…und es geht mir super! Es ist nun doch schon wieder eine längere Zeit – für euch – vergangen. Mir kommt es vor als sei es gestern gewesen. Die Zeit rast! Vor einem Jahr gab es den ersten richtigen Kontakt zu meiner indischen Organisation und nun heißt es schon bald: Koffer packen. Aber dann doch wohl für meinen geplanten Trip in den Himalaya, denn nach Hause will und muss ich noch nicht!
Der letzte Monat war voll mit schönen Programmpunkten. Seien es viele Besuche in den Dörfern bei Frauenselbsthilfegruppen, Geburtstage, Aschermittwoch, der Besuch des Superior General der Jesuiten, der Besuch meines Indienpatens oder das Frühlingsfest Holi. Neben der täglichen Ashram-Arbeit doch ein ganzer Haufen…
Die Besuche in den Dörfern ist immer wieder etwas ganz spezielles. Viele Dorfbewohner haben noch nie in ihrem Leben einen weißen Menschen gesehen und verhalten sich dementsprechend. Ungläubiges Starren oder schnelles Verschwinden in die Häuser, um danach etwas durch die Tür zu blinzeln. Bevor wir dann jedoch mit den Frauen-Selbsthilfegruppen arbeiten können, bedarf es einer kleinen Vorstellung, in der die Ängste abgebaut werden. Hier hilft es besonders, dass ich sie auf Bangla ansprechen kann: “Amar nam Stephan ebong ami jarman theke esechi” ( Ich heiße Stephan und bin aus Deutschland gekommen), bricht das Eis und wir können starten.
Hauptaufgabe für uns ist hierbei, Hilfestellungen zu geben und die Frauengruppen zu informieren, wie sie Geld sparen, was sie kaufen können und wie sie am Besten ihre Rechte einklagen können. In Indien gibt es große Fortschritte im Kampf gegen die Korruption, jedoch hat dieser die Dörfer oft nicht erreicht und Beamte lassen viel in ihre eigenen Taschen fließen.
Geburtstage von Priestern sind immer eine schöne Sache. Natürlich wird gefeiert und es gibt auch mal wieder etwas Spezielles zu essen, jedoch das Beste ist der Besuch in anderen Ashrams. Hier tummeln sich die Ehemaligen aus Mirga und es wird sich munter ausgetauscht!
Auch wenn es keinen Karneval gab, feierten wir natürlich auch den Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch. Es ging für mich mal wieder ins Nachbarashram. Mit mir gingen alle katholischen Kinder, immerhin 12 von (nun) 99 Kindern und einige Angestellte. Wir verbrachten den ganzen Tag dort, feierten eine Messe und kehrten erst am Abend zurück ins Ashram.
Vom 10-11 März stand hoher Besuch aus Rom an. Der Superior General, der „Chef“ der Jesuiten kam, anlässlich des 150jährigen Bestehens der Bengalischen Mission im letzten Jahr. Auch einige Angstellte hatten die Chance, ihn persönlich zu treffen, da er sich für die Arbeit der Ashrams und die Kultur der Santhal interessierte. Ich wollte mir so etwas natürlich nicht entgehen lassen und führte die Truppe durch Kolkata. Natürlich war die Zeit mit einer Stunde Vortrag und Diskussion sehr begrenzt, jedoch war es einfach eine schöne Möglichkeit für die Angestellten, einmal raus zu kommen und etwas von Kolkata zu sehen. So zeigte ich ihnen einige „Jesuiten“- Sehenswürdigkeiten wie Schulen oder das Hauptgebäude meiner Organisation. Aufgrund der knappen Zeit war es leider nicht möglich, auch Touristische Sehenswürdigkeiten, wie Museen etc. zu besuchen. Was super ankam, waren die Besuche auf den Dächern mit Aussicht über die Metropole Kolkata.
Schon zwei Tage später besuchte mein Pate vom Bistum Kolkata mit seiner Freundin. War super gut! Auch gerade der Austausch über seine Erfahrungen und meine Erfahrungen. Irgendwie gleich aber auch total verschieden. So wusste er auch, was einem Freiwilligen auf dem Dorf fehlt und brachte eine große Packung Haribo mit!
Ich blieb eine ganze Woche in Kolkata und schloss es mit Holi ab. Holi ist das Frühlingsfest der Hindus bei denen sie sich gegenseitig mit Farben bewerfen/beschmieren. Eigentlich wollte ich es mit meinen Freunden aus Kolkata feiern, doch ein Trauerfall in der vorhergegangen Woche trübte ihre Lust und es wurde ein Kaffeetrinken am Nachmittag.
Holi spielte ich dann jedoch trotzdem. Im Erdgeschoss betreibt meine NGO auch eine Schule mit Straßenkindern. Da ich diese ziemlich gut kenne und ich sie schön öfter mit Bonbons überraschte, begab ich mich auf die Suche, um mit ihnen zu spielen. Hat auch geklappt und super Spaß gemacht!
Problem ist leider nur, dass hier ziemlich unabwaschbare Farben im Umlauf sind. Noch heute habe ich grüne und gelbe Striche im Nacken und auf den Händen, ebenso wie knalliges Pink an meinen Füßen.
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