Nach einiger Zeit melde ich mich auch wieder zu Wort. Alles läuft bisher ziemlich gut und ich habe “Glück”, dass ich nicht im Nachbarashram arbeite, denn dieses ist nach großen Krankheitswelle mit über 50% kranken Kinder erstmal für eine Woche (noch bis morgen) geschlossen.
Heute versuche ich euch das Essen etwas schmackhaft zu machen. Zuallererst muss man “Essen” etwas abgrenzen. Werde es in drei Teile aufteilen. Zum einen in meinen ersten Wochen in Kolkata, meiner Stelle hier in Mirga und unterwegs.
Die erste Zeit in Kolkata war doch schon etwas schärfer wenn man es sagen kann. Kaum angekommen, wurde eine Stunde später schon Mittag gegessen. Eine eine scharfe Begrüßung. Für Europäer ist es zumindest zuerst doch wirklich scharf. Nur der Reis nicht
. Am Anfang war es einfach ziemlich fies, dass auch Sachen die “unscharf” aussehen oder die ich vorher als “unscharf” kannte, feurig sein können. So können dir hier Kartoffelstreifen schon ein schweißnasses T-Shirt besorgen.
Jedoch muss ich dazu sagen, dass die Anfangszeit im Udayani Office echt gut war und ich immer gewarnt wurde noch nicht die Chillies zu essen und sie extra nicht so scharf gekocht haben.
Im Office wurde auch jeden Vormittag/Mittag frisch gekocht. Morgens gab es oft, zumindest für mich untypisch, Fertignudeln mit Ei (dim) oder Omlett , Chiabatti (dünner Teig, in/auf der Pfanne gebacken) . Mittags und Abends dann jeweils etwas Fleischiges, Gemüse, Reis (bhat) und Dal (Linsenbrei/Suppe). Abends wurden dann immer die Reste des Mittags verzehrt, Freitags war der fleischfreie Tag. mehr…)
Allmählich sacken die Bilder der Ministrantenwallfahrt nach Rom und das Schlafdefizit wird kleiner. Was bleibt nach einer Woche sehr intensiver Erfahrungen mit knapp 500 Jungendlichen aus diesem Bistum?
Zunächst ein sehr angenehmer Eindruck von den Jugendlichen, die wir dabei hatten. Natürlich hatten wir auch bei ihnen die leicht Nervigen, die leicht schüchtern Unauffällligen, die Vielredner und Wenigschlafer, die Zimmerwechsler und Verschlafer – halt Jugendliche ab 14 Jahren. Aber insgesamt mache ich mir bei dieser “Jugend von heute” wenig Sorgen. Sicher ist die soziale Zusammensetzung unter Ministranten nicht repräsentativ, aber gerade deshalb finde ich es richtig, diese Jugendlichen im Blick zu behalten. Sie werden die Leistungs- und Verantwortungsträger dieser Kirche und dieser Gesellschaft werden.
Als zweites fallen mir die Liturgien ein. Besonders schön die Messe mit den Freunden aus den Diözesen Hildesheim und Hamburg in der Kirche Il Gesu. 1.2oo Ministranten in einer Kirche, sehr aufmerksam, sehr dicht, tolle Musik, eine verständliche, jugendgemäße Predigt – das hat Seltenheitswert und ist für mich der Beweis, dass es nicht auf ausgefuchste liturgische Geländespiele ankommt, um Menschen wirklich innerlich zu beteiligen, sondern auf klare Formen, klare Sprache und gute Musik.
Was mich sehr nachdenklich stimmt sind die Erfahrungen auf dem Petersplatz. Das “Begrüßungsprogramm” des europäischen Ministrantenbundes habe ich selbst als langweilig und minimal beteiligend erlebt. Mein Eindruck war, dass sich die meisten Jugendlichen ebenfalls gelangweilt haben. Und auch bei der Generalaudienz konnte ich weder etwas sehen, noch etwas verstehen/hören. Das mag an meiner Position auf dem Petersplatz gelegen haben, aber es ist irgendwie auch symptomatisch. Die Kommunikation zwischen der Kirchenspitze und den Jugendlichen bleibt prekär. Nicht nur, dass sie eh eine Einbahnstraße ist, vieles wird auch schlicht nicht mehr verstanden. Die meisten Jugendlichen in meinem Blickfeld waren dementsprechend mit anderem beschäftigt. Die bedeutsamen Erfahrungen dürften wohl an anderer Stelle stattgefunden haben.
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