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Carolin Hanke

Das Labyrinth als Weg zu Ostern

Donnerstag, 24. März 2016 von Carolin Hanke
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Sind Sie schon einmal ein Labyrinth gegangen? Ich meine keine Irrgärten, sondern ein Labyrinth, wie zum Beispiel das in der Kathedrale von Chartres in Frankreich. Labyrinthe bestehen aus einem einzigen verschlungenen Weg, der auf möglichst langer Strecke von einem Startpunkt zum Ziel führt.

In der Kathedrale von Chartres laufen seit dem 13. Jahrhundert unzählige Besucher das Labyrinth. Viele nehmen sich ganz bewusst Zeit, folgen mit ihren Schritten den vorgezeichneten Linien und lassen ihre Gedanken einfach mitgehen bis sie am Mittelpunkt ankommen. Was für ein schönes Bild – ein Ziel erreichen, dabei einen Fuß vor den anderen setzen und die Gedanken einfach mitziehen lassen. Die Besucher von Chartres nähern sich der Mitte des Labyrinths und entfernen sich ein paar Schritte später wieder ganz weit davon. Und dennoch geht es mit jedem Schritt, der getan wird, voran, immer ein paar Meter mehr.

Für mich steht das sinnbildlich für die Fastenzeit. Wir laufen diese 40 Tage auch auf einen Punkt zu und nähern uns Ostern. Ich schätze, dass viele sich für die Fastenzeit etwas vorgenommen haben, vielleicht einen Verzicht auf einen bestimmten Luxus oder prinzipiell ein bewussteres Leben, mehr Zeit für Familie und Freunde, weniger Handy und PC. Auch das ist ja ein Ziel, dem man sich nicht schnurstracks und nicht auf direktem Weg nähern kann. Das geht nur mit stets neuen Versuchen – im Wechseln von Annäherung und Entfernung, sozusagen auf verschlungenen Wegen. Entscheidend finde ich dabei, auf dem Weg zu bleiben und einen Fuß vor den anderen zu setzen, auch wenn die Bewegung sich immer mal wieder vom Mittelpunkt entfernt. Folgt man dem Labyrinth beständig weiter, dreht sich die Richtung von selbst wieder um. Man kehrt sich wieder auf den Mittelpunkt zu. Am Ende des Labyrinths erwartet jeden Besucher von Chartres, der sich auf den Weg gemacht hat, der Mittelpunkt, das also, wofür jeder die Mühe auf sich genommen hat. Für alle, die sich auf den Fastenweg gemacht haben, wartet Ostern – das größte Geheimnis, das das Christentum zu bieten hat: die Auferstehung.

Im Mittelalter haben die damaligen Mönche von Chartres in der Osternacht auf dem Labyrinth getanzt. Tanzend haben sie sich auf die Auferstehung Jesu zubewegt – 261 Meter und 50 Zentimeter im Takt der Musik. Ob wir uns auch tanzend auf Ostern zubewegen oder ob wir langsam gehen, schleichen oder vielleicht sogar rennen – Ostern erwartet uns!

2 Comments »

  1. Einprägsame Gedanken; das Leben als Labyrinth; hier ist der Weg allerdings nicht das Ziel, sondern soll zum Ziel führen, wenn auch bisweilen mäandernd und im Stil der Echternacher Springprozession.

    Comment: Manfred Strupp – 26. März 2016 @ 09:05

  2. Eine schöne Parallele, die Echternacher Prozession, die ich bis vorhin noch nicht kannte… Danke dafür und hüpfende Grüße!

    Comment: Carolin Hanke – 28. März 2016 @ 11:31

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Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 24. März 2016 um 14:33 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Zukunftsgespräch 2015/16 abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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