Der Blog des Bistums Osnabrück

Auf ins Abenteuer

Mittwoch, 30. Juni 2010 von bibo

Bode bloggt – eine völlig neue Erfahrung für mich. Es ist ein eigenes Gefühl, viele Menschen an Alltagsgedanken und -erfahrungen teilhaben zu lassen. Es ist spannend, auf Kommentare zu warten und dadurch mitzubekommen, wozu andere die eigenen Gedanken bewegt haben – erste Eindrücke durfte ich in den letzten Tagen ja schon sammeln. Für mich eine neue, ungewohnte Form der Wahrnehmung, die mir durch viele andere Weisen meines Dienstes in Gottesdiensten, Vorträgen, Begegnungen so nicht gelingt.

Meine Notizen wollen Resonanz auslösen; die Kommentare finden in mir Resonanz, die mich in meinem Tun mehr oder weniger bewusst begleitet. “Es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in den Herzen der Christen seinen Widerhall fände”, hat die Kirche einmal feierlich erklärt (II. Vatikanisches Konzil GS 1).

Ich bin gespannt, was das Abenteuer in der Blogosphäre mit mir macht – und was diese neue Kontaktnahme mit Menschen macht, die meine Überlegungen lesen. Ich möchte als Bischof den Markt der Meinungen besser wahrnehmen und dabei einen mehr persönlichen als amtlichen Weg nehmen. Ein Satz des Apostels Paulus hat mich dabei immer fasziniert: “Ich wollte euch nicht nur am Evangelium teilhaben lassen, sondern auch an meinem eigenen Leben” (1 Thess 2,8).

Jetzt aber Schluss mit den sinnigen Gedanken an dieser Stelle – der neue Bundespräsident soll von mir auch noch ein paar ermutigende Zeilen haben. Ich bin ja sein Heimatbischof…

Intelligenztests für Zuwanderer?

Dienstag, 29. Juni 2010 von bruno

Doch wohl besser: Intelligenztests für politische Vorschläge! Zunächst hatte ich es ja nur für einen Scherz im Sommerloch gehalten, den sich einige Unionspolitiker da geleistet haben, als sie für Zuwanderer Intelligenztests forderten.

Eigentlich müsste die Lektüre der Artikel 1-3 des Grundgesetzes reichen, um diese Debatte in einer zivilisierten Demokratie zu beenden. Aber nicht nur das! Wie kann es passieren, dass ausgerechnet Politiker christlicher Parteien zu solchen Ideen fähig sind? Sind vor Gott nicht grundsätzlich alle Menschen gleich? Noch radikaler formuliert es das Matthäusevangelium, wenn es sagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder (und Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Vom IQ steht da nichts…

Aber denken wir den Vorschlag einfach einmal weiter :)

Auf lange Sicht würden dann die Zuwanderer den Durchschnitts-IQ in diesem Land deutlich heben. Wenn die dann auch noch in die Politik gehen sollten, wäre das für unsere Demokratie sicher bereichernd.

Oder wie wäre es mit einer gestaffelten Mehrwertsteuer in Abhängigkeit zum IQ? Das wäre doch ein wunderbarer Anreiz für eine gute Frühförderung und Bildungspolitik und würde die Staatsfinanzen sicher besser sanieren, als eine ermäßigte Mehrwertsteuer auf Rennpferde und Hotelübernachtungen.

Oder brauchen wir eher eine Intelligenzprüfstelle im Deutschen Bundestag für politische Vorschläge?

Die Liste ist eröffnet: Was meint ihr?

Warten…

Samstag, 26. Juni 2010 von stephan

Es ist schon ein bisschen warten wie auf einen Geburtstag, Heilig Abend, Ostern oder auf die Fußball-WM. Das ganze Jahr denkt man, dass noch Zeit sei für die Liebsten ein Geschenk zu kaufen oder das Bier für das Fußballspiel zu kaufen. Und dann?

Es kommt doch immer ganz anders, als man denkt. Vier Tag vor dem Abflug und das Visum ist noch nicht in der Tasche, sofern man von den anderen Sachen schon annähernd behaupten kann, dass sie wenigstens in der Nähe des Rucksacks liegen. Arbeiten werden aufgeschoben (obwohl ich für das Visum echt nicht viel kann ;-) ) und müssen doch irgendwann erledigt werden. Nagut mein Zimmer ist mittlerweile recht aufgeräumt und ausreisetauglich.
Aber geht es euch da ähnlich, dass ihr denkt “Ups wie die Zeit vergeht?”
In diesem Sinne verabschiede ich mich für einige Tage und werde dann ganz fleißig aus Indien berichten.

Vuvuzelas in aller Munde

Freitag, 25. Juni 2010 von bea

Auch ich kann diese Tröten aus meinem Alltag nicht mehr ausblenden. Das Osnabrücker Synphonieorchester lässt sogar Werke von Beethoven darauf erklingen. Da sind Kinder schnell dabei, so etwas aufzugreifen und umzusetzen.

Die selbstgebastelten Modelle sind aus speichelaufsaugender Pappe und ihr Ton ähnelt eher dem nicht weniger aufdringlichem “Töörrööööh” von Benjamin Blümchen.  Sie sind sogar eigens erprobt von Bischof Franz Josef Bode, der bei einem Besuch in der Kindertagesstätte lautstark damit begrüßt wurde. Natürlich hat er sie unter Anleitung der Kinder auch ausprobiert und dadurch großen Respekt von den kleinen Fans erhalten.

Vuvuzela

Die Posaunen in den alttestamentarischen Beschreibungen sind mal Instrumente der psychologischen Kriegsführung und dienen an anderer Stelle dem Lob Gottes. Vuvuzelas lösen auch unterschiedliche Stimmungen aus.

Das zeigt wieder mal: Wie so oft im Leben kann ich vielen Gelegenheiten eine unterschiedliche Bedeutung geben oder je nach Stimmungslage Situationen unterschiedlich wahrnehmen.

Gott umarmt uns mit der Wirklichkeit

Mittwoch, 23. Juni 2010 von bibo

„Gott umarmt uns mit der Wirklichkeit.“ Von diesem Satz komme ich nie ganz los. Heute war die Wirklichkeit mal wieder besonders bunt: Ich sehe die Freude einer Familie über neuen Nachwuchs; ich sehe den Schrecken eines Menschen, der die harte Wahrheit über seine schwere Erkrankung erfährt; ich schaue bei der Firmung jungen Leuten in die Augen, die voller Hoffnung und Skepsis zugleich in die Zukunft blicken; ich diskutierte mit Menschen in einer Gemeinde, wie es mit Kirche weitergeht – und dazu viele Informationen, Anfragen, kritische und ermutigende Worte in Begegnungen, Briefen, am Telefon… Eine bunte Wirklichkeit!

Manchmal umarmt Gott mich so mit dieser Wirklichkeit, dass ich mich umklammert oder fast erdrückt fühle. Manchmal ist es wieder so, dass sie mich trägt, ja geradezu beflügelt. Mal erscheint diese Umarmung wie eine “Zwangsjacke”, mal wie ein Schutz, mal wie eine zärtliche, liebende Gebärde, die mich hält und prügelt zugleich. Dass das eine uralte menschliche Erfahrung ist, zeigt der Psalm 139 in den Versen 1 bis 12.

Ich hoffe, dass ich bei aller Zerrissenheit des Alltags die Umarmung mit der Wirklichkeit immer wieder so erahnen und erfahren kann: als Umarmung eines liebenden, nicht eines launischen Gottes, der in den verschiedenen Situationen zu mir steht.

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