Der Blog des Bistums Osnabrück

In diesem Sinne

Donnerstag, 02. Dezember 2010 von bibo

In den vergangenen Tagen habe ich einen sehr eindrücklichen Besuch gemacht in einer Einrichtung für geistig geschädigte Gehörlose, die in einer großen Werkstatt arbeiten und in der Nähe in Gruppen wohnen. Wer nicht hören kann, kann eine Lautsprache nur mühsam lernen, aber umso eher eine Gebärdensprache, die sehr unmittelbar und direkt ist. Sofort war ich als Besucher mitten dazwischen, denn Bewegung, Berührung, intensives und waches Erspüren des Anderen sind dort tief eingeprägt. Die lebendige Weise der Kommunikation und die vielfältige Weise, Talente und Fähigkeiten in der Werkstatt hervorzulocken, haben mich fasziniert.

Mein Sprechen musste ständig auf den Punkt gebracht werden, um es in einfache Sätze und Gebärden umsetzen zu können, was einem Theologen nicht gerade leicht fällt… Gleichzeitig bewundere ich Einsatz und Geduld der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Begleiterinnen und Begleiter.

Diese Begegnung geht mir nach, weil sie mich daran erinnert, wie wertvoll unsere Sinne sind und wie intensiv sie einzusetzen sind, wenn nicht alle gebraucht werden können. Ebenso werde ich auf meine Sprache verwiesen und darauf, dass Sprechen ganz eng mit Hören verbunden ist. Sprechen lernen ohne zu hören, ist schwierig. Wer gut zuhören kann, wird vielleicht umso besser etwas zu sagen haben. Gehörlose nehmen dafür mehr ganzheitlich wahr. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

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