„WANN müssen wir aufstehen?“ „Ähm, nun ja, äh, also da unser Bus um 4 Uhr 35 abfährt, werden wir also um 3 Uhr und ein paar kaputte aufstehen müssen“ Die letzten Worte aus meinen Mund waren eher ein Flüstern. Wer sagt schon gerne einer Truppe Teenis eine so unchristliche Uhrzeit an. Aber sie nahmen es mit Humor. Ließ sich ja eh nicht ändern.
So machten sich alle unsere Ministranten zum Wallfahrten auf. Aber nicht mal eben so, sondern wieder mit logistischen und physischen Höchstleistungen. Am Samstag, 17. Juni, sollte die 2. Nordwestdeutsche Ministrantenwallfahrt stattfinden und wir wollten unbedingt dabei sein. Nur mussten wir uns schon am Freitagabend auf den Weg nach Aurich machen, wo in der Frühe der Bus Richtung Kevelaer starten sollte. Nach Abendbrot und Bettbeziehen war es schon kurz vor Mitternacht. Okay, 3 Stunden Schlaf müssen für Betreuer ausreichen. Überhaupt wird Schlaf viel zu hoch bewertet für Menschen ab 35. Um drei Uhr wachte ich mit überraschend guter Laune auf, meine Minis wollten mich am liebsten erschlagen, als ich laut singend über die Gänge tanzte, um alle zu wecken.
Egal, hauptsache wir haben den Bus erreicht. Der fuhr uns sicher nach Winnekendonk, einem kleinen Ort im Nirgendwo, in dem sich sämtliche teilnehmenden Ministranten des Bistums Osnabrück trafen. Einschließlich unseres Ober-Ministranten Bischof Bode. Es war wie ein großes Familientreffen, denn mittlerweile kannte und erkannte man viele Gesichter. Auch Blogger dieser Seiten, die sich als Toningenieure versuchten.
Nach einer kurzen Andacht pilgerten wir los, fröhlich singend und genießend, dass der Himmel die Schleusen geschlossen hielt (noch). Beeindruckend, die lange Gruppe zu sehen – allein 1000 Ministranten aus unseren Bistums. Noch beeindruckender war unser Einzug in Kevelaer. Unter Glockengeläut trafen die anderen 11 000 Ministranten aus elf Bistümern mit uns ein und begannen gemeinsam mit dem Mittagsgebet. 
Für uns Ministranten aus der tiefsten Diaspora war es ein wunderbares Gefühl, zu dieser bunten Familie dazu zu gehören. Es war für uns ein großes Fest, mit so vielen Möglichkeiten, Neues kennenzulernen, viele neue Freunde zu finden, sein Herz zu teilen und einfach die Gemeinsamkeit zu genießen.
Am Ende des Tages freuten wir uns auf den großen Abschlussgottesdienstes, natürlich Open-Air. Doch dann brach der Regen los und zwar gnadenlos. Nach Minuten waren wir und unsere Sachen durchnässt. Aber es war nicht schlimm und tat unserer brillianten Laune keinen Abbruch. Es schien, als rückten alle näher zusammen, um sich gegenseitig zu schützen. Für mich waren es sehr intensive Momente, so nah gemeinsam das Glaubensbekenntnis zu beten, wirklich Seite an Seite den gemeinsamen Glauben zu bekennen.
Später, als wir um halb acht abends zum Bus zurückgingen, schien sogar die Sonne für uns. Natürlich war auf der Rückfahrt an Schlaf nicht zu denken, so viel gab es zu bereden. Endlich, kurz nach Mitternacht, kamen wir in Aurich an und durften ganze 5 Stunden schlafen, bevor wir uns auf den Weg machen mussten, um die erste Fähre zu erreichen. Anstrengend? Ein bisschen vielleicht, aber gerne jederzeit wieder.
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Hey, Borkumer Messdienerinnen und Messdiener! Ich freue mich, zu lesen, dass eure Pilgerreise nach Kevelaer nicht nur anstrengend, sondern auch lohnend war! Wahnsinn, was ihr auf euch genommen habt, um mit uns gemeinsam zu beten, zu singen, zu spielen, zu feiern! Wenn es ihn denn gäbe, ihr hättet den “Ich-glaub-an-dich!”-Orden verdient! Lieben Gruß auf die schön(st)e Insel!
Comment: Christian Wacker – 26. Juni 2012 @ 15:14
Busmeister Wacker, sag an!
Wir hatten bereits zwei(!) Nachtreffen und immer noch klingt dieser Tag in uns nach. Am letzten Sonntag gab es auf Wunsch unserer Messdiener einen ganz besonderen Abschluss: ALLE (okay, es ganze 9 1/2) unsere Ministranten dienten im Hochamt mit allen drum und dran um den neuen Weihrauch einzuführen, den die Ministranten selbst in Kevelaer ausgesucht hatten. …
(Ähm, es gibt zwei weitere Abschlüsse, denn sie haben insgesamt drei verschiedene Weihraucharten mit gebraucht – sie konnten sich nicht entscheiden).
Und die Frage die ich immer wieder höre, “Wann machen wir uns wieder auf den Weg…?”
Liebe Grüße nach wohin auch immer und ich werde den Orden verbal weitergeben
Comment: Jodi – 26. Juni 2012 @ 15:42
Aus dem Erzbistum Hamburg waren leider keine “Insel-Kinder” dabei. Doch die Teilnehmerin mit der weitesten Anreise war Marie-Luise aus Feldberg (Feldberger Seenplatte). Sie ist am Freitagmorgern! um 5:00 Uhr aufgestanden um den Bus in Neubrandenburg zu erreichen, der dann über Teterow und Rostock nach Hamburg zum gemeinsamen Auftakt der Teilnehmenden aus dem Erzbistum Hamburg im Mariendom gefahren ist. Weiter gings dann nach Xanten, Vigilfeier im Xantener Dom und Übernachtung in Sporthallen. Nach der nächsten kurzen Nacht Tag war wieder frühes Aufstehen angesagt. Gefrühstückt wurde in drei Schichten von jeweils 200 bis 250 Menschen ab 6:15 Uhr. Schließlich mussten alle bereits um 8:45 Uhr in Kervenheim sein…
Ja, es ist schon Wahnsinn, was einige der Teilnehmenden auf sich genommen haben um dabei zu sein. Und das beste ist, dass gerade die sagen: “Es hat sich gelohnt!”
Comment: Peter Beckwermert – 26. Juni 2012 @ 18:00
JA, es ist faszinierend, wie viele sich wirklich auf einen weiten Weg der Pilgerung gemacht haben.
Bei unseren Minis war es auch dieses KLICK-Gefühl „Wir sind nicht die Einzigen, die in einer Diaspora dienen“. Dieses Wissen, jetzt hier zu Hause, dass es da draußen noch andere gibt, die auch nur Kleinst- Gruppen haben und trotzdem nicht aufgeben, dieses Wissen macht Mut.
Meine Hochachtung vor Marie-Luise, dass sie sich aus ihrer Gemeinde alleine auf den Weg gemacht hat. Und ich freue mich mit ihr, dass sie Gemeinschaft gefunden hat.
Comment: Jodi – 26. Juni 2012 @ 21:54