Der Blog des Bistums Osnabrück

Land der Armen

Donnerstag, 09. September 2010 von stephan

Fakten über Indien:

-über 46% der Kinder in Indien leiden an Unterernährung und täglich sterben 6000 Kinder an ihren Folgen.

-Indien ist angesichts seiner hohen Bevölkerungszahl auch heute noch das Land mit den meisten Armen in der Welt: 300 Millionen Menschen sind in Indien von „absoluter Armut“ betroffen – mehr als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent.

-Nach Angaben der Weltbank haben heute 44 Prozent der Einwohner Indiens weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung.

- Weniger als 1% der Ausgaben fuer Waffen aller Länder der Welt, wuerde reichen, um alle Kinder kostenlose Schulbildung zu ermöglichen.

Vergangene Woche habe ich an einem “Right To Food Campaign”-Seminar teilgenommen. In diesem Seminar trafen sich Mitarbeiter und Animateure aus verschiedenen Dörfern und Bundesstaaten. Aufgabe dieser Animateure ist es, den Menschen vor Ort zu helfen und ihnen Trainings anzubietet, die ihr Leben vereinfachen.

RTFC unterrichtet Trainer und Animateure inwiefern sie mehr und welche Leisteungen von der Regierung bekommen können. Leider ist es viel zu oft so, dass Angestellte der Regierung es nicht für nötig halten, Menschen ihre vorgesehene Leistung im vollen Umfang zu ermöglichen. So bekommen nicht alle Armen ihren Reis von guter Qualität oder ihre Rente im vollen Umfang. Es wird eher Geld veruntreut ­­­oder der gute Reis verkauft, um alten zu verteilen.

Jedoch wissen viele Menschen einfach nicht, welche Leistungen ihnen zusteht und wie sie diese erzwingen können. Darunter fällt zum Beispiel Pension, Versorgung von Schulkindern, Recht auf 100 Tage Arbeit im Jahr oder wie schon erwähnt die Versorgung von Armen mit günstigem Reis.
RTFC setzt sich also zum Ziel möglichst vielen Menschen diese Informationen zu geben und sie zu animieren sich für ihre Rechte einzusetzen.Dabei arbeiten sie auch eng mit dem Obersten Gericht in Indien zusammen, so dass sie mit ihren Urteilen Druck auf die örtlichen Behörden machen können.

Im Seminar wurden zunächst Ursachen für die momentane Lage gesucht und dann in verschiedene Schemen eingeteilt, in denen nun verstärkt gearbeitet werden soll. Daraufhin wurde erläutert was in den jeweiligen Schemen für die Animateure möglich ist und wie sie die Leistungen wirkungsvoll einsetzen. Am Ende wurde dann ein „Aktionsplan“ für die nächsten drei Monate entworfen. Diesen sollte nun jeder Animateur in etwa einhalten und die Ergebnisse wieder an die Verantwortlichen des RTFC zurück schicken.

Für mich brachte es schon eine ganze Menge. Ich bin erst 8 Wochen in Indien und konnte daher mir noch nicht einen großen Überblick über die Ursachen der Armut und die Arbeit der Animateure machen. Nun hatte ich es jedoch kompakt in zwei Tagen!

Das Kernproblem mit der Kernenergie

Freitag, 03. September 2010 von bruno

Das Thema der Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken wird die Menschheit weit mehr betreffen, als dies die derzeitige politische Diskussion vermuten lässt. Hier wird viel über Wirtschaftlichkeit und die Sanierung des Bundeshaushalts gesprochen oder über die Frage, wie teuer Strom wird, wenn die Kernenergienutzung ausläuft und ob wir genügend regenerative Alternativen haben.

Meiner Meinung nach gehen diese Fragen aber am Kern des Problems vorbei. Das Kernproblem ist nämlich nicht die Finanzierbarkeit oder Ersetzbarkeit, sondern die sichere Lagerung des entstehenden Mülls, der über Jahrtausende !!! gefährlich sein wird.

Wie sollen wir das den kommenden 100 Generationen gegenüber vertreten, dass wir ihnen für ein paar Cent pro Kilowattstunde ein solches Problem hinterlassen?

Dies ist übrigens auch das entscheidende Argument des kirchennahen Forschungsinstituts für Philosophie Hannover gegen eine ethische Vertretbarkeit der Kernenergie. Deren Stellungnahme findet man unter www.fiph.de und in der Veröffentlichung „Kirche – Kernenergie – Klimawandel“.

Wir haben es hier also mit den ganz großen Fragen der Menschheit zu tun, mit Verantwortung, riesigen Zeiträumen, dem Umgang mit der Schöpfung und unserem Verhältnis zum Schöpfer.

Interessanterweise haben das die Entdecker von Uran und Plutonium wohl auch so gesehen, denn sonst hätten sie wohl nicht diese Namen gewählt.

Uranos ist in der griechischen Mythologie der Himmelsgott. Pluto ist ein Beiname des Hades, des Höllengottes. Mit Himmel und Hölle umzugehen, hat ja wohl eindeutig eine religiöse Dimension. Der Mythos geht aber tatsächlich interessant weiter:

Uranos hat etliche Kinder mit der Erdgöttin Gaia. Eines seiner Titanenkinder mit Gaia ist der Gott Kronos (die Zeit). Dieser erhebt sich gegen Uranos, entmannt und entmachtet ihn und wird damit selbst zum Weltbeherrscher. (Modern ausgedrückt ist dies der Gott der Halbwertszeit.) Damit ihm nicht das gleiche mit seinen Kindern passiert, verschlingt er diese vorsorglich. Unter ihnen übrigens auch den Hades (Pluto).

Von seinen Kindern wird nur Zeus von seiner Mutter Rhea gerettet. Zeus erhebt sich auch prompt gegen seinen Vater, entmachtet diesen seinerseits und zwingt ihn, seine Geschwister wieder auszuspeien.

Auch Zeus hat eine ganze Menge Kinder. Zwei davon sind die Zwillinge Castor und Pollux, von denen Castor sterblich und Pollux unsterblich ist.

Castor ist also der sterbliche Urenkel von Uranos. Ob das die Entwickler der Castorbehälter wissen? Aber passend ist es ja schon, weil es zeigt, dass sich noch unsere Urenkel und deren Urenkel und deren Urenkel mit dem Transport und der Sicherung strahlender Abfälle befassen müssen.

Und was heißt das nun aus christlicher Perspektive?

Am Anfang des Markusevangeliums steht das für mich in dieser Frage entscheidende Wort

„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! “ (Mk 1,15)

Umkehr heißt griechisch „Metanoia“ und bedeutet nicht nur „sich umdrehen und einen anderen Weg gehen“, sondern wörtlich: umdenken, neu denken.

Wir brauchen diese „Metanoia“ – schnell!

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