Es ist doch schon einiges passiert in den letzten Tagen und Wochen und ich bin irgendwie nie richtig dazu gekommen irgendetwas aufzuschreiben! Heute berichte ich einfach mal von einigen Kleinigkeiten.
Nachdem ich von meiner Ärzte-Reise wieder kam, startete ich gleich wieder mit Feierlichkeiten! Es stand “Sorhae” an: Während des Sorhaes ziehen die Santhali von Haus zu Haus und bewirten sich gegenseitig mit Getränken, Brot und Fleisch. Ebenso treffen sie sich alle auf der Straße, um zu musizieren und zu tanzen! Die Dorfbewohner kamen zwar nicht ins Ashram, aber ein Lehrer, ein Father und ich besuchten so ziemlich jeden und tanzen auch eine ganze Weile. Echt verrückt wie schnell die Zeit vergeht, wenn dir die Gesprächsthemen nicht ausgehen! SO vergingen gute 5-6 Stunden für eine handvoll Häuser! Zufrieden und sehr gesättigt ging es dann gegen 1 Uhr zurück ins Ashram.
Ein paar Tage später ging es dann mit einigen Mädchen nach Bankura zur Distrikt-Ausscheidung im Koko. Wie Koko nun ganz genau geht habe ich immer noch nicht verstanden. Zumindest ist es ein Laufspiel in dem mit Schnelligkeit und Geschicklichkeit versucht werden muss, die gegnerische Mannschaft zu ticken. Neben Koko gibt es auch noch Kabaddi. Zwei Spiele von denen ich vorher noch nie etwas gehört habe, die jedoch hier im asiatischen Raum wirklich populär sind! Sie sind sogar Bestandteil, der Asien-Games, was immerhin mit einer Europameisterschaft oder ähnlichem vergleichbar ist.
Zumindest haben die Kinder die Stadtmeisterschaft in meiner Abwesenheit schon gewonnen und alle waren bereit auch die Distrikt-Meisterschaft zu gewinnen. Morgens um 7 Uhr ging es mit dem Bus nach Bankura. Dort angekommen hieß es erstmal rund eine Stunde zum Sportplatz laufen! Angekommen wurde sich umgezogen und angemeldet. Irgendwann im Laufe des Vormittags mussten unsere Mädchen dann auch spielen. 2 x 5 Minuten und direktes K.O.-System. Unter dem Strich verloren wir das Spiel und waren ausgeschieden. Danach warteten wir jedoch noch und schauten uns die restlichen Spiele an. Belohnt wurde dies durch ein echt gutes Mittagessen, welches noch an jede Mannschaft verteilt wurde!
Danach hieß es wieder eine Stunde zum Bus laufen. Da dies nun nicht der spezielle Bus vom Morgen war (darauf hätten wir noch vier Stunden warten müssen), konnten wir damit nicht direkt zum Ashram fahren. Ergo mussten wir von der nächst größeren Stadt wiederum 45 Minuten laufen und kamen gegen 16 Uhr wieder im Ashram an! Langer Tag für zehn Minuten Spielzeit, doch für die Kinder war es eine schöne Abwechselung und das andere Team war wirklich besser!
Die letzten Tage verbrachte ich mit dem Pflanzen von 35 kg Kartoffel und mit mehreren Besuchen in verschiedenen Dörfern.
Zu guter Letzt ist nun auch mein Rückflug fest gebucht! Am 19. Juni 2011 werde ich in Hamburg wieder deutschen Boden betreten! Ist irgendwie ein ziemlich komischen Gefühl, da es mir, nach fünf Monaten immer noch so vorkommt, als sei ich gestern los geflogen! Die Zeit vergeht hier rasend – auch wenn es die indische Trägheit nicht gerade verkörpert!
Wünsche Euch allen noch einen schönen ersten Advent, der hier ohne “richtige” Weihnachtsstimmung trotzdem stattfindet!
Ich bin noch ganz beschäftigt mit meinen Eindrücken von einer Fahrt nach Duisburg-Marxloh zur Merkez- Moschee. Diese Exkursion wurde angeboten für Mitglieder des Netzwerkes “Christlich-muslimischer Dialog” im Bistum Osnabrück. Die Moschee ist in jeder Hinsicht sehenswert und beeindruckt durch mehrere Kuppeln, wunderschöne Wandbemalungen, Leuchter, Kacheln und Holzschnitzereien. In einer Führung konnten wir viel über die Arbeit in der muslimischen Gemeinde, der Öffentlichkeitsarbeit und den Integrationsbemühungen vor Ort erfahren.
Noch mehr beeindruckt hat mich allerdings zuvor der Besuch der katholischen Nachbargemeinde. In eher schlichten Räumlichkeiten in einem Stadtteil, der nicht durch schöne Fassaden glänzt, hat uns der Pfarrer von seiner Arbeit erzählt. Von den Ängsten und Befürchtungen einiger Gemeindemitglieder, von der Zeit des Baus der Moschee und vom Leben miteinander. Hier hat die Gemeinde in diesem Stadtteil einiges zu geben. Ich habe viele Gedanken und Anregungen mitgenommen:
- Was macht mich neugierig auf einen Dialog mit Muslimen? Warum will ich mich darauf einlassen?
- Was sind meine Ziele hierbei?
- Welche Fähigkeiten braucht die Auseinandersetzung mit Anders denkenden
- Wie können aus einem profiliertem Glaubensverständnis heraus neue Wege entstehen?
- Welche Grundhaltungen sind dafür notwendig?
An meinem Arbeitsort in der Kindertagesstätte habe ich viele Gelegenheiten, auf Menschen zuzugehen. Die christliche religionspädagogische Praxis ist gut in den Alltag integriert. Dass viele muslimische Kinder die Einrichtung besuchen, kann Möglichkeiten bieten, über den Glauben ins Gespräch zu kommen und einen Dialog auch mit den Erwachsenen zu initiieren.
Dafür kann ich einiges mitbringen: Meine eigene Begeisterung und Überzeugung jeden Tag den christlichen Glauben mit den Kindern zu leben und neu zu entdecken.
Gerade bereite ich eine kleine Begegnung in meinem Heimatdorf vor. Ein evangelischer Pfarrer, ein jüdischer Geistlicher und ich sollen einen Gedenkstein „einweihen“, der an eine 1938 deportierte jüdische Familie unseres Dorfes erinnert und an den späteren Abriss des sogenannten „Judenhauses“ neben unserer Kirche, das ich als Kind noch kannte.
Gebet der Religionen ist heute eine neue und wichtige Herausforderung. Ein gutes Beispiel haben wir kürzlich im Osnabrücker Rathaus erlebt aus Anlass des Symposiums „Was tragen die Religionen zum Frieden bei?“. Es hat mich und wohl alle rund 100 Teilnehmer tief berührt, die heiligen Texte der monotheistischen Religionen zu hören – auch in der Muttersprache – und die Vertreterinnen und Vertreter beten zu hören als Ausdruck des Vertrauens in die Macht und Liebe eines Größeren. Musik und Gesang aus den verschiedenen Kulturen haben das noch unterstrichen.
Beieinander vor Gott zu stehen und einander wahrzunehmen in den Grundakten der Religionen, gemeinsam vor Gott zu stehen im Gedenken an die dunkelste Zeit unserer Geschichte, bewahrt vor dem Vergessen und stärkt die gemeinsame Hoffnung auf Frieden!
Nun ist der Castor in Gorleben angekommen und es kehrt wieder etwas Ruhe ein nach den aufwühlenden Bildern eines eskalierenden Konflikts. Verwunderlich ist dieser Ausbruch wohl kaum, nachdem ein eigentlich bereits befriedeter gesellschaftlicher Konflikt durch die Laufzeitverlängerung neu eröffnet wurde. Aber was kann eine christlich begründete Positionierung in den wahrscheinlich weiter folgenden Konflikten sein?
Ich möchte einige Kriterien vorschlage, die mir jedenfalls hilfreich in der eigenen Positionierung sind.
1. Eine Christ muss sachgerecht entscheiden.
Gott hat uns mit einem Verstand ausgestattet, damit wir zu Entscheidungen kommen, die nicht Unvereinbares voraussetzen. In diesem Fall: Wir können nicht gegen Atomstrom, Kohlekraftwerke, den Ausbau eines leistungsfähigen Leitungssystems, den Ausbau von Windkraftanlagen (und anderen erneuerbaren Energiequellen), die Einschränkung unseres Lebensstils und steigende Strompreise gleichzeitig sein. Das ist wie im echten Leben: es gibt einfach nichts umsonst.
Wenn wir also aus guten Gründen zu der Überzeugung kommen, dass wir eine Energiewende brauchen, dann müssen wir auch bereit sein, die Konsequenzen dieser Überzeugung zu tragen.
2. Ein Christ muss verantwortlich mit den Tatsachen dieser Welt umgehen.
Eine Tatsache dieser Welt ist, dass wir in Deutschland über 20.000 Tonnen radioaktiven Müll haben. Weil er nun mal existiert, müssen wir in den nächsten Jahren gesellschaftlich, politisch und wissenschaftlich verantwortbar zu einer Entscheidung kommen, wo er bleiben soll.
Eine andere Tatsache dieser Welt ist, dass der Klimawandel stattfindet.
Tatsachenverweigerung verschlimmert jedes Problem.
Davon können wir als Kirche ein Lied singen.
3. Ein Christ muss sich für eine gerechte Lastenverteilung einsetzen.
Der Klimawandel wird teuer! Seine Abmilderung auch! Es wird darauf ankommen, diese Lasten nach Leistungsfähigkeit (also solidarisch) und nicht nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen. Und es wird darauf ankommen, die Lasten gerecht zwischen den jetzt lebenden und den kommenden Generationen aufzuteilen.
Da bekommt der Einsatz für das ungeborene Leben noch mal einen ganz neuen Gesichtspunkt.
4. Ein Christ hat immer Grund zur Hoffnung.
Ich kenne einige, die angesichts der Komplexität der Zukunftsfragen und angesichts der Trägheit der Entscheidungswege resignieren. Eine andere Versuchung ist, weil ja eh nichts zu ändern ist, sich die Entscheidungen für das eigene Verhalten vom Hals zu halten. Für Christen dürfte eigentlich beides keine Alternative sein, weil wir aus dem Glauben leben, dass der Mensch nicht der einzige Handelnde ist. Für Christen müsste gelten: Tue, was dir möglich ist und lege alles andere in Gottes Hand. Wer weiß denn, welche Wege Gott findet, von denen wir nichts ahnen?
Vielleicht ist das sogar eine unserer wichtigsten Aufgaben: Menschen der Hoffung und der inneren Freiheit zu sein.
5. Ein Christ muss dem Frieden dienen.
Das schließt grundsätzlich jede Gewaltanwendung aus. Es bedeutet auch, dass wir uns als Christen bereithalten müssen, um als Vermittler in den kommenden Konflikten tätig zu werden. Mit Hochachtung habe ich zur Kenntnis genommen, wie sich die evangelische Kirche im Wendland genau dieser Aufgabe gestellt hat. Mehr davon würde nebenbei auch gegen den Relevanz- und Vertrauensverlust der Kirche in dieser Gesellschaft wirken.
Nachdem mich eine deutsche Ärztin schon im Juli durch Kolkata führte und durch Ashrams reiste, kam sie nun wieder, um Kinder in Pandua und Gurap auf ihre Gesundheit zu prüfen. Bevor ich von meinem Direktor bescheid bekam, dass ich die Ärztin begleiten sollte, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Was ist zu tun? Was kann ich tun? Wie soll eine Ärztin rund 450 Kinder “alleine” untersuchen?
Alles startete für mich damit, einen Tag vor geplanter Abreise aus meinem Ashram nach Kolkata zu fahren. Angekommen, wusste auch keiner so recht wie alles ablaufen sollte. Ich müsse nur am nächsten Morgen, um 7 Uhr fertig sein, da ein Auto mich abholen sollte. Denkste! Fertig gegen sieben began das große Warten. Selbst Edwin, Angestellter und mein Freund, kam pünktlich, um den Fahrer zum Ort der Ärztin zu bringen, da er diesen nicht kannte.
Um es etwas zu vereinfachen: es wurde 11 Uhr, bis wir losfuhren. Doch es blieb nicht nur bei mir und der deutschen Ärztin. Die Ärztin lernte bei ihrem letztem Aufenhalt noch einen Hautarzt und eine Ayurvedic- Spezialistin kennen welche sich mit zwei Freunden, darunter einem Augenarzt entschlossen, uns zu begleiten!
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