Der Blog des Bistums Osnabrück

Euer Ja sei ein Ja

Euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. So steht es bei Matthäus 5,37.

An diese Stelle muss ich immer wieder denken, wenn ich die Debatte um Christian Wulff in den letzten Wochen verfolge.
Jetzt hat er sich gestern einem Interview gestellt und kleine Brötchen gebacken.
Irgendwie tut er mir auch wirklich leid. Ich möchte nicht in aller Öffentlichkeit jede Urlaubsreise, jeden Freundschaftsdienst, jedes Fest dokumentieren müssen.
Aber ist das nicht ein Problem, wenn der Bundespräsident den Bürgern leid tut?

Ich erwarte von einem Bundespräsidenten, dass er aufrichtet, bestärkt, mahnt, repräsentiert, für die Ideale unseres Staates steht – und nicht, dass er Mitleid auslöst.

Wer das Interview nicht gesehen hat: Hier ist es zu finden http://www.ardmediathek.de

Um das klar zu stellen: Ich glaube nicht, dass Wulff durch seine Freunde bestechlich war oder ist. Ich glaube auch nicht, dass er die Pressefreiheit nicht respektiert.

Vielmehr sieht es für mich so aus, dass er nicht aufrichtig war, als er nach dem Privatkredit gefragt wurde und dann wenig souverän mit der medialen Berichterstattung darüber umging.

Vielleicht fehlt ihm hier wirklich die biographisch begründete Autorität und Souveränität, die viele seiner Vorgänger hatten.

Wäre doch sein Ja ein Ja gewesen und sein Nein ein Nein.

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 05. Januar 2012 um 11:47 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Krenzels Kanzel abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Ja und Nein, lieber Bruno,
    denn was wir heute mehr denn je brauchen ist nicht Souveränität, sondern “eine Kultur der Barmherzigkeit”, wie unser Bischof an Silvester gesagt hat, eine Kultur, die den Menschen Luft zum Atmen gibt. Schon Johannes Rau hat im Februar 2000 als Bundespräsident an diese “compassion” erinnert, mit der wir heute Antworten suchen müssten. Aber er hat dies eben nicht zu seiner eigenen Verteidigung getan oder um seine eigene Autorität und Souveränität zu unterstreichen. Er hat damit an Willy Brandt erinnert, der für diese Werte mit seiner ganzen Lebensgeschichte gestanden habe, wie Rau betonte: “Manche verwechseln Mitgefühl und den Aufruf zu solidarischem Handeln mit der Klage und dem Jammern über die Schlechtigkeit der Welt. Willy Brandt hat das nie getan. Er wollte, dass Mitgefühl und Solidarität Orientierungspunkte für praktisches politisches Handeln sind.”
    In dieser aktuellen, polemisch aufgeladenen Debatte weiß ich immer noch keinen anderen Weg als den der compassion, einen Weg, den auch Rabin und Arafat einschlagen wollten, als sie 1993 in Washington erstmals einander die Hand reichten und sich gegenseitig versicherten, dass sie künftig nicht nur auf die eigenen Leiden schauen wollten, auf die Leiden des eigenen Volkes, sondern dass sie bereit seien, auch die Leiden der anderen, die Leiden der bisherigen Feinde nicht zu vergessen und bei ihrem eigenen politischen Handeln in Betracht zu ziehen.
    Erst dann nämlich wäre, wenn es zum Schwur kommt (Mt 33f), des Einen „Ja“ nicht zwangsläufig des Anderen „Nein“ – was nicht anderes bedeutet, als zu schwören.
    Herzlich
    Dein Michael

    Kommentar: Michael – 05. Januar 2012 @ 15:59

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