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theo paul

Zwei Geistesgrößen im Dialog

Montag, 07. März 2016 von theo paul
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„Am Freitag, den 19. Februar, ist der bekannte Schriftsteller Umberto Eco im Alter von 84 Jahren gestorben. Es ist unter anderem der Verfasser des Weltbestsellers ,Der Name der Rose‘.“ Nach dieser Meldung bin ich zu meinem Bücherregal gegangen, um noch einmal in einem Buch zu stöbern, das 1995 erschienen ist.

Es ist ein Briefwechsel von Umberto Eco und dem damaligen Mailänder Kardinal Carlo Maria Martini (1927-2012). Ihren Dialog über die Frage “Woran glaubt, wer nicht glaubt?“ trugen der Kirchenmann und der Schriftsteller öffentlich in der Zeitschrift „literal“ aus. Eco bezeichnete sich selbst als Agnostiker, der Gott für nicht erkennbar hält. Diese Haltung war für ihn mit Selbstkritik verbunden. Nicht nur der Gläubige kennt Zweifel, auch der sich als Agnostiker verstehende Mensch lebt mit Zweifeln.

Carlo Maria Martini:

Natürlich wünsche ich mir, dass alle Männer und Frauen auf dieser Welt, auch wenn sie nicht an Gott glauben, für ihr Handeln klare ethische Grundlagen haben und sich auch an ihnen orientieren. Ich bin auch überzeugt, dass es viele Menschen gibt, die, zumindest im alltäglichen Leben, richtig handeln, ohne sich auf eine religiöse Begründung des menschlichen Lebens zu beziehen. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die, ohne an einen personalen Gott zu glauben, eher bereit sind, das Leben hinzugeben als von ihren moralischen Überzeugungen abzulassen. Aber ich kann nicht nachvollziehen, welche letzte Rechtfertigung sie ihrem Handeln geben.“ (Carlo Maria Martini/Umberto Eco, Woran glaubt, wer nicht glaubt?, Wien 1998, Seite 75)

Umberto Eco:

Dennoch glaube ich sagen zu können, auf welchen Fundamenten heute meine ,weltliche Religiosität‘ beruht – denn ich bin fest überzeugt, dass es Formen von Religiosität gibt, also Sinn für das Heilige, für die Grenze, für die Infragestellung, die Erwartung, für die Kommunion mit etwas, das uns übertrifft, auch wenn wir nicht an einen personalen vorsorgenden Gott glauben.“ (ebd. Seite 83)

Beide waren Männer, die sich den Herausforderungen der Zeit stellten. Umberto Eco bezog auch zu politischen Themen in Italien eindeutig Stellung. Kardinal Martini war ein Hoffnungsträger für eine geistlich-pastorale Erneuerung der Kirche. Beide gehören jetzt zu den Toten. Werden Sie ihren Dialog fortsetzen? Ist Ihnen der Atem ausgegangen, oder sind sie zu ganz neuem Atem gekommen? Auf jeden Fall haben uns die Verstorbenen in ihrem Buch eine Orientierung für gegenwärtige und zukünftige Kontroversen hinterlassen.

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Dieser Beitrag wurde am Montag, 07. März 2016 um 15:13 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Zukunftsgespräch 2015/16 abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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