Letzte Woche durfte ich eine
Ausstellung in unserem Museum und Forum am Dom eröffnen, die es in sich hat: Kreuz – Wege – Positionen.
Kreuzesdarstellungen zeitgenössischer Künstler. Kreuze als Schmuck und Muster, Kreuze als uraltes, weit vorchristliches Symbol der Welt und des Lebens in der Spannung von oben und unten, von Weite und Tiefe. Kreuze selbstverständlich auch aus Kirchen und Wohnungen, die dort aber kaum noch wahrgenommen werden als das, was sie sind: die provokative Herausforderung, die Kreuze der Menschen nicht zu verharmlosen oder zu vergessen; erst recht nicht eine der grausamsten Arten der Todesstrafe zu banalisieren.
Deshalb werden in der Kunst Kreuze in großer Breite unter unterschiedlichsten Blickwinkeln zur Darstellung gebracht, auch von Künstlern, die sich gar nicht vom christlichen Glauben geprägt wissen. Gerade die harten, ungewohnten, ja für manche an Blasphemie grenzenden Darstellungen sind ein Stachel im Fleisch unseres Alltags, um menschliches Leid nicht zu verdrängen.
Aber sie halten auch wach, dass unser Gott heruntergekommen ist zu uns. Seine Menschwerdung „vom Babyspeck bis zur Totenstarre“ zeigt eine Solidarität mit dem Weg der Menschen bis zur bitteren Neige, bis zum Schrei: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Eine tiefere Solidarität kann niemand, kann nur Gott schenken.
Wer von solchen Kreuz-Darstellungen nicht wegschaut, wird darin nicht nur den Marterpfahl erkennen, sondern auch das Zeichen der äußersten Solidarität und einen Durchbruch zu Erlösung un ...
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Karneval liegt schon einige Tage hinter uns. Wir haben ausgelassen gesungen und getanzt und die Kinder in der Kindertagesstätte hatten besonders großen Spaß daran, sich zu verkleiden. "Ich möchte mal wer anders sein" war das Motto der Karnevalsfeier am Rosenmontag. Die Kinder schlüpfen aber auch außerhalb der Karnevalszeit gerne in andere Rollen.
"Anders sein" ist nicht nur aktuell bei Kindern. "Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu." Dieser Spruch von Ödön von Horvath ist kein Karnevalsmotto, sondern begleitet mich und viele Erwachsene durch die Fastenzeit. So krass der Wechsel von den Faschingstagen zu Aschermittwoch auch sein mag, hier sind Parallelen zu entdecken. Die kommenden 7 Wochen nutzen viele als Chance, über Gewohnheiten und Bedürfnisse nachzudenken, sie zu betrachten und zu bewerten um dann zu entscheiden, was wirklich notwendig oder wichtig ist.
Manchmal ist das Bedürfnis da, anders zu sein und auszuprobieren, welche Seiten der Person noch unentdeckt sind und ausgelebt werden können. Gleichzeitig möchte wohl jeder so gesehen werden, wie er ist. Das muss ja auch kein Widerspruch sein.
"Hier bin ich Gott vor dir, so wie ich bin, mit meiner Sehnsucht, meiner Hoffnung, meiner Freude, meinem Ärger..."
Viele Gebete geben diesem Bedürfnis eine Stimme. Vor Gott darf ich so sein, wie ich bin. Das ist in erster Linie wichtig und stärkt mich für den Tag. Mit der Gewissheit, ich bin richtig und darf so sein wie ich bin, kann ich mich dann auch mutig auf den Weg machen, mal etwas Neues auszuprobieren. Für Kinder ist diese unbedingte Annahme von ...
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Ich möchte Sie mit einer liebenswürdigen Eigenheit eines kleinen Völkchens von einer fernen Insel bekannt machen: dem Grüßen als Geste.
Bei uns ist es Sitte, immer jeden zu grüßen, den man wie flüchtig auch immer kennt. Sie haben jemand dreimal beim Einkaufen gesehen? Damit kennen Sie ihn.
Hauptsache grüßen. Auch wenn man die Person schon zigmal am Tag gesehen oder mit ihr zusammen gearbeitet hat. Hauptsache grüßen.
Dabei reicht es, mit den Lippen ein Moin zu formen, eine Hand zu heben, oder zu nicken. Hauptsache grüßen.
Wenn sie am Steuer eines Gefährtes sitzen, reicht es, den Zeigefinger hochzuheben. Hauptsache grüßen.
Vor allem wenn sie gegrüßt werden, auf jeden Fall gnadenlos zurückgrüßen. Der gute Borkumer grüßt aus Reflex. Alles und jeden.
Und wehe nicht. Dann kann man sich am nächsten Tag (respektive beim nächsten Teetrinken) anhören: „Na, büst een Badegast? Musst nej mehr groten? („Na, bist Du jetzt ein Tourist? Brauchst Du nicht mehr zu grüßen?“). Diesen Satz habe ich mir als Kind ich weiß nicht wie oft anhören müssen. Wissen Sie, ich komme nicht aus einer Familie, sondern aus einer Sippe. Ich habe mehr Onkels und Tantens, Cousins und Cousinen als ich Finger, Zehen und Zähne habe (wir machen keinen Unterschied ob zweiten, dritten oder x-ten Grades). Die konnte ich gar nicht alle kennen. Aber die alle kannten mich! Und abends bekam ich immer von meinem Vater erklärt, wen ich nicht gegrüßt habe und von welcher angeheirateten Cousine es die Schwiegermutter vierten Grades es ist. Nun laufe ich aus Reflex immer mit grüßender Hand, leide an einem Schulter-Nacken-Syndrom un ...
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Jetzt, am Rosenmontag nach der denkwürdigen Hauruckkür des Bundespräsidentenkandidaten, stellt sich mir doch die Frage: Gibt es eigentlich noch andere Personalvorschläge für die Spitzenpositionen in diesem unserem Lande als evangelische Pfarrer oder Pfarrerinnen wie Gauck, Huber, Käsmann und Konsorten? Aber gut, was will man erwarten bei einer evangelischen Pfarrerstochter an der Macht? Da wird mir als Katholik ja ganz schwindelig. Dabei hätte man doch nun wirklich mal einen kurzen Moment innehalten können. Dann wäre man wahrscheinlich auch auf ganz andere Möglichkeiten gekommen.
Zum Beispiel Franz Beckenbauer, als Bayer wahrscheinlich katholisch. Berufserfahrung als Kaiser hat er bereits sammeln können, die Ersatzfunktion des Bundespräsidenten hätte also genau zu ihm gepasst.
Oder Otto Rehagel! Wer die Griechen zu Europameistern machen kann, dem ist einfach alles zuzutrauen. Wohin es mit den Griechen ohne Otto gekommen ist, sieht man ja. Stattdessen muss er jetzt die Hauptstadtmannschaft vor dem Abstieg bewahren.
Pater Anselm Grün wäre auch eine katholische Alternative gewesen. Vorträge halten kann er, auf Katholikentagen muss er eh immer auftreten und wirtschaftswissenschaftliche Kompetenz bringt er auch noch mit.
Oder Thomas Gottschalk! Den kennt jeder, der war Messdiener, er wird allgemein akzeptiert und er könnte ohne Gesichtsverlust sein jüngstes Experiment im Fernsehen beenden.
Na ja, alles Männer. Mal überlegen. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin konnte sie schließlich schon. Oder Heidi Klum, das wäre mal ein ganz anderes Bild von Deutschland – oder ist die noch zu jung? Dann eben Mut ...
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Nun ist es soweit. Die Stille Zeit hat auf unserer Insel begonnen. Stille Zeit nennt der Borkumer die Zeit zwischen Epiphanias (der liebe Gott ist auf Borkum eher evangelisch) und dem Eintreffen der ersten „Karnevalsflüchtlinge“ (jene armen Gestalten aus fernen deutschen Bundesländern, die mit Alaaf, Helau und Tätarätä nichts anfangen können und in den Ostfriesen Gesinnungs – bzw. Stimmungsgenossen sehen).

In dieser Zeit verlässt alles, was nicht beruflich oder familiär hier bleiben muss, die Insel. 65 % der Geschäfte haben geschlossen (mit oft netten Hinweisen auf die nächste Saison). Die letzte Fähre Richtung Festland verlässt Borkum um 14 Uhr. Ich wähnte ja schon öfter den Alcatraz-Vergleich. Bloß, dass sie selbst schwimmend die Insel nicht verlassen können. Außer Richtung Juist, aber das wäre genauso schlau, als wenn sie von Alcatraz nach St. Helena fliehen.
Das große Schweigen legt sich über die Insel. Diese Stille empfinde ich als puren Luxus. Ich erinnere mich an mein Leben in Hamburg, das 365 Tage im Jahr Highlife in Tüten war. Ohne Pause. Ohne Zeit zum Durchatmen.
Wir genießen nach 280 Tagen im Dauerlauf , dass sich langsam unser Rhythmus runter fährt und wir abschalten können.
Zeit HABEN und sie bewusst genießen.
Im Winter genießen wir unsere kleine Kirchengemeinde, die (oft im wörtlichst ...
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Entschuldigen Sie, ich habe Sie etwas vernachlässigt.
Aber wissen Sie, ich hatte nach den Stürmen und Orkanen alle Hände voll zu tun. Nein, keine Sorge, unsere Deiche waren nicht gebrochen und auch hat unser Haus noch alle Latten am Dach. Nein.
Ich war strandjen.
WAT WAR SIE???
Strand-jen (Wobei „-jen“ „chen“ ausgesprochen wird).
Strandjen ist ein urururaltes Recht der Borkumer. Es besagt, dass alles, was im Spülsaum des Meeres gefunden wird, dem Finder gehört (außer Wasserleichen, aber wer will die schon mitnehmen? Außerdem gibt es für diesen gemeldeten Fund 60 €).
Und sie ahnen nicht, was einem das Meer nach einem Sturm so alles vor die Füße wirft. Vor Jahren verlor ein Schiff einen Container mit Turnschuhen der Siegesgöttin mit vier Buchstaben. Er brach auf und unser Strand war gesät mit Turnschuhen. Leider nicht schön zusammengepackt im Karton, sondern alle einzeln. So konnte man in dieser Zeit an den Schwarzen Brettern unserer Insel Notizen lesen wie „Suche rechts 41, biete links 39“…
Mir haben die Stürme viel Holz beschert, das ich zurzeit auf Lagerfeuergröße hand!säge.
Aber mein Firmpaten-„Kind“ Sebastian machte den Fund schlechthin. Sebastian wohnt nur eine Wurf-Weite (eigentlich Wuff-Weite, er geht immer mit seinen Hunden los) vom Strand entfernt und fand eines Morgens einen Segel-Katamaran angetriebener Weise. Ein Anruf bei mir und meine Strandräuber-Gene erwachten. Eine Stunde später bargen wir ihn mit ganz viel Liebe und noch mehr Kraft. Jetzt warten wir sechs Monate - nein, nicht nur auf den Sommer, sondern auch, ob sich der rechtmäßige Besitzer meldet. Irgend ...
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Ein kleines neues Buch von mir ist erschienen. Es befasst sich mit unseren eigenen Abgründen. Ein spannendes Thema. Weil es mich lange beschäftigt hat, will ich das Büchlein kurz vorstellen.
Seit uralter Zeit werden Grundversuchungen der Menschen in sieben Wurzelsünden ausgedrückt, die uns in vielfacher Gestalt persönlich, in unserer Umgebung, in Kirche und Gesellschaft begegnen:
Überheblichkeit und Stolz (superbia)
Habgier und Geiz (avaritia)
Wollust und Unkeuschheit (luxuria)
Missgunst, Neid und Eifersucht (invidia)
Unmäßigkeit und Völlerei (gula)
Zorn und Hass (ira)
Trägheit und Unlust (acedia)
Schon oft war mir diese Reihe begegnet in der darstellenden Kunst und der Literatur. So habe ich mich in einer Fastenzeit näher damit auseinandergesetzt.
Die Betrachtung dieser Verhaltensweisen, dieser Haltungen hält uns einen Spiegel vor und lässt uns besser auf unsere eigene Schliche kommen, denn viel Fehlverhalten und Sünde gründet in diesen Wurzeln. Wurzelbehandlung wird nötig. Dafür müssen wir die Wurzeln aber freilegen, sie wahr-nehmen und bereit sein, uns von positiven Impulsen unseres Glaubens vor allem aus der Heiligen Schrift – und hier besonders von Paulus – herausfordern zu lassen. Das Büchlein kann ein guter Begleiter durch die Fastenzeit sein, in der unzählige Menschen auf verschiedene Weise ihrem Leben mehr auf den Grund gehen in der Vorbereitung auf Ostern.
Wir sind es gewohnt, im Vaterunser zu beten: „Und führe uns nicht in Versuchung“. Der Titel des Buches ist mit einem gewissen Stolperstein versehen. Es heißt: „Und führe uns in der Versuchung“. Führe uns in de ...
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