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katharina abeln

24 Stunden Atem holen

Freitag, 05. Februar 2016 von katharina abeln
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„24 Stunden Atem holen“: Unter diesem Motto habe ich mich im Januar mit 16 Personen unterschiedlichen Alters und Motivation im Exerzitienhaus in Ahmsen eingefunden.
24 Stunden Atem holen! Von Freitag 17h bis Samstag 17h. Eutonie, Gebet, Gesang, Tanz, Meditation.
24 Stunden Gespräche, Begegnung, Innehalten.

Ankommen und atemlos sein

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Referentinnen Johanna Merkt und Carmen Wessel wurde die Gruppe direkt zum Tanz aufgefordert. In den Gesichtern manch eines Teilnehmers pures Entsetzen: Kreistanz auf Socken! Nur das nicht! Eine nicht enden wollende Ankündigung der Schrittfolge verstärkte den ersten Schock: 16 Schritte links, 16 Schritte rechts, 8 vor, 8 zurück, Wiederholung, Arme nach oben, Drehung rechts und links, … – Wer soll sich das nur merken? Dann die Erfahrung, dass Musik und die Gruppe tragen und die Schrittfolgen sich ganz automatisch einstellen. Der Tanz nimmt die Anspannung und Unsicherheit des Ankommens und gibt, nachdem man einen gemeinsamen Rhythmus gefunden hat, Ruhe; er ermöglicht ein erstes Wahrnehmen der Gruppe.

Abschalten und durchatmen

Schön gemütlich: Socken und Decke zur Meditation Schön gemütlich: Socken und Decke zur Meditation

Gut gestärkt durch die fantastische Küche in Ahmsen, folgte eine erste Einführung in die Eutonie – eine Form der Entspannung und der Körperwahrnehmung. Eigentlich war ich mit meinen Gedanken noch ganz im Alltag und im Beruf, an Entspannung auf Knopfdruck also gar nicht zu denken. Umso erstaunlicher, dass durch einfache Übungen zur Körperwahrnehmung und durch eine ruhige und meditative sprachliche Anleitung das Gedankenkarussell für einen Moment zum Stillstand kommt. Eine Decke, dicke Socken, mehr braucht es nicht. Und so mischten sich in das wohltuende Anmoderieren schon nach kürzester Zeit auch dezente Schlafgeräusche.

Abschließen und Atem schöpfen

Der Abend wurde in der Kapelle mit dem ignatianischen Gebet der „Liebenden Aufmerksamkeit“ beschlossen. Den Tag Revue passieren lassen, „Tagesschau“ halten. Mit einem liebevollen Blick das Tun und Lassen ansehen, vor Gott bringen und abschließen. Sich den belebenden Atem schenken lassen! Für uns Teilnehmer ging der Abend allerdings noch gemütlich weiter. Mit einem Gläschen Wein, Gitarrenspiel, Gesang und vielen guten Gesprächen. Auch das, einfach „Atem holen“ – sich auf neue Menschen einlassen, neue Sicht- und Lebensweisen erleben und Begegnung erfahren.

Aufbrechen und beatmet werden

Samstag: Es hat geschneit! Unfassbar! Eine weiße Decke zieht sich über Haus und Garten. Nach einer Morgenmeditation in der Kapelle und dem anschließenden Frühstück Planänderung: Standortbestimmung im Schnee! Wie bin ich jetzt hier, was nehme ich wahr? Und danach 20 Minuten zum Nachklingen lassen – los geht’s, Schneemann bauen! Auch wenn das Vergessen der Handschuhe sich nachher gerächt hat, es war herrlich! Ich hatte eine unfassbare kindliche Freude in mir. Diese Ausgelassenheit hat mir in diesem Moment eine unglaubliche Freiheit gegeben – Atem holen, ganz lebendig und einfach! Aus dem Schneemann ist dann eine Frau geworden, passt irgendwie besser zum Haus.

 

Anhalten und Atem spüren

Mit eiskalten Händen folgte dann der zweite inhaltliche Block im Warmen. Der Psalm 63: „Gott, du mein Gott, dich suche ich.“ Welches Wort spricht mich an? Zu welchem Vers zieht es mich hin? Über den Psalm, über Gott, über den eigenen Glauben miteinander ins Gespräch kommen. Wo dürfen und können wir dies im. An diesem Wochenende wurde uns dieser Raum geschenkt. Die eigene Sehnsucht, das Fragen nach Gott darf zur Sprache gebracht oder auch einfach sprachlos ausgehalten werden. Mit einem anschließenden Mittagsgebet ging es dann ins Mittagsschweigen. Die Gedanken nachklingen lassen, die eigenen Sinne schärfen und bewusst wahrnehmen, sich nur auf sich konzentrieren, innehalten dürfen, schweigen.

Aufnehmen und den Atem strömen lassen

Einfach zur Ruhe kommen, auch im Gebet (alle Bilder: privat)

Einfach zur Ruhe kommen, auch im Gebet (alle Bilder: privat)

Am Nachmittag noch einmal durch die Eutonieübungen den eigenen Körper wahrnehmen, den Kontakt zum Boden spüren, sich erden lassen. Ich wäre am liebsten liegen geblieben, aber die Küche hat diesen Wunsch mit Kaffee und Kuchen verlockend unterdrückt. Und eine letzte Runde „Atem holen“ mit Tanz, Gesang und einer eigenen Standortbestimmung.

Im Gebet, im Gesang, in der Meditation und in den Menschen war der Atem Gottes für mich wie ein sanfter Windhauch spürbar. Ich fahre frisch beatmet nach Hause. 24 Stunden Atem holen. Eine geschenkte Zeit!

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Dieser Beitrag wurde am Freitag, 05. Februar 2016 um 11:56 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Zukunftsgespräch 2015/16 abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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