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bernd overhoff

„Aufatmen“ auf der Straße

Donnerstag, 17. März 2016 von bernd overhoff
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Ein leckereres Essen: Eintopf, zum Nachtisch Pudding und zum Abschluss einen Kaffee mit ein paar guten Keksen. Das Ganze in geselliger Runde, und danach ein kleines Nickerchen. Das hört sich für mich nach viel Lebensqualität an.

Genau das erlebe ich gerade in der Suppenküche der Franziskaner in Berlin-Pankow, wo ich für einige Wochen meiner Auszeit als ehrenamtlicher Helfer angeheuert habe. Unsere Gäste (Obdachlose und Bedürftige) bekommen hier einen deftigen Eintopf, ein Butterbrot, ein Heißgetränk und, je nach dem, was wir so gespendet bekommen haben, noch ein paar Kekse, einen Salat, Apfelmus, Obstsalat oder Eis. Und nicht wenige legen nach dem Essen für eine Viertelstunde den Kopf auf den Tisch für ein kleines Mittagsschläfchen. 200 bis 400 Personen kommen Mittag für Mittag. Für unsere Gäste eine Zeit des Aufatmens in ihrem Alltag: Aufatmen im Warmen, mit einem gefüllten Magen.

Im Zukunftsgespräch unseres Bistums sprechen wir viel von Entschleunigung und „sich Zeit nehmen“. Die Menschen auf der Straße haben Zeit, viel Zeit – häufig mehr als ihnen lieb ist. Dafür fehlt ihnen vieles andere. „Zu Atem kommen“ heißt deshalb für unsere Gäste wohl etwas ganz anderes.

„Damit sie zu Atem kommen“: Hier in der Suppenküche engagieren sich viele dafür mit Blick auf unsere Gäste. Dabei geht es nicht nur um Essen, Duschen und Kleidung (neben der Suppenküche gibt es auch eine Hygienestation und eine Kleiderkammer). Es geht auch darum, dass unsere Gäste für ein paar Stunden die Straße verlassen können. Gerade morgens kommen schon viele, um Bekannte zu treffen, sich zu unterhalten, Mensch-ärgere-Dich-nicht zu spielen und gemeinsam auf das Mittagessen zu warten.

Auf der Straße werden unsere Gäste häufig ignoriert. Viele Menschen gucken bewusst weg, wenn ein Obdachloser sie um etwas Essen oder Geld bittet. Und so heißt „Zu Atem kommen“ für unsere Gäste wohl auch, mal wieder „als Mensch“ wahrgenommen zu werden – durch ein freundliches Lächeln, ein herzliches Willkommen und den Wunsch: „Lassen Sie es sich schmecken!“

P.S.: Hier können Sie die Suppenküche online besuchen: http://www.pankow.franziskaner.de/Suppenkueche.707.0.html

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Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 17. März 2016 um 14:27 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Zukunftsgespräch 2015/16 abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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