Der Blog des Bistums Osnabrück

Starke Kinder

Dienstag, 31. August 2010 von bea

In diesem Jahr finden in Europa zahlreiche Veranstaltungen gegen Armut und Ausgrenzung statt. Immer deutlicher wird dabei: Besonders viele Kinder sind von Armut betroffen und leiden darunter.

In der Kindertagesstätte versuchen wir das in unserer Alltagsgestaltung zu berücksichtigen und durch verschiedene Angebote Familien Begleitung und Unterstützung anzubieten. Erschreckend ist, dass Armut häufig nicht der einzige Risikofaktor ist, dem manche Kinder ausgesetzt sind:

Migrationshintergrund, Arbeitslosigkeit der Eltern, niedriger Bildungsstand, Vernachlässigung, Gewalt, psychische Erkrankung, häufig wechselnde Partnerschaften sind Faktoren, die nicht unbedingt im Einzelnen, aber in ihrer Häufung ungünstig auf die Entwicklung der Kinder auswirken können. Viele leiden unter diesen Belastungen, doch es gibt auch immer wieder Kinder, die sich trotz dieser Risiken zu leistungsstarken Persönlichkeiten entwickeln. “Resilienz” heißt diese psychische Widerstandskraft Entwicklungsrisiken gegenüber.

Wir sind überzeugt davon, dass wir durch ein gutes Bildungsangebot und vor allem durch eine gute Erzieher-Kind-Beziehung diese Kinder “stark” machen können. Dazu gehört die Förderung von verschiedenen Fähigkeiten und vor allem das Angebot, den eigenen Glauben zu entdecken. In der religiösen Erziehung erleben die Kinder, dass die Menschen von Gott bejaht und deshalb wertvoll und liebenswert sind. Sie erfahren, dass einer da ist, der sie kennt und liebt und im Gebet angesprochen werden kann. Der Glaube kann somit ein wichtiger Schutzfaktor für die Entwicklung von Kindern sein, und sie “stark “ gegenüber Belastungen machen.

Wir sind den Kindern gute Vorbilder wenn wir zeigen, dass wir unseren Glauben leben.

Gibt es Situationen, in denen Du dich stark gefühlt hast, weil du glaubst?

Von Weisheitszähnen und einem neuen Taubenschlag

Montag, 30. August 2010 von bibo

Hallo, ich bin wieder da nach dem großen Messdienertreffen in Rom und einem ruhigen, leider viel zu kurzem Urlaub im Schwarzwald. Angekommen im Alltag, fällt es mir noch ein wenig schwer, neu Tritt zu fassen. Es gibt viel Post und viele Terminanfragen. Dazu ist mir gerade der letzte meiner Weisheitszähne gezogen worden.
Zwei Dinge gehen mir aus den letzten Tagen nach: Ein Gottesdienst zur Landesgartenschau in Bad Essen unter dem Leitwort „Sehnsucht nach dem (verlorenen) Paradies“ und die für unser Bistum erstmalige Einweihung eines „Columbariums“ (wörtlich: „Taubenschlag“; das ist ein Ort für die Urnen von Verstorbenen in einer Kirche).
Viele Menschen aus allen Generationen waren dabei: Hier ein hohes Interesse an der Schönheit der Schöpfung, ihrer Bewahrung und Pflege – dort ein hohes Interesse am Umgang mit Sterben und Tod, am Übergang vom irdischen Leben in ein anderes. Sehr tiefgehende Fragen und Gespräche entwickelten sich um diese beiden Erfahrungen.
Ich denke, dass wir als Kirche dafür noch wacher sein sollten: Wo kann ich leben? Wie kann ich leben? Woraus kann ich leben? Wofür lebe ich? Wohin führt das alles? Ort, Lebensweise, Quelle, Sinn und Ziel beschäftigen junge wie ältere Menschen, wenn auch unterschiedlich.
In der mir heute durch meinen nicht mehr vorhandenen Zahn geschenkten Auszeit kann ich mich selbst wieder einmal auf besondere Weise mit diesen Fragen beschäftigen. Vielleicht werde ich so auch erfahren, ob nach der Entfernung der „Weisheitszähne“ die Weisheit eher geht oder wächst.
Wir werden sehen.

Mein Geburtstag

Mittwoch, 25. August 2010 von stephan

Mirga, 21.08.2010

Einer der ganz speziellen Tage im Auslandsjahr!

Eigentlich fing mein Geburtstag schon am 20.08. an. Zurückgekommen von einem Fußballtunier, welches ich mir mit einem Lehrer ansah, war mein ganzes Zimmer farbenfroh geschmückt! Sieht eigentlich echt nicht schlecht aus! Abends hatte ich dann leider nichts mehr zu melden und ich bekam Zimmerarrest, da die Kinder für eine Show am nächsten Tag proben wollten.

Nachdem ich in der Nacht schon einen Anruf von der Familie bekam, schlief ich aber doch ziemlich gut, ehe der Wecker un 5.30Uhr klingelte!

Aufstehen, fertig machen und auf geht’s zu einer Messe welche um 6 Uhr zu meinen Ehren gehalten wurde! Diesmal habe ich sogar ziemlich alles verstanden, da es nicht wie sonntags, nur auf Santhali gesprochen wurde, sondern alles ins Englische übersetzt worden ist.

Daraufhin wurde der “Altar”-Tisch schnell weggeräumt und ich fand mich auf einem Stuhl wieder.

Es wurde nun Happy Birthday gesungen und dass sogar mit 3 verschiedenen Strophen! Exellent und klang auch echt schön begleitet mit Trommeln und Harmonium! Danach gab es  Geschenke! Ich bekam Blumen, eine Blumenkette und ein großes Handtuch!

Nun ging es mit einer zweistündigen Show weiter, in der die Kinder alles zeigten, was sie konnten. Ich liebe diese Shows! Auch hier wurden nun auch englische Stücke/Gedichte eingeübt und vorgetragen!

Schon einen Tag vorher entschieden wir, dass wir die Kinder nicht zur Schule schicken würden, um hier ein Fußballtunier zu veranstalten. Ehe es losging kam auch schon das Mittagessen, welches ich spendierte. Es gab keine Ratte, welche ich hier auch schon genießen durfte, sondern Hühnchen und Lancha.

Lancha ist eine Art Blätterteig in Zuckersirup eingelegt, also ähnlich wie roshagolla. Die Hühnchen kamen lebend…. und ich ging Fußballspielen.

Nach ausgiebigen Spielen wurde sehr gut gegessen. Danach stand der Nachmittag zu freien Verfügung für die Kinder. So dass alle spielten oder ihre Liederbücher vervollständigten.

Ein Lehrer und ich begaben uns jedoch zum nächst größeren Markt nach Chhatna, um einige Besorgungen für den Abend zu holen.

Am Abend erwartete ich die Father der umliegenden Ashrams, um mit ihnen etwas zu feiern. So bekam ich sogar noch einen Geburtstagskuchen mit 100% Zuckerglasur. Aber doch irgendwie lecker. Sie blieben von 18-21Uhr und wir aßen mehrere Variationen von Hühnchen und allerei Snacks.

Echt ein schöner Geburtstag für mich, auch wenn man sich das ein oder andere Mal vorgestellt hat wie er wohl in Deutschland gewesen wäre!

Und da ich in Kolkata bin, gibt es sogar Fotos!! :>

No Angel

Donnerstag, 19. August 2010 von bruno

Der Fall (im doppelten Sinne) der Nadja Benaissa bewegt mich doch so, dass ich versuchen möchte, mich auf das dünne Eis eines Kommentares zu begeben.

Natürlich war und ist sie kein Engel. Die mediale Inszenierung hat ja sogar ausdrücklich mit dem Image des Verruchten gespielt. Und auch jetzt ist die Mischung aus Sex, Krankheit und Verbrechen ein großartiger Aufmacher, um die Sensationslust zu bedienen. Ihre Lebensbeichte vor Gericht hinterlässt bei mir allerdings viel weniger das Gefühl der Empörung oder Anklage, sondern eher Mitleid und Traurigkeit. Wie viel Verantwortungsbewusstsein kann man einem Mädchen zutrauen, das viel zu früh mit Drogen, Sexualität, dem Druck medialer Öffentlichkeit und Mutterschaft konfrontiert wurde? Mir will es einfach nicht gelingen, die eindeutige Täter – Opfer – Einordnung mitzuvollziehen. Natürlich tun mir auch die betroffenen Männer leid, aber andererseits müssen sie sich auch fragen lassen, was sie denn zum gegenseitigen Schutz beigetragen haben und welche Verantwortung sie eigentlich aus einer sexuellen Begegnung ableiten.

Dieser gefallene Engel gibt sicher Anlass, sich über einige Themen grundsätzlich Gedanken zu machen. Ich will es hier beim Thema Sexualität belassen – schon weil es der Klassiker im kirchlichen Kontext ist.  Mir ist klar, dass die kirchliche Sexualmoral kaum noch eine gesellschaftliche Rolle spielt und die Kirche daran nicht ganz unschuldig ist. Es gibt tatsächlich ein Plausibilitätsproblem, wenn vor allem alleinstehende, ältere Herren auf diesem Gebiet die Richtung vorgeben. Ich halte es auch für schwierig, wenn die Kirche mindestens in der Außenwahrnehmung in Fragen der Sexualität eher über Verbote spricht als über die lebensbereichernden Seiten.

Aber wer oder was tritt alternativ an die Stelle der Kirche? Wo finden Menschen jenseits der sachlichen Aufklärung (die wirklich gut ist) eine inhaltliche und soziale Orientierung über den “guten” Umgang mit Sexualität? Wer stellt sich öffentlich der Frage, was wir Heranwachsenden noch vermitteln wollen, die vor jeder eigenen sexuellen Erfahrung bereits jede Spielart der Sexualität im Fernsehn oder Internet gesehen haben? Wie gehen wir mit diesen Tatsachen auch nach Katastrophen wie der auf Ameland um? Sexualpädagogen sprechen davon, dass Jugendliche heute ”overscripted” sind. (Zum Beispiel heute in der NOZ Konrad Weller.) Das trägt offenbar eher zur Verunsicherung bei.

Vielleicht sollten wir als Kirche doch wieder deutlicher machen, was es unserer Meinung nach mit der Sexualität auf sich hat und dass es uns nicht darum geht, den Menschen den Spaß zu verleiden, sondern dass es um gelingendes Leben geht. Denn menschliche Sexualität kann wunderbar und schrecklich sein, sie schafft Bindung, möglicherweise Leben, manchmal eben auch Tod. Auf jeden Fall macht sie Menschen auch verletzlich und deshalb spielen Behutsamkeit, Verantwortung, Treue, eine gewisse soziale Reife etc. eine bedeutende Rolle.

Es mag sein, dass die Grenzen, die Kirchen in Fragen der Sexualität gezogen haben, korrigiert werden müssen. Die derzeit herrschende totale Entgrenzung kann aber zu schweren Körper- und Seeleverletzungen führen, die jetzt exemplarisch an diesem No Angel in die Öffentlichkeit gezerrt werden. Ich glaube, wir schulden den Menschen ein Modell gelingenden Lebens – auch auf dem Gebiet der Sexualität, das von dieser Welt ist. Ob Erzbischof Zollitzsch das meinte, als er auf “Phoenix” meinte, dass die Kirche ihren Umgang mit Sexualität ändern müsse? (Das stand auch heute in der NOZ.)

Die kleinen Freuden

Dienstag, 17. August 2010 von bea

Der Urlaub ist zuende, die Koffer sind längst ausgepackt, Fotos schon mehrfach durchgesehen und die Arbeit geht wieder ihren gewohnten Gang. In der letzten Zeit habe ich viel Urlaubspost erhalten. Unter anderem eine Karte, auf der ein kleines Mädchen abgebildet ist, was am Strand hockt und staunend und glücklich zugleich in die aufschäumenden Wellen blickt. Darunter steht ein Spruch von J. Webster:

“Es sind nicht die großen Freuden, die am meisten zählen. Es kommt darauf an, aus den kleinen viel zu machen.”

Vielmehr als die Stimmung, die von diesem Bild ausgeht, kann ich diesen Gedanken mit in meinen Alltag mitnehmen. Ich möchte aufmerksam sein gegenüber den Momenten, die mir einen Impuls geben, und durch eine kleine Unterbrechung das “Alltagsgeschäft” beleben. Immer, wenn sich bei mir wieder Stress einstellen will, versuche ich mir etwas Zeit zu nehmen, und die Kinder in den Gruppen zu besuchen. Besondere Freude bereiten mir dann immer die ganz Kleinen. Sie haben die wunderbare Gabe, Kleinigkeiten zu entdecken, und sich daran zu erfreuen:

Das Schlüsselbund an meinem Gürtel, das sich bewegt, wenn ich gehe, das mobile Telefon, das unsichtbar in meiner Hosentasche klingelt, die Erbse, die vom Mittagessen noch am Stuhlbein klebt, das Müllauto, was sie Straße entlang fährt, der Popel, der an einer Nasenspitze hängt…

Die Kinder entdecken viele Kleinigkeiten und freuen sich daran. Mir hilft das, Abstand von der Hektik und dem Tempo zu bekommen und einfache Dinge zu sehen und zu schätzen. Das bezieht sich auch auf Gespräche mit anderen Menschen. Oft wandelt sich dann die Freude in Dankbarkeit, dass ich ein neuer Blickwinkel zeigt. Ich bin dankbar dafür, was ich mit den Kindern entdecken kann und dankbar für die Freude, die sich durch diese Beobachtungen einstellt.

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