Ich weiß nicht, wie lange ich nun schon vor dem Computer sitze und mich frage, wie ich anfange. Weihnachten war schö,n doch T O T A L anders, als all meine bisherigen Feiern. Unter anderem besuchte ich den “Susunia Hill”, einen mehr als 400 Meter hohen Berg, der hier einfach im sonst flachen Land in der Gegend steht. Und ich war mit einigen Kindern bei der Stadtausscheidung für Leichtathletik und Gymnastik. Einige Bilder sind angehängt, doch es soll hauptsächlich ums Weihnachtsfest gehen…
Alles fing, zumindest für mich und die Kindern, am Nachmittag des 24. Dezember an. Dort hieß es: Sachen packen und ab die Post! Eine Stunde zum Bahnhof laufen und dann mit dem Zug eine Station weiter fahren, um dort zum Ashram der 1 & 2 Klasse zu fahren. Fünf Minuten Zugfahrt später, wurden wir von einer gewaltigen Masse von Eltern und Verwandten abgeholt, um die letzten 10 Minuten zum Jhantipahari Ashram zu laufen.
Pünktlich zum Weihnachtsfest habe ich dann auch wieder Internet!
Komme jedoch momentan nicht dazu, einen schönen Bericht über meine letzten Wochen zu schreiben… Den werde ich in den nächsten Tagen aber nachreichen!
Bis dahin ein ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Oder auf Bangla: subho borodin ar noba barsa
Liebe Grüße aus Mirga
Stephan
Zwei Besuche liegen hinter mir, die mir noch nachgehen: ein Besuch im Gefängnis bei Untersuchungshäftlingen und ein Besuch in einer Behindertenhilfeeinrichtung des Bistums. In beiden Häusern Menschen in Grenzsituationen und Begleiter, die sich mit hohem Engagement für eben diese einsetzen, die so oft aus unserem Blickfeld herausfallen.
Im Gefängnis habe ich die ganze Bandbreite menschlicher Lebenswege wahrnehmen können mit ihren Brüchen und ihrem Scheitern. In der U-Haft geht es um existentielle Herausforderungen. Es kann sehr schmerzlich sein, sich der eigenen Wahrheit zu stellen. Die Seelsorge dort ist Lebens- und Glaubensbegleitung in einem sehr intensiven Sinn und trägt zur inneren Freiheit und Aufrichtung bei, denn für Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Ebenso brauchen alle Bediensteten und Verantwortlichen die Möglichkeit, Seelsorge in Anspruch zu nehmen, denn die Erfahrungen mit den Gefangenen lösen auch in ihrem eigenen Leben eine Menge Fragen aus.
Der Besuch bei den mehrfach Schwerstbehinderten am nächsten Tag hat in mir Bilder hinterlassen, die ich nicht so leicht loslassen möchte (und kann): Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, die körperlich und geistig ganz und gar auf Hilfe und Zuwendung angewiesen sind. Bei einem so kurzen Besuch ist nur schwer zu erfassen, wie die Begleiter/innen mit ihnen überhaupt in Kommunikation treten können, geschweige denn sich vorzustellen, wie Schule für diese Menschen gestaltet wird.
Mitleid und Hilflosigkeit sind deshalb die ersten Gefühle bei der Begegnung. Aber schon nach kurzer Zeit ist spürbar, was hier an intensiver Beziehung, an Miteinander und Austausch ganz anderer Art geschieht, wie Freude und Glück aus den Augen leuchten können und sich ganz ungeahnte, verborgene Talente zeigen.
Mit Staunen und Respekt sehe ich die (jungen) Menschen, die sich dieser so schwer Behinderten annehmen, und das mit viel froher Hingabe!
Vorweihnachtliche Erlebnisse, die die „Mensch-werdung“ Gottes für mich noch einmal sehr vertiefen.
So hat sich kürzlich eine Mutter von ihrem Kind verabschiedet. Ihr Engel ist ein Junge von sechs Jahren, der seine schwarz gegeelten Haare als “Igelfrisur” trägt. Er hält uns ständig in Atem und hat auch an diesem Tag nach kurzer Zeit für Aufregung gesorgt: In einem unbeobachteten Moment hat er mehrere Rollen Toilettenpapier in die Toilette gestopft, so dass wir in der Kindertagesstätte mal wieder vor einem größeren Sanitärproblem standen. Wir stellen uns Engel eigentlich anders vor…
Was sind Engel eigentlich, und welche Rolle spielen sie für die Kinder?

In der Bibel lesen wir da von Boten Gottes, die wichtige Nachrichten überbringen oder den Menschen in besonderen Situationen beistehen. Sie haben keine magischen Kräfte, sondern handeln im Auftrag Gottes, der durch sie den Menschen seine Liebe zeigen will. Im Alltag können uns Engel Halt geben in einer Welt, die viele Unsicherheiten birgt.
Kinder haben ein besonderes Gespür für die Wirklichkeit von Engeln. Sie können fest daran glauben, dass Engel sie behüten und beschützen und ihnen Wege zeigen, die sie gehen können. Viele Kinder haben ein Bild ihres Schutzengels am Bett, damit er ihre Träume bewacht. Und auch am Tage können sie sich sicher sein: mein Engel lässt mich in keiner Situation alleine. Und letztlich ist es Gottes Liebe, der wir uns alle gewiss sein können. Dieses Gefühl von Schutz und Geborgenheit ist sehr wichtig für Kinder. Ein Bild, ein Anhänger, Geschichten oder auch nur die Vorstellung eines Engels können ihnen helfen, sich immer daran zu erinnern.
In der Bibel sind die Erzählungen der Engel voller Bilder, die die Phantasie anregen. So kann es dann auch sein, dass sich jeder sein eigenes Bild von Engeln macht, oder an Menschen und Kinder denkt, die für sie zum Engel werden: auch mit schwarz gegeelten Haaren und “Igelfrisur”.
Bereits mein zweites Kind ist tief versunken in die Harry Potter Welt. Jede freie Minute hört oder liest meine Tochter die Geschichte des Kindes, das als wehrloser Säugling zum Verheißungsträger seiner Welt wurde und wie es mit ihm weiterging.
Aber je mehr ich mich mit dieser Geschichte befasse, umso gelassener werde ich. Eigentlich kann es ja kaum eine bessere Lektüre zur Adventszeit geben. Die Parallelen zur Jesusgeschichte sind doch enorm.
Neben der schon erwähnten Grundverheißung finde ich z.B. interessant, wen Harry im Laufe seines Lebens als Freunde um sich versammelt.
Ron und seine Geschwister aus der kinderreichen, aber armen Familie.
Hermine, deren Eltern beide „Muggel“ (also Menschen ohne magische Fähigkeiten) sind.
Hagrid, der etwas einfältige, aber liebenswürdige Halbriese.
Neville, der traumatisierte Außenseiter mit den gefolterten Eltern im Sanatorium.
Luna, die etwas weltfremde Träumerin, Sirius, der Flüchtling, Lupin, der Werwolf und so weiter und so fort.
Das ist eine Ansammlung von Antihelden, die mich an das Sammelsurium der Apostel erinnert.
Und zwei Botschaften dieser modernen Weihnachtsgeschichte finde ich noch besonders interessant.
Harry arbeitet sich in der Erzählung lange daran ab, welche Identität er hat und was dabei der entscheidende Faktor ist. Sein großväterlicher Mentor Dumbledore prägt in einem ihrer Gespräche den entscheidenden Satz: „Es sind nicht unsere Fähigkeiten, die uns zu dem machen, was wir sind, sondern unsere Entscheidungen.“
Ein Satz, der auch von Jesus hätte stammen können.
Und schließlich der Schluss, an dem Harry klar wird, dass nur das Selbstopfer, das Setzen auf die Ohnmacht die Seinen retten kann, sein Tod und seine Rückkehr zur letztendlichen Überwindung des Bösen.
Harry Potter spannt den ganzen Bogen von Weihnachten bis Ostern in einer spannenden, gut unterhaltenden Story, die in meinen Augen sogar pädagogisch und politisch einiges zu bieten hat. Was wollen wir als Christen denn mehr?
Also lasst sie doch lesen, hören und sehen.
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