Endlich gehen bei uns die großen Ferien los! Habe ich schon mal erwähnt, dass auf Borkum alles anders ist? Unsere „großen Ferien“ sind im Oktober. Im Sommer wenn bei uns die Saison boomt, kann es sich fast keiner (im wahrsten Sinne des Wortes) leisten, für einen Urlaub die Insel zu verlassen. Aus diesem Grund wurde Borkum mit einer Sonderferienregelung versehen und unsere „Sommerferien“ in den Herbst verlegt. Den ganzen Oktober heißt es laissez-faire (danke Julian für die Übersetzung) auf der Insel.
Den Ferien passen sich auch Feiertage an: Da am eigentlichen Erntedank-Fest die Insel verwaist ist, ziehen wir es vor. Am letzten Sonntag gab es in allen drei Kirchengemeinden der Insel Festgottesdienste zum Erntedank – für die Kinder ein sicheres Zeichen: nur eine Woche bis zum Schulende.
Auch ich werde endlich in die großen Ferien gehen. Und wo macht eine Insulanerin Urlaub? Natürlich auf einer Insel! Fuerteventura heißt mein Ziel, damit auch weiterhin vom Inselleben berichten kann.
Lange habe ich nichts von mir hören lassen. Doch ich bin noch da, durchaus lebendig und mit vielen bunten Erfahrungen.
Noch klingt der Papstbesuch tief in mir nach: trotz aller Auseinandersetzungen vorher – über 300.000 Menschen aller Generationen, Junge und Alte, Getaufte, Gefirmte, Beauftragte, Gesendete, Geweihte, bunt und vielfältig in ihren Erwartungen, aber versammelt durch den Christus, den alle suchen oder gefunden haben!
Der Papst ist strikt – für viele enttäuschend – bei seinem Leitwort geblieben: „Wo Gott ist, da ist Zukunft“ und hat sich auf Einzelfragen kaum eingelassen. Dadurch bleibt der Raum offen für den weiteren Weg einer neuen Kommunikation, einer neuen Kultur der Barmherzigkeit und der Teilung von Verantwortung. Ich jedenfalls sehe keine zugeschlagenen Türen, sondern weiterhin geöffnete Räume für ein ehrliches Ringen um die Zukunft.
Es war für mich eine besondere Erfahrung, mitten zwischen den jungen Leuten bei der Vigil mit zu beten, zu singen, zu schauen und sich Gänsehautgefühlen zu überlassen. Ebenso die zahlreichen, z.T. sehr persönlichen, ehrlichen und suchend-ringenden Gespräche mit zehn Bischöfen in einem Zelt, das ‚my tent’ hieß – ‚mein Ort’ für „Offenbarungen“, für neue Erkenntnisse, Einsichten und Vergewisserungen. Überhaupt sind bei all den offenen Fragen die großen Begegnungen und Bilder, die Begegnungen im Kleinen, die Gottesdienste, Gespräche und persönlichen Gebete prägender als wir oft denken.
Und dass der Papst beim gemeinsamen Mahl mit den Bischöfen den Bedienenden und dem gesamten Küchenpersonal die Hand gibt und nicht den Bischöfen – ist eine mir unvergessene Geste der Zuwendung, die sicher nachhaltiger wirksam ist als viele große und erhabene Worte.
Neulich an der Kasse: Ein Badegast, nur mit einer Badehose und einer Bild-Zeitung bekleidet, schlüpft an mir vorbei: „Ich darf doch rasch vor, ich habe nur die Zeitung.“ „Ja, klar kein Problem, ICH bin nicht im Stress, ich muss nur zur Arbeit.“
Szenenwechsel
„Links, wir müssen links!“ „Nein, rechts.“ „NEIN. Links!“ „Aber Du sagst links und zeigst rechts.“ „Ach, mach doch was du willst, wenn du alles besser weißt!“
Sie lasen einen typischen Urlaubs-Dialog eines (anscheinenden Noch-)Pärchens. Können Sie mir vielleicht erklären, warum so viele Gäste im Urlaub so unentspannt sind? Oder krampfhaft die Entspannung herbei trotzen (bzw. motzen)? Eigentlich hat man doch Zeit. Eigentlich hat man doch auch Muße, über Umwege auf den Weg zum Ziel zu kommen (und ist nicht eigentlich der Weg das Ziel?). Eigentlich.
Haben sie schon mal einen hektischen Ostfriesen gesehen – außer Otto? Wir gelten als die schon fast stoischsten Menschen Norddeutschlands.
Der Borkumer läuft und radelt mit einem breiten Grinsen über die Insel, immer freundlich grüßend und Zeit für einen Snack. Zeit? Wir wissen, dass wir keine Zeit haben, also nehmen wir sie uns. „Man sinnig“ (sei bedächtig), sagt der Borkumer. Irgendwie haben wir das verinnerlicht. Bedenke was du tust, mach es mit Sinn. Ohne eine innere Ruhe geht das nicht. Jeder findet sie woanders. Ich bei meinem Gott. Wenig habe ich im überreizten Hamburg mehr vermisst, als diese wohltuende Gemütlichkeit, die daraus resultiert, trotz des ganzen Stress im Sommer. Erst einmal einen Tee trinken. Ist das nicht ein netter Urlaubstipp? Okay, nächstes Mal gebe ich ihn ihnen vor den Ferien.
Die Kinder unserer Kindertagesstätte treffen sich regelmäßig mit Gästen aus der benachbarten Tagespflege. Sie beleben den Alltag der Senioren durch ihre Freude und Spontaneität und erleben die älteren Menschen in ihren Lebensbezügen. Dabei erfahren sie, dass einige Unterstützung und Hilfe brauchen.
Kürzlich waren die Kinder wieder dort. Sie haben den Senioren Kastanien vom Spielplatz mitgebracht, schließlich können sie sich gut bücken, was den Senioren nicht mehr so gut gelingt. Nach einem Begrüßungslied haben alle mit einem Wollknäuel ein Gemeinschaftsnetz gesponnen: von Kind zu Kind bzw. zu Senior und Seniorin- kreuz und quer. Jeder musste das Knäuel fangen, sein Stück festhalten und dann zum Nächsten werfen.
Das Netz konnte nur gemeinsam gehalten werden!
Dann wurde ein Schwungtuch auf das Netz gelegt und es entstand eine Höhle für die Kinder. Die Senioren haben an den Enden festgehalten und die Kinder hatten ihren Spaß unter dem Tuch. Anschließend haben sich alle bei einem Bewegungslied gelockert. Leider bekam Frau M. einen starken Krampf im Bein, so dass der Besuch abgebrochen werden musste.
Nach einiger Zeit kam aber die Nachricht in die Kindertagesstätte: Frau M. geht es wieder besser, und sie freut sich schon auf den nächsten Besuch der Kinder.
Servus aus Wien!
Habe die Ehre - und mein Inselleben für eine kurze Zeit nach Wien verlegt. Aber um der Rubrik genüge zu tun und ihnen ein Inselleben zu bieten, schreibe ich von einer Verkehrinsel aus.
Wenn man, oder ich im speziellen, zu lange auf einer Insel weilt, kann es schon passieren, dass man* so wird wie die, von denen man sagte, dass man SO nie werden wollte: Der Horizont schrumpft auf Tellergröße. Leider ist das ein schleichender Prozess. Man merkt nicht, wie sich die Themen verändern und sich zunehmend auf „Nachbars Garten“ beschränken. Gut, dass ich außerhalb dieses Dunstkreises Freunde habe, die in Telefonaten genau hinhören und sagen: “Süße, nichts für ungut, aber es wird Zeit, dass du die Insel verlässt.“ Dann zieht es meinen Rucksack und mich raus in die Welt, zwecks Dehnübungen für meinen Horizont. Land und Leute kennenlernen. Klasse dafür ist Couchsurfing, eine Seite im Internet, auf der man allerlei Menschen findet, die einem rund um den Globus das eigene Sofa überlassen und obendrein das nicht-touristische Gesicht einer Stadt zeigen. So werden aus Fremden Bekannte und oft auch Freunde.
Tja, so bin ich nach Wien gekommen, habe neue Perspektiven gesehen, viele und vieles ins Herz geschlossen.
Eine Frage hätte ich noch, bevor der Nachtzug mich gen Norden bringt: Wann haben Sie zuletzt Stretchübungen für den Horizont gemacht?
* dass „man“ dürfen sie getrost auf mich beziehen
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