Neunundzwanzig Tage bin ich nun schon in Indien und seit dem 27. July auch wieder in Mirga. Nachdem ich hier schon 3 Tage verbringen durfte, geht es nun los sich erstmal richtig einzuleben! Heute ist sogar der erste Tag an dem ich komplett hier sein werde und nirgendwo hinfahren muss bzw. werde.
Gestern verbrachte ich den Tag in Bankura wo der Superior in einem Ashram lebt und mich kennenlernen wollte. Der Superior ist zuständig für Mirga/Jhantipahari/Bankura und somit für ungefähr 250 Kids. Nachdem der Zug für 14 km und eine Zwischenhaltestelle eine geschlagene halbe Stunde brauchte, wurde bei Fisch, Chips und allerlei Knabberzeug über Gott und die Welt philosophiert. War echt nett. Nach dem Mittagessen und einer Führung über das Gelände in Bankura wurde ich mit dem Motorrad wieder zum Bahnhof nach Chatna gebraucht von dem aus ich dann 15- 20 Minuten ins Ashram zurückradeln musste. Angekommen kam ich genau richig zum Fußballmatch, welches jeden Tag gegen 16:30 Uhr startet. Harte Zweikämpfe und richtig starke Schauer brachten mich dazu, leider keine Fotos davon zu machen. Gegen 21 Uhr ist hier dann auch immer Schicht im Schacht. Man muss ja auch fit sein, wenn man morgens nicht pünktlich aufsteht
Die Kinder stehen jeden Tag um 5 Uhr auf, um schon vor dem Frühstück mit dem Lernen zu beginnen. Ich habe es, zumindest bis jetzt so gemacht, dass ich erstmal nur zum Frühstück, um 8 Uhr aufgestanden bin und solange sich keiner beschwert, ist das ja auch okay.
Pläne für die nähere Zukunft gibt es sogar auch schon. Am 31. wird hier in Mirga ein großes Fest gefeiert zu Ehren des Ignatius von Loyola. Dafür werden auch schon fleißig Tänze und Gesänge eingeübt, welche dann vorgetragen werden. Geplant ist auch ein großes Fußballtunier mit dem Kindern aus Jhantipahari, welche für das Fest extra anreisen (10 km sind das, glaub ich). Wie, weiß ich nicht, aber ich denke sie werden wohl nicht laufen müssen und kommen mit dem Bus oder dem Zug.
Bilder vom Fest folgen sicher
Stephan
Die Schreckensbilder von Duisburg gehen mir nicht aus dem Kopf. Massenpanik, der Tod von nun 21 jungen Menschen, die Frage nach den Verantwortlichen für dieses Drama; die Trauer, die in tausend Lichtern, Blumen, Worten, Gebeten ihren Ausdruck sucht. Ich denke dabei auch an viele Großveranstaltungen, Events, der Kirche vom Weltjugendtag über Katholikentage bis zur Ministrantenwall in Rom in der kommenden Woche. Noch mehr wird deutlich, wie sehr von allen Seiten verantwortlich gehandelt werden muss und wie sehr wir mit einer völligen Veränderung von Menschen in panischen Situationen rechnen müssen. Die ständige Einübung in ein verantwortliches Miteinander und die wirkliche Wahrnehmung, wie Alkohol, Drogen, Musik, Massenerfahrung sich auf den Menschen auswirken, sind ebenso nötig wie die besonnene Schulung aller Leitungskräfte.
Das Wort „event“ bedeutet Ereignis, Abenteuer. Es enthält auch den Sinn von „herausgehen“. Dieser Abstand vom Alltag, das große Gemeinschaftsgefühl, Musik und Darstellung und das „Aus-sich-Herausgehen“ sind wichtig. Aber sie werden nur zu einer Ermutigung, wenn sie von echten menschlichen Alltagserfahrungen getragen sind und für solche Erfahrungen wieder gewachsen machen.
Mir bleibt im Moment nichts anderes, als meine Verantwortungsbereiche in diesen Fragen zu überdenken und – noch wichtiger – für die so plötzlich aus dem Leben gerissenen jungen Leute und deren Angehörige zu beten. Denn nur der Glaube weiß um ein größeres Leben darüber hinaus, so schmerzvoll und sinnlos der Augenblick des Verlustes erfahren wird.
Übrigens: Für eine kurze Zeit verabschiede ich mich aus der Blogosphäre, da ich mit 500 Messdienern und Messdienerinnen aus unserem Bistum nach Rom reise. Dort sind wir dann zusammen 51 000 aus ganz Europa. Anschließend mache ich ein wenig Urlaub. Also: Bis bald!
Jesus hat in seinem Leben deutlich gemacht, dass Gottes Liebe besonders den Kindern gilt. Wer ein Kind aufimmt, der nimmt Jesus auf und mit ihm Gott .
Daher gilt den Kindern eine besondere Fürsorge. In Mk 9, 36-37 stellt Jesus das Kind in die Mitte. Das bedeutet für mich, es in seiner Person ernst zu nehmen und mich mit ihm auf Augenhöhe zu begeben. Geht das, oder ist ein Erwachsener einem Kind aufgrund seiner Lebenserfahrung immer überlegen? Was können Erwachsene denn von Kindern lernen? Ich habe mal einige Kinder gefragt. Antworten waren:
…auf Bäume klettern, schneller rennen, spielen, vor dem überqueren einer Straße nach links und rechts zu sehen, Geschichten erfinden, im Dreck matschen, sich vertragen, toben…
Ich glaube es gibt noch viel mehr, was wir von Kindern lernen können, wenn wir uns auf ihre Ebene begeben. Wenn Kinder in einem sicheren Rahmen aufwachsen, haben sie ein tiefes Vertrauen in andere Menschen und in die Welt. Das gibt ihnen Mut und sie gehen neugierig auf Vieles zu. Kinder probieren unentwegt aus, und Missgeschicke sind ihnen nicht peinlich. Versucht mal, die Welt mit Kinderaugen zu sehen, oder fragt die Kinder nach ihren Deutungsmustern von dem was in der Welt so passiert. Das kann Sichtweisen verändern, auch in Beziehung zu anderen Menschen!
Ein paar Tage in Bremen gemeinsam mit einigen musikalischen Freunden. „Gott achtet den, der arbeitet, aber er liebt den, der singt“, habe ich mal gehört. Wahrscheinlich liebt er am meisten den, der arbeitet und singt.
Am Rande eindrucksvolle Gespräche. Mit den Ordensschwestern, die dort leben mitten im Schnoor, dem alten Hafenviertel, das heute ein Paradies zum Bummeln für Touristen ist; Gastfreundschaft und Gebet sind das Prinzip der Ordensfrauen. Gespräch mit einem jungen Priester über seinen künftigen Weg; Glaube und politisches Handeln ist sein besonderes Thema. Gespräch mit dem Schriftführer, sozusagen dem „Bischof“, der evangelischen Kirche in Bremen über den ökumenischen Gottesdienst am kommenden Tag der deutschen Einheit; Ökumene praktisch, menschlich, in gemeinsamer Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Staat.
Und dann Gespräch mit einem jungen Menschen, der aus der Kirche ausgetreten ist. Großgeworden in einer langjährigen sehr positiven Erfahrung von Kirche und in Kirche, kann und will er einige Aussagen und Verhaltensweisen von kirchlich Verantwortlichen nicht mehr teilen und unterstützen, gerade in diesen Zeiten, in denen so viele Vertrauensbrüche zu Tage getreten sind. Er will ein Zeichen setzen. Ein sehr offenes und ehrliches Gespräch mit einem suchenden und nachdenklichen Menschen, mit dem über viele Themen des Glaubens zu reden ist. Wir finden schnell eine Weise, die tiefer geht als die Auseinandersetzung um Einzelfragen. Wir verabschieden uns, berührt von dieser Begegnung. Seine Entscheidung bleibt. Aber ich bin sicher: die Tür bleibt offen – von mir, von Kirche und auch von ihm. Spuren dieser Begegnung bleiben. Ich überlasse es einem Größeren, Gott, was sie bewirken…
Hallo miteinander! Ich melde mich zurück aus dem Urlaub, weshalb die “Kanzel” zwei Wochen leer blieb. Wir waren in den Dolomiten in Südtirol. Eine wunderschöne Gegend ist das. Zum Glück sind meine drei Kinder inzwischen alt genug, um mit auf die Bergwiesen und die Gipfel zu steigen, diese Schönheit der Blumenwelt und die Weite und Stille des Bergpanoramas zu erleben.
Mich wundert es nicht, dass die biblischen Erzähler oft das Bild des Berges als den Ort der Gottesbegegnung gewählt haben. Mir jedenfalls geht es so, dass ich im Anstieg bis zum Gipfel Vieles hinter mir lassen kann/muss. Die Anstrengung erzwingt es regelrecht, sich nur noch auf die Atmung, den nächsten sicheren Schritt, den Schluck Wasser zu konzentrieren. Und dann diese Blicke! Steile, schrecklich schöne Felswände und Abgründe, hoch aufragende Zinnen… Mich macht das demütig und lässt mich staunen über die Schöpfung und den Schöpfer.
Natürlich weiß ich um die naturwissenschaftlichen Umstände der Entstehung der Dolomiten, aber damit ist einfach noch nicht alles gesagt. Bedeutung gewinnt diese Welt doch erst, wenn ich sie deute. Und für mich sind die Dolomiten ein felsgewordenes Zeugnis dafür, wie gut Gott es mit uns meint.
Den Einheimischen scheint es auch so zu gehen. Warum sonst stehen auf jedem nennenswerten Gipfel, an jedem Joch und an unzähligen Wegen Kreuze?
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