Der Blog des Bistums Osnabrück

Für fünf Euro mehr Gerechtigkeit?

Dienstag, 28. September 2010 von bruno

Die Debatte um die Hartz IV Sätze hat eine große emotionale Aufladung. Und das ist auch nicht besonders verwunderlich, weil es ja um gewichtige Fragen unserer Gesellschaft geht. Wie fair geht es zu? Was braucht ein Mensch zum (über-)leben? Ab wann lohnt sich Arbeit nicht mehr? Wie viel Bereitschaft zur Solidarität bringt jeder und jede Einzelne mit und wo hört der Spaß auf?

Das ist ein gefundenes Fressen für alle Populisten, Polemiker und Hysteriker aber eben auch die große Stunde der Statistiker und Sozialwissenschaftler, so dass es ungeheuer schwer ist, in dieser Gemengelage richtige Entscheidungen oder eigene Positionen zu entwickeln. 

Ich nehme mich da durchaus mit ein. Meine erste Reaktion auf die fünf Euro Erhöhung war ein Kopfschütteln. Wenn man die Erwartungen sieht und den Aufwand, der mit der Neuregelung verbunden war und die Relationen zu anderen Entscheidungen (Finanzkrisenrettung, Laufzeitverlängerung, Steuererleichterungen an anderer Stelle…), dann wirken diese fünf Euro lächerlich. Noch irritierender fand ich die Bewertung des Grundbedarfs von Kindern. Meine Kinder jedenfalls haben einen höheren Bedarf als ich und faktisch entstehen bei unseren Kindern auch die höheren Ausgaben.

Aber wie gesagt: Hier richtige und gut begründete und gerechte Entscheidungen zu treffen, stelle ich mir als schwierig vor. Daher soll es hier nicht um Politikerschelte gehen, sondern vielmehr um die Frage, welchen Beitrag unsere Kirchengemeinden und Verbände leisten können, um in dieser Situation einen Beitrag zur sozialen Integration der „Armen“ zu leisten. Denn neben den Kategorien „warm“, „satt“, „sauber“ gibt es ja auch das wesentliche Bedürfnis nach Teilhabe am sozialen Leben. Das sind unsere klassischen Stärken als Kirche, die wir hier einbringen können und die wir nicht allein an die Caritas als Fachverband delegieren sollten.

Hier gibt es viele gute Beispiele, aber sicher noch Luft nach oben.

Ich schlage daher vor, drei Kontrollfragen in Pfarrgemeinderäten, Kirchenvorständen oder Verbänden zu stellen:

  • Kennen wir „unsere Armen“?
  • Was können wir tun, damit unsere Veranstaltungen (Ferienfreizeiten, Wallfahrten, Gruppenaktivitäten…) auch von finanziell und sozial Schwächeren genutzt werden können?
  • Was haben Menschen, die nicht zu uns gehören, davon, dass es uns gibt?

Ein neuer Dialog

Dienstag, 28. September 2010 von bibo

Dialog. Dieses Zauberwort ist mir in der letzten Woche nicht aus dem Sinn gegangen. Nach den Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlusten der vergangenen Monate in Kirche und Gesellschaft scheint der Dialog eines der wichtigsten Gegenmittel zu sein. Denn wo Menschen sich nicht gegenseitig wahr-nehmen, das heißt die Wahrheit des anderen zu verstehen suchen, kommt es zu Missverständnissen, Misstrauen und Vorurteilen. Dialog meint, wirklich aufeinander zu hören, sensibel füreinander zu sein und zuweilen auch um die Wahrheit in Wahrhaftigkeit zu ringen.

Ich bin sehr froh, dass wir uns sowohl im Bistum als auch in der Bischofskonferenz zu neuen Formen des Dialogs entschlossen haben. Dadurch sind wir davor bewahrt, auf die aktuellen Fragen und Probleme zu harmlos oder zu hysterisch zu reagieren. Ob die Erfahrungen aus den Missbrauchsskandalen wirklich Spuren hinterlassen oder nur Staub aufwirbeln, muss sich jetzt zeigen. Es könnte eine abendliche Gewissensfrage für mich persönlich werden: Welche Spuren hast du heute hinterlassen oder wieviel Staub? Waren die heutigen Begegnungen tatsächlich Dialoge oder eher Monologe zu zweit?

Auch der Dialog mit Gott lebt zunächst mehr vom Hören als vom Reden. Beten bedeutet nicht nur, Worte vor Gott zu machen, sondern zuerst einmal still zu werden, um zu horchen. Das kann zu einer echten Geduldsprobe werden, weil ich und wir auch mit dem Schweigen Gottes rechnen müssen…

Das Ashram

Donnerstag, 23. September 2010 von stephan

Wo bin ich hier eigentlich?

Viele wissen nun ja doch schon, dass ich bis zum Juni 2011 in Indien sein werde. Doch wo?

Mit diesem Bericht will ich euch meinen Arbeitsplatz, das Shanti Sadan Ashram einmal näher bringen.Geführt und geleitet wird es von den Jesuiten der Kolkata Provinz.

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Bunte Vielfalt

Freitag, 17. September 2010 von bea

Fast jeden Tag kann man in der Presse Berichte über Integration und damit verbundene Konflikte im Zusammenleben zwischen Christen und Muslime lesen. Häufig geht es dabei um Einzelsituationen und Ängste, die durch das Fremde begründet sind.

Durch viele Diskussionen und Talkrunden wächst scheinbar auch die Angst, dass eigene Äußerungen missverstanden oder fehlinterpretiert werden können.

Schaue ich doch mal auf meine eigenen konkreten Kontakte und Erfahrungen mit Menschen aus anderen Herkunftsländern:  Wie sehen diese im Alltag aus, wie häufig und wie intensiv sind diese Begegnungen? Ich habe das Glück, in einer Kindertagesstätte zu arbeiten, in der sich jeden Tag eine große Vielzahl an Unterschiedlichkeiten auf vielen Ebenen begegnet:

Menschen unterschiedlichen Alters von der Krippe bis zur Tagespflege, Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion. Bin ich offen und interessiert, habe ich zahlreiche Möglichkeiten,  den anderen näher kennen zu lernen und dadurch Neues zu entdecken, Gewohntes in meinem Leben zu überprüfen und mich in meinen eigenen Einstellungen ständig weiter zu entwickeln.

Dabei gibt es Momente, die zutiefst menschlich sind und mich sehr berühren. Viele Eltern äußern ihre Ängste und Wünsche, die sie für die Zukunft ihrer Kinder haben – und die sind sehr ähnlich auch in den verschiedenen Kulturen. Durch solche Begegnungen entwickelt sich gegenseitiges Vertrauen und eine Verantwortung, Prozesse wie z.B. Integration oder den Dialog zwischen den Religionen aktiv mit zu gestalten.

In einem solch “bunten” Rahmen zu leben und zu wachsen bietet Kindern und Familien große Chancen, die Gesellschaft zukünftig so zu gestalten, dass ein friedvolles Zusammensein möglich ist.

Fragen nach dem Glück

Dienstag, 14. September 2010 von bibo

„Was braucht der Mensch zum Glück?“ Mit dieser Frage wurde ich bei einer Begegnung mit rund 70 jungen Leuten einer Berufsbildenden Schule konfrontiert. Wir kamen in ein interessantes Gespräch über Voraussetzungen zum persönlichen Glück. Gesundheit, eine gute und erfüllende Aufgabe, gelingende Beziehungen, Freiheit und Eigenverantwortung und vieles andere mehr standen zur Debatte. Besonders auch die Frage nach Gott, Glaube und Kirche. Ob man den Glauben an Gott oder gar die Kirche zum Glück braucht, wurde sehr unterschiedlich beantwortet: vom Glück ohne Gott bis zum Glück nur mit Gott. Für mich selbst gehören gelingende Beziehungen, eine erfüllende Aufgabe und das Vertrauen, von einem Größeren getragen zu sein, zum Glück dazu.

Für diesen durchaus anstrengenden und herausfordernden Tag war diese intensive Begegnung ein Moment von Glück, der mir noch lange nachgehen wird. Auch, weil mich etwas nicht loslässt: Brauchen wir Gott zum Glück? Die Frage ist verräterisch. Wenn wir Gott „brauchen“, bauen wir ihn als Instrument zu unserem Glück in unser Kalkül ein. Er wird eine Funktion zum Glück. Dann bleibt er nicht der immer Größere und unserer Verfügung entzogene.

Bei der Kirche könnten wir eher so fragen, denn die Kirche ist nicht Gott. Auch fragen viele: Brauche ich die Kirche auf dem Weg zu Gott? Dafür sprechen gute Argumente, denn niemand geht den Weg seines Lebens, seiner Freiheit, seines Glaubens ohne eine Gemeinschaft; er wird nicht er selbst ohne ein WIR.

Vielleicht dürfen oder müssen wir sogar die Frage nach Gott und Glück noch anders stellen: Brauchen wir das Glück, um Gott zu finden? Sehr viele Menschen finden ja gerade in der Durch-Kreuzung ihres Lebens zu Gott als dem Stärkeren in unserer eigenen Schwäche.

Das Glück, das Staunen ist ein (wichtiger) Weg hin zu Gott, aber eben nicht der einzige. Es gibt so viele Wege zum Glück, wie es Menschen gibt; es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt. Ich selbst glaube allerdings als Christ daran, dass Gott uns in Christus selbst entgegenkommt. Ich glaube, dass der Weg nicht nur von mir zu ihm führt im Suchen, sondern noch mehr von ihm zu mir, um mich zu suchen und mich zu finden.

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