Letzte Woche durfte ich eine Ausstellung in unserem Museum und Forum am Dom eröffnen, die es in sich hat: Kreuz – Wege – Positionen.
Kreuzesdarstellungen zeitgenössischer Künstler. Kreuze als Schmuck und Muster, Kreuze als uraltes, weit vorchristliches Symbol der Welt und des Lebens in der Spannung von oben und unten, von Weite und Tiefe. Kreuze selbstverständlich auch aus Kirchen und Wohnungen, die dort aber kaum noch wahrgenommen werden als das, was sie sind: die provokative Herausforderung, die Kreuze der Menschen nicht zu verharmlosen oder zu vergessen; erst recht nicht eine der grausamsten Arten der Todesstrafe zu banalisieren.
Deshalb werden in der Kunst Kreuze in großer Breite unter unterschiedlichsten Blickwinkeln zur Darstellung gebracht, auch von Künstlern, die sich gar nicht vom christlichen Glauben geprägt wissen. Gerade die harten, ungewohnten, ja für manche an Blasphemie grenzenden Darstellungen sind ein Stachel im Fleisch unseres Alltags, um menschliches Leid nicht zu verdrängen.
Aber sie halten auch wach, dass unser Gott heruntergekommen ist zu uns. Seine Menschwerdung „vom Babyspeck bis zur Totenstarre“ zeigt eine Solidarität mit dem Weg der Menschen bis zur bitteren Neige, bis zum Schrei: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Eine tiefere Solidarität kann niemand, kann nur Gott schenken.
Wer von solchen Kreuz-Darstellungen nicht wegschaut, wird darin nicht nur den Marterpfahl erkennen, sondern auch das Zeichen der äußersten Solidarität und einen Durchbruch zu Erlösung und Leben.
Wir gehen auf Karfreitag zu, den Tag des Kreuzes. Mich fasziniert ein kleiner Text von Andreas Knapp dazu:
er kruzifixiert
damit wir ganz gelöst sinder entblößt
damit wir uns nicht zu schämen brauchener zur schau gestellt
damit wir uns sehen lassen könnener unser notnagel
damit wir nicht abstürzener gescheitert gestorben
damit wir unsere zerbrechlichkeit leben können
(Andreas Knapp, karfreitag, in: Höher als der Himmel. Göttliche Gedichte, Würzburg 2010, S.37)
… damit wir unsere Zerbrechlichkeit leben können, dass wir mitten in allen Zerbrechlichkeiten bestehen können… Dann bleibt das Kreuz kein Schmuck und kein Muster. Es wird zum Pluszeichen des Lebens.
« Mal anders sein – MEDIIS TRANQUILLUS IN UNDIS »
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Sehr geehrter Herr Bischof Bode,
mit großem Interesse habe ich Ihre Gedanken zum Kreuz und zum Karfreitag gelesen. Ich wollte Sie drauf aufmerksam machen, dass ich das Foto eines Ihnen bekannten Kreuzes unter Ideenbörse für Kinder- und Jugendarbeit in meinem Blog unter http.kirchenportal.wordpress.com veröfentlicht habe.
In meinem Blog herrscht zur Zeit vordergründig Stille. Aber es ist wirklich interessant, was die Stille in mir in diesen Wochen jetzt schon für Worte, Bilder und Musik sammelt. Schauen Sie gerne einmal hinein. Ich würde mich sehr freuen und über jeden Interessierten, der bei mir hineinschaut, freue ich mich ebenfalls. Das ist lediglich eine Einladung….
Angela Teich
Kommentar: Angela Teich – 02. März 2012 @ 18:26