehrt wird.
In den vielen Niederlassungen der Thuiner Schwestern und der Steyler Patres immer wieder auf die Bilder zweier Menschen aus unserem Bistum Osnabrück zu treffen, hat mich angerührt: die Portraits der Generaloberin Schweste ...
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Nach langer Zeit ein Lebenszeichen. Ich bin wieder im Lande. Am Ostermontag war ich nach Indonesien abgereist, in ein Inselreich, das über 240 Millionen Einwohner zählt. Und das auf einer Fläche von fast europäischer Größe in einer Mischung von Kulturen, die ihresgleichen sucht.
Mein Besuch galt einer Reihe von Konventen und Einrichtungen der Franziskanerinnen von Thuine. In Indonesien leben 230 einheimische und zwei deutsche "Thuiner Schwestern" in 31 Konventen. Es sind überwiegend junge Frauen, die sich voll einsetzen in Schulen, Exerzitienhäusern, Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen. Das ist schon beeindruckend. Ein Orden, der wie viele andere in Deutschland kleiner wird und dort wächst. Katholische Kirche als Weltkirche ist so Ermutigung und Herausforderung für die Kirche in unseren Breiten.
In Indonesien wird das Miteinander der Religionen gepflegt. In Jakarta stehen sich Kathedrale und Moschee gegenüber. Man nutzt an großen Feiertagen die Parkplätze der Gotteshäuser gemeinsam. Die gute Nachbarschaft funktioniert vielfältig. Aber die Ausbreitung fundamentalistischer Gruppen ist nicht ungefährlich. Während der Bau von Moscheen problemlos ist – und es werden viele Moscheen gebaut –, ist der Bau von Kirchen oft sehr schwierig bis fast unmöglich.
Anders als etwa Java oder Sumatra ist die Insel Flores (eine der über 12 000 Inseln Indonesiens, von denen über 6000 bewohnt sind) katholisch geprägt. Dort habe ich einen Steyler Missionar besucht, der schon über 40 Jahre glaubwürdig mit den einfachen Menschen zusammenlebt und für sie da ist. Die Leistung der Steyler Missionare ist immens gem ...
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Überraschung! Die ersten Schritte des neuen Bischofs von Rom lassen die Kirche und die Welt aufmerken. Er nennt sich Franziskus und knüpft an einen Erneuerer der Kirche an, der wie kaum ein anderer nachhaltige Spuren hinterlassen hat: Franz von Assisi. Er war von Gott beauftragt, die Kirche wieder aufzubauen. Er war geprägt von Armut und Einfachheit, ein lebendiges Evangelium mit weltweiter Wirkung für den Weg der Kirche und der Geschichte.
Der neue „Petrus“ Franziskus (ohne Ordnungszahl!), geschult als Jesuit, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden – besonders im notleidenden Menschen –, wird noch für weitere Überraschungen und Herausforderungen sorgen. Wer nur darauf schaut, wie er mit den bei uns immer wieder gestellten innerkirchlichen Fragen umgeht, greift zu kurz. Denn der Papst steht für eine Kirche der Einfachheit und der Barmherzigkeit auf Augenhöhe mit den Menschen und in Dialogbereitschaft. Auch in diesem Klima sind all die Fragen nicht schlagartig zu beantworten. Wer das meint, würde den Papst maßlos überfordern. Aber in diesem Klima ist vieles neu und anders anzusprechen und zu diskutieren als in einem Klima des Argwohns und des Misstrauens.
In vielen Gesten und Worten und in der Art, sich zu geben, hat der neue Bischof von Rom – so nennt er sich meistens – gezeigt, dass er einen neuen Stil des Petrusdienstes will, um die Menschen zum Glauben, Hoffen und Lieben zu ermutigen. Vielleicht war erst der überraschende und mutige Schritt seines Vorgängers Benedikt notwendig, um die Kardinäle zu einer solchen Wahl zu bewegen, die dem Geist Gottes Raum gegeben hat für eine neue Weite. Freilich w ...
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Spannende Zeiten in der Kirchengeschichte! Zum zweiten Mal in 2000 Jahren zieht sich ein Papst in die Verborgenheit zurück. Ein demütiger und mutiger Schritt. Die Kirche und die Welt halten für einen Moment den Atem an, um sich dann schnell in die unterschiedlichen Bewertungen der Person und des Dienstes Benedikts XVI. zu stürzen. Und in allem wächst eine fast messianische Übererwartung an den neuen Papst.
Jeden Tag bekomme ich Briefe und E-Mails, die sagen, wie „der Neue“ sein soll, damit jetzt „die entscheidende Wende der Kirche“ geschehen kann. In solchen Zeiten gilt vielleicht besonders die Mahnung des Apostels Paulus, „besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben“ (Tit 2,12). Besonnen in der guten Balance von Nüchternheit, Leidenschaft und Hoffnung; gerecht in den Urteilen über die Lage der Kirche und die Person des Papstes, abgewogen, differenziert und selbstkritisch; fromm in der Gelassenheit eines Menschen, der darauf vertraut, dass nicht der Papst, sondern Christus selbst, ja der dreieinige Gott selbst der Herr der Kirche ist, wie menschlich und sündig die Menschen in ihr auch daherkommen mögen.
Fromm auch in dem Bemühen, sich nicht nur den Mund über alles Mögliche der Vergangenheit zu zerreißen und schon heute Urteile über die Zukunft zu fällen, sondern sich einfach und schlicht jetzt, in dieser Gegenwart einer zerrissenen Welt, einer angefochtenen Kirche und einer Unmenge persönlicher Krisen, vor Gott zu stellen und zu beten. Zu beten um alle Gaben des Heilligen Geistes gerade auch für das bevorstehende Konklave zur Papstwahl und den weiteren Weg der Kirche.
Es nutzt nichts, ein St ...
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Lange habe ich nichts von mir hören lassen. Das begonnene Jahr fordert schon wieder sehr heraus. Wir taumeln in der Kirche von einem umstrittenen Thema ins andere.
Da ist die tief beeindruckende Rücktrittserklärung des Papstes von ganz anderer Dimension. Sie hat mich auf eigene Weise sehr bewegt, weil ich Joseph Ratzinger seit über 40 Jahren kenne und schätze. Seine historische Entscheidung liegt voll auf der Linie seiner theologischen und spirituellen Persönlichkeit. Vielleicht hat mancher ihm diesen mutigen Schritt nicht zugetraut. Er zeigt, dass Benedikt XVI. seine Person zurücknehmen und das hohe und verantwortungsvolle Amt einem neuen Papst überlassen kann.
Gerne erinnere ich mich an eindrucksvolle Begegnungen mit Papst Benedikt. Vor zwei Jahren hatten wir sogar ein dreistündiges Gespräch über den Dialogprozess in Deutschland. Zuletzt begegneten wir uns bei der Bischofssynode in Rom im Oktober 2012.
Wer wird auf ihn folgen? Die Spekulationen schießen ins Kraut. Entscheidend ist, dass der Nachfolger mit Mut, Kraft, Zuversicht und Gelassenheit „seine Brüder und Schwestern stärkt“ (Lk 22,32) und sie in einer Einheit in Vielfalt zusammenhält. Dann sind die Herkunft und Nationalität zweitrangig.
Der neue Papst wird das Zweite Vatikanische Konzil selbst nicht miterlebt haben. Aber nur in der Spur dieses Konzils werden wir mit ihm die Zukunft gestalten können. „Wir sind Papst“ hieß es vor acht Jahren, als Papst Benedikt gewählt war. Jetzt sind wir alle dran, Gott um einen guten neuen Papst zu bitten – gerade in diesen turbulenten Zeiten. ...
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Schon fast zwei Monate liegt die Weltbischofssynode hinter mir. Nach der sonnigen Wärme Roms habe ich noch einen Zwischenstopp in der Schweiz eingelegt bei über 30 Zentimeter Schnee, um dann heil und mit einem Koffer voller Erfahrungen heimzukehren. Dann hat der Alltag mit vielem Liegengebliebenen – 24 Tage war ich weg – mich so beansprucht, dass für bloggen keine Zeit blieb.
So langsam stelle ich mich auf das Weihnachtsfest ein mit den letzten Überlegungen um Geschenke und Briefe für gute Bekannte und Freunde. Die großen Predigten sind schon in der vergangenen Woche bei einem kurzen Rückzug in ein Kloster entstanden. Der 4. Adventssonntag kommt mir sehr entgegen, um mich in Ruhe für die kommenden Tage einzustimmen, die mit Besuchen in Krankenhäusern und bei den Wohnungslosen ebenso wie mit den feierlichen Liturgien gefüllt sind. Es bleibt etwas Besonderes und Spannendes um Weihnachten. Freude und Schmerzen ,brennen‘ eben stärker in diesen Tagen.
Um so mehr wünsche ich allen den reichen Segen des menschgewordenen Gottes, vor allem Ermutigung, Gesundheit und neue Kraft für das bald beginnende Neue Jahr 2013. Da der ,Weltuntergang‘ am 21. Dezember ausgeblieben ist, können wir uns so den neuen Aufgaben des Jahres getrost stellen. Bis dahin! ...
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