Der Blog des Bistums Osnabrück

Insel-Leben

Mittwoch, 27. Juli 2011 von Jodi

„Du kommst von Borkum? “

„Ja.“

„Wahnsinn.“

„Find’ ich auch.“

„Gibt es da auch eine Schule?“

„Ähm, ja, wir haben sogar Strom und fließend Wasser.“

 

Stellen Sie sich diesen Dialog, doch bitte einmal in Osnabrück vor:

„Du kommst aus Osnabrück?“

„Ja.“

„Wahnsinn, gibt es eigentlich auch Schulen in Osnabrück?“

 

Leben da, wo andere Urlaub machen, ist für die Gäste unserer Insel faszinierend, aber für uns ist es völlig natürlich. Da fällt einem das Besondere am diesem Leben gar nicht mehr auf. (Obwohl es das „etwas Andere“ natürlich zu Hauf gibt, auf dem schönsten Sandhaufen der Welt. Aber dazu später mehr!)

Highlights für uns Inselbewohner sind sogenannte „Festland-Besuche“: mit der Fähre ‘rüber nach Emden und einen FACH-Arzt besuchen (genau, so etwas gibt es hier nämlich nicht) oder ganz aufregend: Rolltreppen fahren!

Bevor Sie fragen – ja, wir haben Autos. Und zwei Mal am Tag Rush-Hour, im Sommer bis zu zehn Mal; immer wenn die Fähre anlegt. Unsere Tageszeitungen erwarten wir nie vor elf, nur im Sommer mit Glück früher, wenn sie mit dem Flugzeug eintrifft. Bei uns tragen fast alle Häuser Namen, das soll Glück bringen.

Leben hier bedeutet, mit den Jahreszeiten zu leben: Im Winter, wenn man nach 14 Uhr die Insel nicht mehr verlassen kann, fühlt man sich wie auf einem von Kolumbus noch nicht entdecken Erdteil (böse Zungen sagen auch: „Willkommen auf Alcatraz“). Im Sommer ist Borkum ein Bienennest: alles summt und lebt, und mit den 20 000 Gästen pro Nacht gleicht unser Dorf mehr einer mediterranen Stadt.

Es gibt ein Sprichwort auf unsere Insel: „Auf Borkum ist alles anders!“

Bald werden Sie mehr davon lesen…

Familie Uhu und das Haus der Schöpfung

Dienstag, 26. Juli 2011 von bibo

„Im Falle eines Falles klebt UHU wirklich alles.“ So lautete ein Werbeslogan für einen Klebstoff schon in meinen Kindertagen. Dass die Uhu-Familie, die seit einiger Zeit an unserem Dom lebt, so viele Besucher anziehen würde, hätte ich nicht erwartet. Die Fotoapparate ,kleben‘ geradezu an den Vögeln. Und der Rasen des Domherrenfriedhofs – sonst ein sehr beschaulicher, ruhiger Ort inmitten des städtischen Getriebes – ist schon ganz abgetreten von den vielen, die sich für Familie Uhu interessieren.

 

Uhu-Kind am Osnabrücker Dom

 

Ich muss zugeben, dass auch ich jedes Mal, wenn ich durch den Kreuzgang gehe, einen kurzen Blick durch die Säulenreihen werfe, ob die Uhus da sind. Es ist gut, dass der Dom nicht nur Menschen, sondern auch Tieren Heimat gibt, denn es ist ein Zeichen dafür, dass unsere Schöpfung nicht allein den Menschen gehört. „Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen… Mein Herz und mein Geist jauchzen ihm zu, ihm, dem lebendigen Gott. Auch der Sperling findet ein Haus und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein Gott und mein König. Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben“ (Psalm 84, 2-5).

Dieses uralte Psalmwort aus der Bibel besingt wunderbar, dass wir zusammen mit den Tieren im Haus der Schöpfung wohnen. In „Ökologie“ steckt das griechische Wort für Haus (oikos), ebenso wie in Ökonomie oder Ökumene. Die Anziehungskraft der Uhu-Familie am „Haus des Herrn“ sollte in uns sehr deutlich wachhalten, wie wir das Haus unseres Lebens, das Haus der Schöpfung bewahren und pflegen, damit das Haus des Herrn von möglichst vielen als Ort der Geborgenheit und des Schutzes, der Zuwendung und der Einladung zur Begegnung mit Gott erfahren wird. Wir sollen hier die Freiheit empfangen, die der Geist Gottes schenkt, eine Freiheit, die ihre Bindung an dieses „Haus“ nie aufgibt…

Das Jahr wird rund

Freitag, 22. Juli 2011 von bea

Heute ist der letzte Kita- Tag vor den Ferien!!! Ich verabschiede mich von vielen Familien, die Urlaub machen und von vielen Kindern, die nach den Ferien nicht mehr wieder kommen, weil sie in die Schule gehen werden. Es waren viele herzliche Verabschiedungen dabei, denn in den letzten Jahren sind Beziehungen entstanden und gewachsen. Besonders intensiv war in der letzten Zeit unser Projekt “Perlen für Gott”, was ich in den vergangenen Blogeintragungen vorgestellt habe. Während dieser Zeit, in der wir ganz intensiv im interreligiösen Dialog waren, haben sich einige teilweise auch anrührende Momente zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen ereignet. Es ist spürbar gewesen, dass viele  in ihrem Herzen angesprochen wurden.

“Etwas verbindet uns, was doch so unterschiedlich ist”; “Wir sind auf unterschiedlichen Wegen, haben aber ein ähnliches Ziel vor Augen”; ” Wir empfinden Wertschätzung für unseren Glauben – das tut gut”; ” Es gibt doch große Unterschiede zwischen uns – aber trotzdem können wir eine gute Beziehung miteinander haben”

…das sind Rückmeldungen, die ich von Eltern erhalten habe. Viele Christen und Muslime haben eine Vertiefung für ihren  Glauben, für ihre eigenen Wurzeln erfahren. Die Kinder konnten vieles mitnehmen, was sie prägen wird. Was bleibt sind viele Eindrücke und sichtbare Zeichen für ein gelungenes Projekt, wie z.B. die runden Perlen, die jetzt unser Außengelände verschönern und alle immer wieder anregen, über die eigene Beziehung zu Gott nachzudenken.

Ich bin gespannt, was sich im nächsten Kita-Jahr noch entwickeln wird…

Rückmeldungen und mehr

Dienstag, 12. Juli 2011 von bibo

Jetzt haben wir bald Mitte Juli, und ich habe mich noch nicht zu den Kommentaren zu meinem letzten Eintrag geäußert. Aber jetzt! Doch zuerst: DANKE für Eure Rückmeldungen (z.T. aus dem Religionsunterricht).

Es gibt ein Leben vor dem Tod! Das dürfen und wollen wir bei aller christlichen Ausschau nach dem größeren Leben nach dem Tod nicht übersehen. Ja, das Leben vor dem Tod bekommt durch das größere Ziel sogar einen ganz besonderen Wert. Ausschau nach dem „Leben in Fülle“ ist keine Vertröstung oder Flucht aus dem Irdischen. Aber dadurch, dass ich weiß, wohin es geht, kann ich mich mutiger in das Hier und Jetzt hineinbegeben. Wer das Leben nur als letzte Gelegenheit sieht, als etwas, das am Ende dann ins Nichts zurückfällt, darf nur ja nichts verpassen und verliert die Gelassenheit. Paulus nennt das sehr drastisch: „Lasst und fressen und saufen, denn morgen sind wir tot“ (vgl. 1 Kor 15,32). Alles wird ausgekostet, weil es kein Darüberhinaus gibt.

Und doch ist da diese Sehnsucht, dass es im Leben und im Tod mehr als alles geben muss, ist da diese Ahnung, dass alle Ungerechtigkeit, alles Leid, alles Ungehörte, alles Unvollendete danach schreit, ein erlösendes Ziel zu finden. Ob jeder das als Leben bei Gott ansieht, ist freilich fraglich. Aber selbst der Glaube an eine Reinkarnation sucht nach etwas über das jetzige Leben hinaus.

Es gibt kein Leben ohne Tod, aber es gibt auch keinen Tod ohne Leben. Der Blick auf eine Begegnung mit Gott, auf ein Bleiben bei Gott, diese Hoffnung, dass dieses Leben Wert hat für das ewige Leben, stärkt und ermutigt für das Leben vor dem Tod. Es „lohnt sich“, auf eine größere Gerechtigkeit hin zu leben und sich einzusetzen für das irdische Leben.

Die Begegnung mit Gott im Alltag ist so vielfältig und bunt wie unsere Lebenserfahrungen, mal mehr verborgen, mal mehr erschütternd, mal mehr beglückend, mal erst erkannt in der Rückschau. Ich bin davon überzeugt, dass im Tod der ganze Mensch in der Verdichtung seiner ganzen Geschichte, seiner ganzen Wahrheit vor Gott tritt, denn das kann nur geschehen, wenn das irdische Leben am Ende angekommen ist.

Der sogenannte „eschatologische Vorbehalt“, das heißt, dass alles noch einmal unter dem Zeichen der Vollendung durch Gott steht und deshalb im guten Sinn relativiert wird von dem Absoluten, gibt Gelassenheit und Hoffnung und kann die Angst vor dem Tod nehmen (wenn auch oft nicht vor dem Sterben). Wer die Abschiedsbriefe der Lübecker Märtyrer liest, die 1943 von den Nazis ermordet und vor kurzem seliggesprochen worden sind, ist tief erschüttert und berührt von der Angstlosigkeit und Freiheit, mit der sie in den Tod gegangen sind.

Soweit einige Gedanken zu den Kommentaren. Danke fürs Lesen!

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