Kürzlich habe ich den Text geschenkt bekommen: “Was du von deinem Hund lernen kannst”. Er gibt Anregungen, mit einer anderen Sichtweise auf das Leben zu schauen: “Lass das Gefühl von frischer Luft und Wind auf deinem Gesicht immer Grund sein für ein ekstatisches Glücksgefühl, beiß nicht, wenn es ausreicht zu knurren, lass es andere wissen, wenn sie in dein Revier eingedrungen sind…” usw. Ich mag Texte und Geschichten, die die Funktion haben, auf etwas hinzuweisen. Ihre Inhalte können gleichzeitig tiefgründig und mit Humor Antworten auf Fragen geben – und das auf eine ganz kurzweilige Art.
Aber ich habe keinen Hund!
Keinen Hund, aber die Möglichkeit Kinder jeden Tag zu beobachten und durch ihre Originalität zu lernen. Ihre Phantasie und Kreativität haben einen Wert, den ich für Selbstcoaching nutzen kann:
- Kinder sehen das Leben aus einer anderen Perspektive und haben einen Blick für Kleinigkeiten.
- Kinder geben sofort ein Feedback und sind ehrlich in ihren Aussagen. Sie sagen arglos die Wahrheit und halten mir oft einen Spiegel vor.
- Kinder gehen vorurteilsfrei auf andere zu.
- Kinder haben oft keinen Plan und probieren einfach etwas aus. “Das gibt es nicht” kommt selten vor.
- Kinder sind frei in der Erforschung ihrer Möglichkeiten, sie denken visionär.
- Kinder wechseln unentwegt ihre Rollen und können problemlos ihren Blickwinkel ändern.
- Kinder sind eins mit sich und der Welt.
- Kinder drücken ihren Spaß aus. Sie führen ein leidenschaftliches Leben und vermögen mich anzustecken.
Kinder versuchen ständig, Grenzen zu überwinden. Das hilft mir, eigene Denk- und Handlungsmuster zu durchbrechen. Durch ihre besondere Sicht auf die Dinge und die Welt geben sie Anregungen zum Nachdenken. Sie fragen nach Gott ohne Erfurcht und stellen Fragen, die mich in Kontakt mit der Vielfältigkeit meines Glaubens bringen. Das alles wirkt sich gewinnbringend auf meine eigene Spiritualität und Weiterentwicklung aus.
Also, welch ein Glück, dem der Kontakt mit Kindern hat – oder mit einem Hund.
Ich sitze im Flieger. Mein Grinsen ist fest zementiert und muss in Deutschland bestimmt operativ entfernt werden.
Eine unbeschreibliche Reise geht zu Ende. Und sie war bis zur letzten Sekunde wirklich bewegend (ich liebe Wortspiele).
Die Erfahrung, des bis zum Schluss Nicht-Aufgebens und es doch zu schaffen, verleiht mir immer noch ein Hochgefühl. Meine Ausflüge nach Morro Jable und auf die einsame Isla Lobos, die mich mit tiefem inneren Frieden erfüllen und die guttuende Erfahrung, mir selbst zu genügen.
Das Kommen und Gehen der Menschen im Camp, mit denen man einen Moment zusammen gelebt hat. Ich denke an Agnes, Britt und Andrea, denke an Dreadlocks-Julian, der so viel jünger als ich, und doch in einer Nacht schweigend mir so nah war. An meine Surfcoaches Therese und Celina, die nicht einen Moment aufgehört haben, an mich zu glauben und mir mehr zugetraut haben, als ich mir selber. An Stefan und seine Tochter Toni aus meinem Kurs, die sich nur in den Ferien sehen, mich an ihrem Leben teilhaben ließen. An Toni, die mich immer zum Lachen brachte und Stefan, der mir den letzten Kurstag ermöglichte. Stefan, ich habe gestanden!!!
Und im wahrsten Sinne des Wortes last but not least Sebi aus unserer Surfer-WG. Er kam in der letzten Woche mit seinen Kumpels. Ich fand ihn, sagen wir speziell, gar nicht unsympathisch, aber speziell und wir lebten im Camp einfach nebeneinander her. Heute Morgen brachte er mich mit seinem Wagen zum Flieger. Wir fuhren eine viel zu kurze Stunde in den Sonnenaufgang und redeten über subjektive und reale Freiheiten, von Lebensentwürfen, über Surfen und Selbstvertrauen, wir redeten wirklich bis zur letzten Sekunde in der ich einfach aussteigen und einchecken musste.
Dieser Surfer-Urlaub war unbeschreiblich und mein Traum, seitdem ich sechzehn bin. In Deutschland wartet ein Koffer mit Wandersachen auf mich. Flugs werde ich die Sommersachen austauschen, meine Tochter bei ihrem Vater abholen und dann eine Woche mit ihr ins deutsche Outback (sprich Sauerland) fahren. Auf eine Hütte ohne fließend Wasser und Strom. Sogar ohne Handyempfang. Sie wissen ja: ich liebe Abenteuer. Bis bald.
Es ist mein letzter Kurstag. Seit zehn Tagen probiere ich mehr als 4 Stunden am Tag, endlich einmal RICHTIG eine Welle stehend zu reiten. Nicht halb kniend oder fast stehend aber mit einer Hand am Brett oder wie meistens links, rechts, vorne, hinten runter fallend. Hallo? Hätte man mir nicht sagen können, dass man eine gewisse Grundfitness braucht? Also wer nicht locker auf der Schulter eine Wasserkiste (erwähnte ich, dass sie voll sein sollte?) in den dritten Stock eines Leuchtturm befördern kann, der wird es auf dem Brett nicht leicht haben. So kommt es mir zumindest vor. Und aus der Brandung (Weißwasser, max. hüfthoch) bin ich noch nie rausgekommen. Tja und dann kam heute mein Surfcoach Theresa mit ihren Brett auf mich zu gepaddelt: “Komm, Kathrin, packen’s ma, heut wird rausgepaddelt!“ – „ICH??? RAUSPADDELN? Etwa da, wo ich nicht stehen kann???!!!“ ( Und den Wellen hilflos ausgeliefert bin, dachte ich) „Jo, deswegen heißt es RAUSpaddeln“ „Das kann ich nicht, ich bin bis jetzt nicht einmal RICHTIG auf dem Brett gestanden“ „Aber klar kannst Du das, auf geht’s.“
Nur so zur Information, es war WINDIG, die Wellen waren auch WELLEN und JA, ich hatte Angst. Aber ich bin mit Theresa rausgepaddelt. Zu meiner ersten Verwunderung: ich bin nicht vom Brett gespült worden. Und dann sagte Theresa: “Es reicht, dreh Dich.“ Ich drehte mich und „Ahhh, soweit draußen?“ – „Ja, paddel zurück, oder nimm eine Welle.“ Celina, mein zweiter Surfcoach, stand am Strand und zeigte Daumen hoch. Ich paddelte los, bekam eine Welle, schwang mich hoch und plötzlich stand ich. Ich ritt die Welle bis zum Strand STEHEND!! Den Freudenschrei müssen sie bis nach Deutschland gehört haben! *grins*
„Mit meinen Gott überspringe ich Mauern.“ Manche Sätze mit denen man morgens aufwacht, versteht man erst abends richtig.
P.S.: Am Abend gab es im Camp nur ein Thema: ein zuverlässiger Stand-up-Paddler hat in unserer Bucht einen Hai gesehen. Gut, dass ich das erst nach meinen letzten Kurstag erfahren habe…
„Wenn einer eine Reise tut…“ Ja, ich könnte eine Unmenge erzählen von meiner Reise nach Mexiko und Honduras. Unser europäischer Blick auf die Kirche genügt nicht, um sie in ihrer Weltweite und Buntheit zu erfassen. Die klimatischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen sind völlig anders. Die Schere zwischen arm und reich klafft himmelschreiend auseinander, so dass das Leben eines Christen dort in keinem Moment davon absehen kann. In Honduras erwartete uns dazu noch eine unvorstellbare Regenperiode, die zu zerstörerischen Überschwemmungen geführt hat. Am stärksten betroffen sind wieder einmal die Ärmsten, weil viele von ihnen ihre Behausungen ins ,Niemandsland‘ Flussufer bauen. Nun hat der Strom sie mitgerissen.
In all dem steht die Kirche dort auf der Seite der Armen, setzt sich in ihrer Caritas ein mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, und befähigt Menschen, vor Ort Zeugnis zu geben für ihren Glauben und das Glaubensleben in Gottesdienst, Katechese und karitativer Zuwendung selbst zu gestalten. Mit Selbstbewusstsein und Kompetenz erfüllen die zahlreichen Delegados de la palabra (Diener des Wortes) ihre Aufgabe, eben nicht nur im Gottesdienst, sondern auch im Dienst am Menschen. Von diesem großen Netzwerk aus Männern und Frauen, die sich aus Taufe, Firmung und Beauftragung gesandt wissen zu den Menschen, lebt Kirche, fängt Kirche viele Belastungen auf oder erleichtert sie. Ich erlebte Menschen aus allen Generationen, vor allem auch Familien mit Kindern und Jugendlichen, denen viele Perspektiven für ein gutes Leben genommen sind durch die soziale Situation, die aber dennoch ihre Hoffnung aus dem Glauben leben und solidarisch mit den noch Ärmeren ihren Weg gehen.
So verschieden die Bedingungen von den unseren sind, so viel können wir von der Lebens-art des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe dort lernen! – Es war eine Reise, die viel Nachdenklichkeit in mir ausgelöst hat.
Nun bin ich doch schon einige Wochen aus meinem Auslandsjahr zurück und es geht mir wirklich gut! Ich hatte ein wundervolles Jahr voller Eindrücke und Erlebnisse, welche ich mir so speziell nicht in Deutschland ausmalen konnte!
Alleine die letzten Monate in Indien waren schon sehr intensiv. Ich lernte die Kultur immer besser kennen in der ich leben durfte und sprach die Sprache immer flüssiger. Dies machte natürlich alles einfacher. Sei es das Feilschen mit den Straßenhändler oder die Gespräche mit Freunden, welche nun auch über den Smalltalk hinausgingen. Es lief einfach rund! Mit Abstand die schönsten Monate im ganzen Jahr.
Natürlich gab es auch genügend Situation, in der ich mich fragen musste “Warum tust du dir das an? – was will ich hier?”. Besonders in der ersten Zeit, ist es schwierig gewesen den Kulturschock, mit inbegriffen, die Sprachbarriere zu meistern.
Dazu feiern wie Beispielsweise Geburtstag, Weihnachten oder Ostern hatten ihre eigene Dynamik. Nicht vergleichbar, um sagen zu können, ob es schöner oder besser war. Ich glaube, anders trifft es ganz gut.
Viele Freunde und Bekannte fragen mich, inwiefern ich mich verändert habe. Ich finde es immer wieder schwierig darauf eine Antwort zu finden. Ich wurde sensibilisiert mit den Gegebenheiten in einem fremden Land, in einer fremden Kultur und vorallem mit der dortigen Armut wie auch der riesigen Schere zwischen arm und reich. Korruption durch Regierungsbeamte oder Polizisten zählen hierbei auch zu den neu gefundenen Erfahrungen, wie auch die Dankbarkeit und Offenheit der Menschen, mit denen ich arbeiten durfte. Es macht einfach Spaß, wenn gesehen werden kann was durch eigene Arbeit erreicht werden kann. Sei es ein Kinderlächeln nach einem deutschen Bonbon oder einer gewonnenen Fußballpartie oder seien es die Menschen in den Dörfern, welche sich freuten, dass die Selbsthilfegruppen, die wir betreuten fruchteten.
Doch auch das schönste Jahr dauert nur 365 Tage und ich musste Indien wieder verlassen. Mir sind wirklich viele Menschen richtig ans Herz gewachsen. Hervorzuheben mein bester Freund Edwin. Mit ihm konnte ich wirklich durch dick und dünn gehen. Seien es seine Problem oder meine Probleme gewesen, wir haben meistens einen Weg gefunden. Mit der Geburt seines Kindes wurde es zwar etwas eingeschränkter, aber nicht schlechter.
Meine Erfahrungen kann mir keiner mehr nehmen und ich bin wirklich dankbar und glücklich, diesen Schritt gewagt zu haben. Nun wird es für mich in Göttingen weitergehen. Ichwerde dort Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studieren mit der Fachrichtung Internationale Beziehungen.
Ich kann mich zum Ende nur noch einmal bedanken, dass es mir ermöglicht wurde mein Jahr in Indien zu verbringen und soviel für mich selber zu lernen.
Ebenso vielen vielen lieben Dank fürs Lesen,Kommentieren und an mich denken! Es hat mir echt Spaß gemacht hier etwas für euch zu schreiben! Danke für alles!
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