Die politische Welt für Katholiken ist bunter geworden. „Früher“ gab es eine einfache und klare Verbindung zur CDU. Aber jetzt gibt es eine Generalsekretärin der SPD, die sich öffentlich als Katholikin zu erkennen gibt und sogar einen grünen Ministerpräsidenten in spe, der zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken gehört.
Umgekehrt kollidieren die inhaltlichen Positionen der Kirche in letzter Zeit öfter mit denen aus Teilen der CDU. Interessant waren zum Beispiel die fraktionsübergreifenden Koalitionen in der Frage der Präimplantationsdiagnostik.
Aber was heißt das jetzt? Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen der Zeit?
Ich will es einmal so sagen: Vieles spricht dafür, dass christliche Anliegen wie Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in unterschiedlichen politischen Milieus anschlussfähig sind. Und offenkundig nehmen gläubige Katholikinnen und Katholiken ihre Verantwortung in unterschiedlichen Parteien wahr.
Das dürfte die Gesprächsfähigkeit untereinander fördern und auch dem Einfluss „katholischer Positionen“ in der Politik eher zu Gute kommen.
Ich meine, man kann es hier mit Helmut Kohl halten, der treffend sagte: „Entscheidend ist, was hinten raus kommt.“
…und es geht mir super! Es ist nun doch schon wieder eine längere Zeit – für euch – vergangen. Mir kommt es vor als sei es gestern gewesen. Die Zeit rast! Vor einem Jahr gab es den ersten richtigen Kontakt zu meiner indischen Organisation und nun heißt es schon bald: Koffer packen. Aber dann doch wohl für meinen geplanten Trip in den Himalaya, denn nach Hause will und muss ich noch nicht!
Der letzte Monat war voll mit schönen Programmpunkten. Seien es viele Besuche in den Dörfern bei Frauenselbsthilfegruppen, Geburtstage, Aschermittwoch, der Besuch des Superior General der Jesuiten, der Besuch meines Indienpatens oder das Frühlingsfest Holi. Neben der täglichen Ashram-Arbeit doch ein ganzer Haufen…
Die Besuche in den Dörfern ist immer wieder etwas ganz spezielles. Viele Dorfbewohner haben noch nie in ihrem Leben einen weißen Menschen gesehen und verhalten sich dementsprechend. Ungläubiges Starren oder schnelles Verschwinden in die Häuser, um danach etwas durch die Tür zu blinzeln. Bevor wir dann jedoch mit den Frauen-Selbsthilfegruppen arbeiten können, bedarf es einer kleinen Vorstellung, in der die Ängste abgebaut werden. Hier hilft es besonders, dass ich sie auf Bangla ansprechen kann: “Amar nam Stephan ebong ami jarman theke esechi” ( Ich heiße Stephan und bin aus Deutschland gekommen), bricht das Eis und wir können starten.
Wechselbad der Gefühle: Bischofskonferenz in meiner Heimatstadt Paderborn – Kankenbesuche – ökumenische Begegnung – Fastenpredigt – Fußballspiel Osnabrück gegen Aachen mit bedrückendem Ausgang – Abschied von Ordensschwestern, deren Gemeinschaft sich über 150 Jahre den Kranken in unserem Marienhospital gewidmet haben – und nun die letzten Vorbereitungen für eine Reise nach Israel mit 80 Pilgern. In ein Land schier unlösbarer Gegensätze, aber eben in das Land, wo ich die Luft des Evangeliums atmen kann. Dazwischen die dramatischen Nachrichten aus Libyen und Japan…
Die derzeitige Unordnung um mich herum entspricht der Menge der Erfahrungen. „Wir wollen es ja nicht einfach!“ hat mir kürzlich jemand gesagt. Tatsächlich: „einfach“ wäre zu einfach. Lieber die spannende Vielfalt. Sie ist herausfordernder und lebendiger.
Ich nehme alles mit als „Gepäck“ ins Heilige Land, an die Orte, an denen Jesus die Menschen entlastet, aufgerichtet, erlöst hat. Nach der Heimkehr werde ich erzählen. Also einstweilen: Schalom!
Kürzlich habe ich eine Broschüre des Bistums Essen mit geistlichen Impulsen der Kulturhauptstadt 2010 erhalten. “Wo du stehst, ist heiliger Boden” (Exodus 3,5). An fünf Standorten treffen geistliche Impulse und die Erdverbundenheit und Bodenständigkeit biblischer Erzählungen auf das alltägliche Leben. Eine Einladung, den Boden, auf dem man steht, als heiligen Boden wahrzunehmen. Verschiedene Textstellen aus dem Evangelium werden in Bezug zu konkreten Alltagssituationen gesetzt und mit Schritten, die eigene Aufmerksamkeit zu üben ergänzt.
Vielleicht ganz neue Erfahrungen für Erwachsene den Boden, die Erde, Standfestigkeit, Schritte und Grenzen so konkret wahrzunehmen und zu spüren. Kinder sind der Erde viel verbundener. Durch ihre Körpergröße sind sie dem Boden sehr nahe. Sie sitzen, liegen oder bewegen sich auf dem Boden undgeachtet ob er sauber und trocken oder staubig, nass oder dreckig ist. So haben sie die Möglichkeit viele sinnliche Erfahrungen zu machen und die verschiedenen Untergründe und sich selbst in Verbindung damit zu spüren:
- Sand kann durch die Hände rieseln, er knirscht zwischen den Zähnen
- mit Flüssigkeiten wird Erde zu Brei
- Spucke versickert nur langsam im Boden
- wenn man länger im Sand liegt, wird er warm
- man kann spüren, wie die Erde bebt, wenn jemand auf entsprechenden Untergründen springt
- Erde kann sehr unterschiedlich riechen, es gibt sie in verschiedenen Farbtönen
Fasst an jedem Ort kann man Anregungen bekommen, “heiligen Boden” zu spüren, in dem man seine Erfahrungen mit Gottes Schöpfung oder dem Handeln Jesu in Beziehung setzt. Diese Beobachtungen und Erfahrungen machen sensibel und offen, große und kleine Wunder zu entdecken und selbst Spuren zu hinterlassen. Hilde Domin hat dazu ein Gedicht verfasst, das mich sehr angesprochen hat.
Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
(Hilde Domin)
Da bin ich wieder! Leider nicht mit einem eigenem Bericht. Momentan ist doch einiges los hier und ich reise durch die Dörfer, um Selbsthilfegruppen zu besuchen und diese zu beraten und Hilfestellung zu geben.
Gut, dass wir momentan noch einen weiteren Freiwilligen im Maria Sneha Ashram in Gurap haben. Dieser hat ein kleines sehr schönes Video der Kids in Gurap gemacht und damit wird die Zeit zum nächsten Beitrag überbrückt!
Viel Spaß dabei!
Und hier geht’s zum Video der Maria Sneha Sadan St. Xavier’s Boarding School/Gurap INDIA
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