Der Blog des Bistums Osnabrück

Das Kernproblem mit der Kernenergie

Das Thema der Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken wird die Menschheit weit mehr betreffen, als dies die derzeitige politische Diskussion vermuten lässt. Hier wird viel über Wirtschaftlichkeit und die Sanierung des Bundeshaushalts gesprochen oder über die Frage, wie teuer Strom wird, wenn die Kernenergienutzung ausläuft und ob wir genügend regenerative Alternativen haben.

Meiner Meinung nach gehen diese Fragen aber am Kern des Problems vorbei. Das Kernproblem ist nämlich nicht die Finanzierbarkeit oder Ersetzbarkeit, sondern die sichere Lagerung des entstehenden Mülls, der über Jahrtausende !!! gefährlich sein wird.

Wie sollen wir das den kommenden 100 Generationen gegenüber vertreten, dass wir ihnen für ein paar Cent pro Kilowattstunde ein solches Problem hinterlassen?

Dies ist übrigens auch das entscheidende Argument des kirchennahen Forschungsinstituts für Philosophie Hannover gegen eine ethische Vertretbarkeit der Kernenergie. Deren Stellungnahme findet man unter www.fiph.de und in der Veröffentlichung „Kirche – Kernenergie – Klimawandel“.

Wir haben es hier also mit den ganz großen Fragen der Menschheit zu tun, mit Verantwortung, riesigen Zeiträumen, dem Umgang mit der Schöpfung und unserem Verhältnis zum Schöpfer.

Interessanterweise haben das die Entdecker von Uran und Plutonium wohl auch so gesehen, denn sonst hätten sie wohl nicht diese Namen gewählt.

Uranos ist in der griechischen Mythologie der Himmelsgott. Pluto ist ein Beiname des Hades, des Höllengottes. Mit Himmel und Hölle umzugehen, hat ja wohl eindeutig eine religiöse Dimension. Der Mythos geht aber tatsächlich interessant weiter:

Uranos hat etliche Kinder mit der Erdgöttin Gaia. Eines seiner Titanenkinder mit Gaia ist der Gott Kronos (die Zeit). Dieser erhebt sich gegen Uranos, entmannt und entmachtet ihn und wird damit selbst zum Weltbeherrscher. (Modern ausgedrückt ist dies der Gott der Halbwertszeit.) Damit ihm nicht das gleiche mit seinen Kindern passiert, verschlingt er diese vorsorglich. Unter ihnen übrigens auch den Hades (Pluto).

Von seinen Kindern wird nur Zeus von seiner Mutter Rhea gerettet. Zeus erhebt sich auch prompt gegen seinen Vater, entmachtet diesen seinerseits und zwingt ihn, seine Geschwister wieder auszuspeien.

Auch Zeus hat eine ganze Menge Kinder. Zwei davon sind die Zwillinge Castor und Pollux, von denen Castor sterblich und Pollux unsterblich ist.

Castor ist also der sterbliche Urenkel von Uranos. Ob das die Entwickler der Castorbehälter wissen? Aber passend ist es ja schon, weil es zeigt, dass sich noch unsere Urenkel und deren Urenkel und deren Urenkel mit dem Transport und der Sicherung strahlender Abfälle befassen müssen.

Und was heißt das nun aus christlicher Perspektive?

Am Anfang des Markusevangeliums steht das für mich in dieser Frage entscheidende Wort

„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! “ (Mk 1,15)

Umkehr heißt griechisch „Metanoia“ und bedeutet nicht nur „sich umdrehen und einen anderen Weg gehen“, sondern wörtlich: umdenken, neu denken.

Wir brauchen diese „Metanoia“ – schnell!

Dieser Beitrag wurde am Freitag, 03. September 2010 um 12:10 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Krenzels Kanzel abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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6 Kommentare »

  1. Der Clou an Radiaktivität ist doch aber, daß sie entweder hoch und gefährlich ist, dafür aber sehr kurze Halbwertzeiten aufweist, oder hohe Halbwertzeiten und dafür schwach und weitgehend ungefährlich ist. Das heißt der radioaktive Müll wird zwar Jahrtausende lang strahlen, aber nur einige Jahrzehnte wirklich gefährlich sein. Die größte Menge an Radioaktivität wird der Müll bereits abgestrahlt haben, bevor er endgelagert wird.

    Nichts gegen ein Umdenken, wenn da was Sinnvolles rauskommt. Das sollte m.E. aber nicht bei der Art und Weise der Stromproduktion sondern bei der Frage des Stromverbrauchs ansetzen. Wir haben einfach einen zu hohen Energiebedarf. Skylla und Charybdis gehören auch in die griechische Mythologie…

    Kommentar: Vincentius Lerinensis – 03. September 2010 @ 16:24

  2. Das wäre ja schön, wenn hochradioaktives Material schnell seine Gefährlichkeit verlieren würde. Warum aber gibt es dann noch kein Endlager?
    Tatsache ist:
    Plutonium 239 z.B. ist hochradioaktiv und hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren. Das muss man also 200.000 Jahre sicher lagern! (Bereits Mikrogramm sind für einen Menschen tödlich).
    Cäsium braucht “nur” rund 30 Jahre, bis die Hälfte in Zerfallsprokukte übergegangen ist. Damit ist aber die andere Hälfte noch da und immer noch gleich gefährlich. Es kommt also auf die Gesamtmenge des radioaktiven Abfalls an, ab wann eine Lagerstätte als ungefährlich gelten kann.
    Selbst bei Cäsium wären das immer noch Jahrhunderte.
    Wir haben aber einen Mix unterschiedlichster Stoffe vor uns. Insgesamt ist es leider einfach so, dass wir über Jahrtausende mit hochradioaktiven Abfallprodukten zu tun haben werden.

    Allerdings spricht wirklich viel dafür, durch Stromverbrauchreduzierung Kraftwerke überflüssig zu machen und Geld zu sparen.

    Kommentar: bruno – 04. September 2010 @ 16:28

  3. Ein Kernproblem mit der Kernenergie ist lösbar,
    wir können den Stromtarif wechseln.
    Privat beziehen wir seit längerem Strom aus „erneuerbarer Energie“.
    Ein wichtiges Signal hat jetzt unser Nachbarbistum Hildesheim gesetzt, die künftig auf Atomstrom verzichten wollen und einen Rahmenvertrag zum Bezug von „Naturstrom“ abgeschlossen haben. Allen Gemeinden wird auch empfohlen erneuerbare Energiequellen zu nutzen.
    Wäre das nicht auch ein wichtiger Schritt für unser Bistum.
    Wenn alle Bistümer und kirchliche Einrichtungen diesen Schritt mitgehen würden, wäre es nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Schöpfungsverantwortung, sondern auch es starkes politisches Signal.

    Kommentar: Thomas Warmbold – 08. September 2010 @ 09:24

  4. Ich schließe mich bruno an – Umdenken bitte nicht nur in der Politik. Es ist etwas kurz gesprungen, nur andere springen zu lassen. Auch wir selbst müssen umdenken und unseren Stzromvberbrauch reduzieren. Auch das gehört zum verantwortungsvollen (christlichen) Umgang mit der Umwelt durch uns Menschen.

    Kommentar: Osnablogger – 08. September 2010 @ 22:15

  5. Plutonium 239 bestätigt, was ich schrieb. Die abgegebene Radioaktivität besteht überwiegend aus Alpha-Teilchen, die praktisch ungefährlich sind. Gegen diese Art der Radioaktivität hilft tatsächlich die altbekannte Aktentasche. Genaugenommen bereits ein Blatt Papier. Selbst ohne Schutz auf der nackten Haut führt Alphastrahlung in der Regel zu keinen nennenswerten Schäden, da kaum ein Teilchen über die sowieso schon toten Hautschichten hinauskommt.

    Kommentar: Vincentius Lerinensis – 09. September 2010 @ 18:00

  6. Absolut richtig. Alpha-Strahlung (das sind Heliumatomkerne) ist super simpel abzuschirmen. Das ist aber auch nicht der Grund, warum die IAEO oder das Bundesamt für Strahlenschutz Plutonium in die Klasse der hochradioaktiven Stoffe einordnet und eben auch nicht empfiehlt, Plutonium in Butterbrotpapier gewickelt in der Aktentasche zu lagern.
    Es ist einfach hoch giftig und seine Alpha-Strahlung dann sehr gefährlich, wenn sie im Oranismus stattfindet. Dort entfaltet sie eine zellzerstörende Wirkung. Daher muss alles daran gesetzt werden, Alpha-Strahler wie Plutonium und Uran aus dem biologischen Kreislauf zuverlässig zu isolieren.
    Sie dürfen weder über die Luft in die Lunge, noch über Wasser oder die Nahrungskette aufgenommen werden. Und dabei ist deren Langlebigkeit eben auch ein erhebliches Problem. Das erste Zerfallsprodukt von Plutonium 239 ist Uran 235 mit einer Halbwertszeit von 704 Mio. Jahren. Auch nicht gerade gesundheitsfördernd.

    Die Wissenschaftler, die seit Jahrzehnten im Auftrag der Regierungen über die Endlagerfrage forschen und Kriterien entwickeln, die ein solches Lager erfüllen muss, sind doch keine hysterischen Ökospinner!

    Eine einigermaßen neutrale Erstinformation bietet in meinen Augen Wikipedia mit diesem Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Radioaktiver_Abfall

    Kommentar: bruno – 10. September 2010 @ 08:33

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