Irgendwie, finde ich, habe ich noch gar nicht so viel schönes erzählt über das Leben hier. Ich denke es ist nun Zeit dafür. Vom 14. – 16. Juli war ich auf Rundreise durch drei Verschiedene Mission hier in der Nähe von Kolkata. Am 14. ging es relativ früh, um 5 Uhr los, um gegen 6 Uhr einen Zug Richtung Pandua (ind. Pandooah) zu erwischen. In Pandua konnte ich dann auch die erste Mission besichtigen, jedoch “nur” 45 Minuten, denn dann ging es schon weiter mit dem Bus nach Gurap. Die Missionen unterscheiden sich eigentlich nicht wirklich. Sie bestehen normalerweise aus Klassenräumen und Schlafzimmern für ca. 100 – 150 santalische Ureinwohner (Adivasis). In Pandua gibt es sogar eine “richtige” Schule. Sonst gehen die Kindern in die umliegenden Schulen und lernen nur zusätzlich in den Missionen.
Nach der einstündigen Busfahrt und einem kurzem Fußmarsch, da der Bus dermaßen überfüllt war, dass wir entschieden zu laufen, kamen wir (Fr. Tom und ich) in Gurap an. In Gurap erwartete uns nicht nur die Mission sondern auch eine traditionelle santalische Hochzeit und lecker Chicken zum Mittagessen.
Von circa 10 – 15 Uhr verbrachten wir den Tag dort ehe wir wieder in Richtung Pandua fuhren. Unterdessen bekam ich auch einen Anruf von Fr. Jothi, dem Direktor vom Udayani Social Action Forum in dem ich “angestellt” bin bzw. für dich ich arbeiten werde. Er erzählte, dass ich heute nicht in Pandua, sondern in Kalna übernachten werde. Kalna ist, wie soll es anders sein auch eine Mission des Udayanis. Wieder in Pandua wurde ein Tee getrunken, die Sachen gepackt und ab ging die Post mit dem Motorrad nach Kalna. Gute 50 Minuten benötigten wir hierfür.
Der nächste Tag war wieder ganz in der Kultur der Santhalis, denn die Hochzeit fand auch noch einmal im heimischen Dorf statt. Sehr schön und mal wieder richtig lecker!
Dort wurde ich von der Familie auch wieder herzlich aufgenommen und mir wurden abermals die Füße gewaschen und gesalbt. Die Frage warum sie das machen ist nun nach einigen Nachfragen auch etwas leichter zu beantworten: Die Fußwaschung bezieht sich auf das Lukas-Evangelium 7, 36-50. In dem Jesus die Füße gesalbt werden.
Zwei Nächte blieb ich in Kalna und am 16. ging es dann wieder mit dem Weg über Pandua nach Kolkata. Eine echt schöne Tour! Und nun einige Bilder!
Kinder sind gerne in der Natur. Daher findet sich der Dank für die Schöpfung häufig in ihren Gebeten wieder. Die Schöpfungsgeschichte wird regelmäßig in der Kindertagesstätte erzählt und in verschiedene bilderische Techniken umgesetzt. Kinder kommentieren den Verlauf gerne und schmücken alles mit großer Phantasie aus. Die meisten können auch schon bis 7 zählen. Am 7. Tag ruhte Gott. Das muss auch mal sein. Doch wie hat er das gemacht? Darüber stellen sie zahlreiche Vermutungen an und haben viele Ideen. Er hat ja auch wirklich etwas ganz wertvolles geschaffen.
Jetzt ist Urlaubszeit, die Zeit, in der die meisten von uns eine wohlverdiente Pause machen: Abstand vom Alltag bekommen, zur Ruhe finden, Energie tanken, Neues entdecken, Dinge verändern…
Ich freue mich auf einen erholsamen Wanderurlaub in den Bergen, auf viel Natur und neue Eindrücke durch andere Menschen. Wie sieht Deine Auszeit aus? Wie kannst Du Dich am besten erholen? Oder an alle die, die keine Ferien haben, wie baut Ihr kleine Auszeiten in den Alltag ein? Hier ein guter Tipp:
In der Blogosphäre schwirren mir eine Menge Kommentare um die Ohren. Am liebsten würde ich eine Reihe neu kommentieren, Menschen, die von fragwürdigen „Wirklichkeiten umarmt“ werden, bei denen sie von uns als Kirche nur wenig Antwort finden. Sprache, die von „bedeutungsvollem Tiefsinn und Betroffenheitsgefühlen trieft“. Religion, die zu sehr „christliche Freiheit reguliert“. Ich merke, was diese Kommentare mit mir machen: zunächst direkt gemeint zu sein; dann möchte ich alles genauer erklären; dann nehme ich mir vor, sensibler, differenzierter, manchmal auch einfacher und plakativer mit meiner Sprache umzugehen oder die eigene Antwort zu hinterfragen. Ich spüre, dass es gut ist, diesen inneren Dialog im Hinterkopf zu behalten. Dann verändern sich mein Reden und Handeln einfach von selbst. Die Bibel nennt das „ein hörendes Herz“ haben (im Gebet des Salomo; 1 Kön 3,9) oder „ein Herz von Fleisch statt aus Stein“ (vgl. Ezechiel 36,26). – Nun mag ich schon wieder in diese „bedeutungstriefende Sprache“ verfallen, aber die Bilder der Bibel bleiben notwendig für eine Botschaft, die Menschen zu einem Glauben ermutigen soll, der nach Freiheit schmeckt.
Noch länger nachgegangen ist mir das Wort: „Ich würde Jesus auch auf die Rückseite der Wahrheit folgen.“ Ein sehr mutiger Satz. Für mich ist diese Rückseite der Wahrheit das Dunkel, die Verlassenheit, das abgrundtief und hoffnungslos Undurchschaubare. Ihm dorthin folgen zu können, wage ich nicht so leicht zu behaupten. Allerdings wüsste ich auch nicht, warum ich ihm folgen sollte, wenn er nicht mehr ist als ein Mensch, wenn es kein absolutes Ziel, nämlich Gott und sein Leben, gibt. Meine Hoffnung liegt gerade darin, dass er Gott ist, auch wenn ich ihn nicht gleich als solchen erkenne. Und nur deshalb würde ich ihm auch auf die Rückseite der Wahrheit folgen. Denn einem, der ,nur‘ Mensch ist, überall hin zu folgen, machte letztlich diesen Menschen zu einer ,Gottheit‘, zu einem Abgott.
Nun sind schon 12 Tage vergangen, seitdem ich meinen ersten Fuß auf indischen Boden gesetzt habe und ich bin immer noch da. Sowas muss man schon so drastisch erwähnen, wenn man erahnen kann inwiefern der Verkehr hier abläuft. Die Motorrad-Rikscha wird zum Formel 1 Wagen, den Bus bespringt man während der Fahrt und die Metro ist nichts für Menschen mit Platzangst.
Aber ich mag es! Es macht wirklich Spaß hier mit Edwin, dem Freund jedes Freiwilligen hier, durch die überfüllten Straßen zu schlendern und köstlichen Straßensnacks zu essen.
Mit dem Bengali lernen klappt es ganz gut und ich kann auch schon ein wenig sagen. Ami olpo-olpo bangla bolte pari (Ich kann schon etwas Bengali sprechen). Habe nun hier jeden Morgen ein bis zwei Stunden Einzelunterricht. Mit Teepause versteht sich. Danach so gegen elf Uhr habe ich noch für eine Stunde „frei“ und um zwölf gibt es dann schon Mittag. Nach dem Mittagessen bin ich eigentlich meistens in der Stadt, um bis spätestens 20Uhr zum Abendessen wieder da zu sein.
Das mit dem Visum ist/war auch so eine Sache. Ich war viermal dort und werde nächste Woche wohl wieder hingehen müssen. Indische Bürokratie ist nun mal etwas ganz besonderes.
Ab Mittwoch werde ich in Pandua sein. Dort ist eine ähnliche Mission wie in meinem eigentlichen Arbeitsort Mirga, welche ich mir ein paar Tage anschauen soll. Ab dem nächsten Mittwoch wird es dann voraussichtlich auch damit losgehen in Mirga anzukommen und mich ein zuleben. Denn Kolkata und Mirga sind dann doch zwei verschiedene Kaliber.
Enden möchte ich mit Apg 4:20 vom umgeschriebenen Rosenkranz von Dieter.
„Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.“
In diesem Sinne bis zum nächsten Mal!
Stephan
“Mehr rührt uns der Unglaube des Thomas als der Glaube der glaubenden Jünger”. Dieser Satz des hl. Gregor sprang mir am Fest des Apostels Thomas in die Augen. Thomas, der Skeptische, der oft noch einmal nachfragt und die großen Worte Jesu hinterfragt (Joh 14,5), dringt dadurch tiefer in das Geheimnis Gottes ein als diejenigen, die immer schon wissen, wie glauben geht. Dazu fällt mir ein kleines Gedicht von Erich Fried ein:
zweifle nicht
an dem
der dir sagt
er hat Angstaber hab Angst
vor dem
der dir sagt
er kennt keinen Zweifel(Erich Fried, Gründe. Gesammelte Gedichte, Berlin 1934)
Oft fragen mich die jungen Leute in den Gesprächen bei der Firmung: Haben Sie auch manchmal Zweifel? Meine Antwort: Es gibt keinen Glauben ohne Zweifel, da Glauben nicht mathematische Gewissheit ist, Zweifel auch nicht ein vages Nichst-richtig-wissen. (z.B. “Ich glaube, bis zum Bahnhof ist es ein Kilometer.”) Glaube ist das Wagnis, zu vertrauen, dass unser Leben nicht nur aus Gewissheiten und festen Daten besteht und lebt, sondern tiefere Gründe hat als alles, was man haben, machen und kaufen kann. Es ist das Wagnis, jemandem zu trauen, der größer ist als ich selbst, anzunehmen, dass es einer gut mit mir meint, der größer ist als meine Mitmenschen und ich.
Wer keine Zweifel kennt, hat diesen Größeren schon auf sein eigenes Maß gebracht, weil er das Abenteuer des Ungewissen nicht mehr kennt.
Jesus nimmt den Zweifel des Thomas an und lässt sich von ihm berühren. Das weitere Wort Jesu bleibt freilich eine Provokation: Selig, die nicht sehen und doch glauben. Dieses Wort fordert mich heraus, mitten im nicht-Sehen, im Dunklen, im tiefen Zweifel, mich von diesem “und doch” treffen zu lassen. Gut, dass es Thomas unter den Aposteln gibt; er hilft zu diesem “und doch!” – In dubio pro Deo!
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